Hotel (Foto: Unsplash/Marten Bjork).
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Steigende Systemkosten und verändertes Konsumverhalten zwingen Hotellerie zu tiefgreifenden Anpassungen

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Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Österreich blickt trotz solider Buchungslagen und quantitativ hoher Nächtigungszahlen auf eine zunehmend fragile wirtschaftliche Gesamtsituation. Der aktuelle Tourismusbarometer, der gemeinschaftlich von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte Österreich sowie der Österreichischen Hotelvereinigung herausgegeben wird, zeichnet das Bild einer Branche, die sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befindet. Die Ertragskraft vieler Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe leidet massiv unter einer Kombination aus historisch hohen Betriebskosten, einer unverändert drückenden Steuer- und Abgabenlast sowie unvorhersehbaren geopolitischen Krisenherden wie den anhaltenden Spannungen im Nahen Osten.

Diese Gemengelage führt dazu, dass das traditionelle betriebswirtschaftliche Ziel einer reinen Auslastungsoptimierung im Sinne voll belegter Betten nicht mehr ausreicht, um die finanzielle Stabilität und die langfristige Überlebensfähigkeit der Unternehmen zu sichern. Mehr als zweihundertdreißig führende Branchenrepräsentanten aus allen Bundesländern beteiligten sich an der empirischen Erhebung und lieferten detaillierte Einblicke in die veränderte wirtschaftliche Realität des heimischen Tourismussektors, der für die Gesamtwirtschaft des Landes von fundamentaler Bedeutung ist.

Die Schere zwischen Umsatz und Gewinn öffnet sich weiter

Ein zentrales Ergebnis der statistischen Auswertung ist das gravierende Missverhältnis zwischen der Umsatzentwicklung und der tatsächlichen Rentabilität der Betriebe. Bei jedem zweiten befragten Hotel- und Gastronomiebetrieb hat sich der Gewinn in den vergangenen drei Jahren deutlich schwächer entwickelt als der nominale Umsatz. Diese Schieflage ist primär das Resultat drastisch gestiegener Fix- und Variablenkosten. Insbesondere die Aufwendungen für Energie, Logistik und die allgemeine Betriebsführung bewegen sich auf einem Niveau, das durch Preisanpassungen bei den Zimmerraten kaum noch vollständig an den Endverbraucher weitergegeben werden kann. Hinzu kommt eine spürbare Dynamik bei den Personalkosten, die durch kollektivvertragliche Anpassungen und den anhaltenden Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte getrieben wird.

Die Stimmung unter den österreichischen Hoteliers hat sich vor diesem Hintergrund im Vergleich zu den Vorjahren nochmals messbar eingetrübt. Auf einer Schulnotenskala von eins bis fünf bewerten die Befragten die aktuelle wirtschaftliche Lage der Branche im Durchschnitt mit einer Note von 3,2. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind von großer Skepsis geprägt, denn fast die Hälfte der Betriebe rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der ökonomischen Rahmenbedingungen. Luftfahrtexperten und Ökonomen stützen diese Einschätzung, da auch die internationalen Reisebewegungen und die damit verbundenen Kostenstrukturen durch globale Krisen beeinflusst werden. Neun von zehn Befragten gehen fest davon aus, dass die geopolitischen Konflikte die Preise im Transport- und Energiesektor weiter antreiben werden.

Strukturreformen als Voraussetzung für internationale Wettbewerbsfähigkeit

Branchenvertreter fordern angesichts der Datenlage eindringlich politische Weichenstellungen. Die Hotellerie und Gastronomie verweisen darauf, dass ohne eine grundlegende Standort- und Strukturreform die Gefahr besteht, dass die Investitionskraft der Unternehmen erlahmt. Ein Land, dessen Bruttoinlandsprodukt zu einem erheblichen Teil direkt und indirekt vom Tourismus abhängt, benötigt vitale, eigenkapitalstarke Unternehmen, die in der Lage sind, auf die sich rasch verändernden Marktgegebenheiten zu reagieren. Die hohe staatliche Abgabenquote auf den Faktor Arbeit sowie bürokratische Auflagen werden in diesem Kontext als zentrale Hemmschuhe identifiziert, die die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Österreichs im direkten Vergleich mit anderen europäischen Destinationen belasten.

