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Stagnation auf hohem Niveau: Die Preisdynamik im deutschen Billigflugsektor im Herbst 2025

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Der Markt für preisgünstige Flugreisen in Deutschland zeigt im Herbst 2025 ein gespaltenes Bild. Während die Ticketpreise im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil geblieben sind, kämpft die Branche mit einem strukturellen Rückgang des Angebots und hohen Standortkosten. Eine aktuelle Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) belegt, dass die Durchschnittspreise für ein einfaches Ticket ohne Zusatzleistungen derzeit zwischen 48 Euro bei dem ungarischen Anbieter Wizz Air und 113 Euro bei der britischen Easyjet liegen.

Damit hat sich die Preisspanne gegenüber dem Vorjahr, als sie noch zwischen 61 und 115 Euro schwankte, leicht nach unten verschoben, was primär auf aggressive Preisstrategien einzelner Anbieter zurückzuführen ist. Dennoch bleibt das Fliegen ab Deutschland im europäischen Vergleich teuer. Vor allem Kurzentschlossene müssen tief in die Tasche greifen: Wer am Vortag bucht, zahlt bei Marktführern wie Eurowings im Schnitt über 167 Euro, während Frühbucher bei Wizz Air bereits für unter 30 Euro abheben können. Die Untersuchung verdeutlicht zudem, dass Deutschland im Vergleich zum Rekordjahr 2019 massiv an Boden verloren hat. Damals lag der Anteil der Direktflüge am Gesamtverkehr noch bei einem Drittel, heute ist er auf etwa ein Viertel gesunken.

Preisstrategien zwischen Frühbucherrabatt und Last-Minute-Aufschlag

Die Preissetzung der Fluggesellschaften folgt im Herbst 2025 einem klaren Muster der zeitlichen Differenzierung. Die DLR-Experten werteten Testabfragen vom 23. September aus und stellten fest, dass die Vorlaufzeit der entscheidende Faktor für den Endpreis ist. Bei Eurowings, der Airline mit dem dichtesten Netz in Deutschland, kostete ein Flug mit drei Monaten Vorlauf im Schnitt etwa 76 Euro. Für Reisen am darauffolgenden Tag verlangte das Unternehmen hingegen durchschnittlich 167,29 Euro. Diese enorme Spreizung findet sich bei fast allen untersuchten Anbietern wieder.

Besonders günstig präsentieren sich Wizz Air und Ryanair bei einer Buchungsfrist von einem Monat. Hier konnten Durchschnittspreise von 29,84 Euro beziehungsweise 39,93 Euro ermittelt werden. Diese Tarife verstehen sich jedoch als Basispreise für das reine Ticket. Zusätzliche Leistungen wie aufgegebenes Gepäck, Sitzplatzreservierungen oder bevorzugtes Boarding treiben den Endpreis oft erheblich in die Höhe. Ein extremes Beispiel für die Preisdynamik bei kurzfristigen Buchungen lieferte erneut Ryanair: Ein Ticket von Köln nach Porto wurde für den Folgetag für 325 Euro angeboten – das teuerste Einzelticket der gesamten Auswertung.

Standortkosten als Wachstumsbremse für Billigflieger

Ein zentraler Grund für das verhaltene Wachstum im deutschen Luftraum sind die staatlich induzierten Kosten. Branchenverbände und Airlines wie Ryanair kritisieren seit langem die Höhe der Luftverkehrsteuer sowie die steigenden Gebühren für Luftsicherheit und Flugsicherung. Laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sind die Standortkosten in Deutschland zwischen 2019 und 2024 um rund 38 Prozent gestiegen, was deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt. Dies führt dazu, dass insbesondere Punkt-zu-Punkt-Airlines ihre Flotten in Länder mit attraktiveren Rahmenbedingungen verlagern.

Ryanair hat als Konsequenz sein Angebot in Deutschland bereits im Sommer 2025 um rund 1,8 Millionen Sitzplätze reduziert und für den Winter weitere Streichungen angekündigt. Während das Angebot der Billigflieger im restlichen Europa längst über dem Niveau von 2019 liegt, erreicht es in Deutschland lediglich rund 85 Prozent des Vorkrisenwerts. Zwar hat die Bundesregierung für Mitte 2026 eine Senkung der Luftverkehrsteuer in Aussicht gestellt, doch für die aktuelle Herbstsaison 2025 blieben die Entlastungen aus, was die Preise auf einem stabilen, aber vergleichsweise hohen Niveau hält.

Verschiebungen im Streckennetz und Rückgang der Inlandsflüge

Die Analyse des DLR zeigt auch eine deutliche Veränderung in der Struktur der angebotenen Flugziele. Die beliebtesten Destinationen für Direktflüge bleiben unverändert Spanien, Italien und Griechenland. Innerhalb Deutschlands konzentriert sich das Angebot auf die großen Ballungszentren Berlin, Düsseldorf und Köln-Bonn. Während Berlin mit 42 Direktzielen und Düsseldorf mit 114 Verbindungen wichtige Knotenpunkte bleiben, ist ein massiver Rückgang bei innerdeutschen Flügen zu verzeichnen.

Laut statistischem Bundesamt lag die Zahl der Passagiere auf Inlandsflügen im Sommer 2025 mehr als 50 Prozent unter dem Wert von 2019. Viele Airlines haben dezentrale Verbindungen zwischen kleineren Städten gestrichen und konzentrieren sich stattdessen auf touristische Routen ins Ausland. Der Anteil der Billigflüge am gesamten deutschen Flugverkehr sank von 33 Prozent im Jahr 2019 auf aktuell 26 Prozent. In einer untersuchten Woche im Juli 2025 wurden zwar 4.400 Billigflüge auf 758 Strecken angeboten – ein leichter Zuwachs zum Vorjahr –, doch im Vergleich zu den 6.600 Flügen vor der Pandemie bleibt die Lücke eklatant.

Wettbewerb und Marktentwicklung im europäischen Kontext

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen wächst der Markt für Low-Cost-Flüge weltweit stark an, in Deutschland jedoch deutlich langsamer. Das DLR identifiziert hierfür neben den Kosten auch die schwache Konjunktur und ein verändertes Reiseverhalten als Ursachen. Viele Fluggesellschaften verfolgen inzwischen hybride Geschäftsmodelle, bei denen die Grenzen zwischen klassischen Linienfliegern und Billigfliegern verschwimmen. So setzen etwa Lufthansa und Eurowings verstärkt auf variable Tarifstrukturen, um unterschiedliche Kundengruppen anzusprechen.

Für Reisende bleibt Mallorca der wichtigste internationale Zielflughafen. Im Juli 2025 wurde die Insel von 24 deutschen Flughäfen aus bedient, wobei Eurowings und Ryanair die meisten Frequenzen stellten. Dieser intensive Wettbewerb auf touristischen Rennstrecken sorgt dafür, dass die Preise trotz steigender Gebühren nicht völlig entgleisen. Dennoch mahnen Experten, dass ohne eine signifikante Senkung der Standortkosten weitere Airlines ihr Engagement in Deutschland zurückfahren könnten, was langfristig zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen für die Verbraucher führen würde.

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