Eine leichte Entspannung verzeichnet die Branche hingegen bei der Rekrutierung von Arbeitskräften. Die Verfügbarkeit von Personal wird von den Betrieben nun mit der Note 3,0 bewertet, was eine moderate Verbesserung gegenüber dem Vorjahreswert von 3,3 darstellt. Dennoch ist der Arbeits- und Fachkräftemangel keineswegs überwunden. Aktuell melden rund zwei Drittel aller befragten Betriebe offene Stellen, die kurz- bis mittelfristig nicht adäquat besetzt werden können. Dieser Mangel führt in vielen Hotels und Restaurants zu einer künstlichen Deckelung des Angebots, etwa durch die Einführung zusätzlicher Ruhetage, verkürzte Öffnungszeiten in den Hotelrestaurants oder die Reduzierung von Serviceleistungen.

Verändertes Ausgabeverhalten der nationalen und internationalen Gäste

Parallel zu den internen Kostendruckfaktoren sieht sich die Hotellerie mit einem spürbaren Wandel auf der Nachfrageseite konfrontiert. Die Konsumzurückhaltung, die weite Teile der europäischen Volkswirtschaften erfasst hat, schlägt sich nun direkt im Urlaubsverhalten der Konsumenten nieder. Zwar wird nach wie vor gereist und die Zimmerbuchungen bleiben stabil, doch das Konsumverhalten vor Ort hat sich drastisch verändert. Dreiundsechzig Prozent der Hotelbetreiber berichten von einem deutlichen Rückgang der touristischen Nebenausgaben während des Aufenthalts.

Die Einsparungen der Urlauber betreffen dabei wesentliche Umsatzbringer der Hotellerie. Gespart wird in erster Linie bei den kulinarischen Angeboten, etwa durch den Verzicht auf das Abendessen im Hotelrestaurant oder die Wahl preisgünstigerer Alternativen außerhalb der Hotelanlage. Auch zusätzliche Dienstleistungen wie kostenpflichtige Wellnessanwendungen, Massagen, hoteleigene Sportangebote sowie optionale Zimmer-Upgrades werden von den Gästen weitaus restriktiver nachgefragt als in den Jahren des postpandemischen Nachfragebooms. Diese Entwicklung zwingt die Betriebe dazu, ihre internen Kalkulationen anzupassen, da die Nebenerlöse traditionell eine hohe Gewinnmarge aufweisen und zur Querfinanzierung personalintensiver Hotelbereiche beitragen.

Strategische Neuausrichtung und Optimierung der Betriebsprozesse

Um auf diese vielschichtigen Herausforderungen zu reagieren, hat die Mehrheit der österreichischen Tourismusbetriebe bereits konkrete Anpassungen ihrer Geschäftsmodelle vorgenommen oder plant solche für die unmittelbare Zukunft. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen befinden sich im Zustand der operativen Restrukturierung. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht für sechsundsiebzig Prozent der Manager die konsequente Optimierung der internen Kostenstrukturen. Dies umfasst den Einkauf, die Lieferkettenlogistik sowie das Energmanagement, bei dem verstärkt auf Effizienz und Verbrauchsreduktion gesetzt wird.

Ein weiterer Hebel ist die Steigerung der Effizienz im Bereich der Betriebsprozesse, die von sechsundfünfzig Prozent der Betriebe forciert wird. Hierbei investieren viele Hotels verstärkt in die Digitalisierung administrativer Abläufe. Die Einführung von automatisierten Systemen beim Check-in und Check-out, digitale Menükarten, softwaregestützte Dienstplanung sowie der Einsatz moderner Gebäudemanagementsysteme sollen dazu beitragen, den Personaleinsatz zu optimieren und Leerläufe zu vermeiden. Gleichzeitig ermöglicht die digitale Transformation eine präzisere Steuerung des Wareneinkaufs, wodurch Lebensmittelabfälle reduziert und die Lagerhaltungskosten minimiert werden können. Die Anpassungsfähigkeit, die den österreichischen Tourismus in vergangenen Krisen ausgezeichnet hat, wird somit erneut zum entscheidenden Faktor für die Sicherung der Marktposition im internationalen Wettbewerb.

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