Der Trend zum mobilen Urlaub in Österreich hält unvermindert an, was sich deutlich in den aktuellen Zulassungsstatistiken widerspiegelt. Laut Daten der Statistik Austria waren im Jahr 2025 insgesamt 93.875 Freizeitfahrzeuge im Land registriert, was einem Zuwachs von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Davon entfielen 50.683 Einheiten auf Wohnmobile und 43.192 auf Wohnwagen. Tomas Mehlmauer, Präsident des Österreichischen Camping Clubs (ÖCC), stellt fest, dass die Investitionsbereitschaft der Österreicher in eigene Fahrzeuge stetig wächst. Diese Entwicklung führt jedoch auch zu neuen Herausforderungen im Straßenverkehr, da das Fahrverhalten von schweren Wohnmobilen und Gespannen erheblich von dem herkömmlicher Personenkraftwagen abweicht.
Experten warnen davor, die technischen Besonderheiten dieser Fahrzeugklassen zu unterschätzen. Ein Reisemobil verhält sich aufgrund seines höheren Schwerpunkts und des größeren Gewichts eher wie ein Klein-Lkw. Dies hat Auswirkungen auf das Kurvenverhalten, die Bremswege und die Anfälligkeit gegenüber Seitenwind. Besonders bei Wohnwagengespannen besteht bei falscher Beladung oder hoher Geschwindigkeit die Gefahr des Schlingerns. Um kritische Situationen im Ernstfall ohne Verzögerung meistern zu können, raten Fahrtechnik-Instruktoren dazu, das Handling des eigenen Fahrzeugs vor dem ersten Urlaubsantritt in einer geschützten Umgebung zu erproben. Dabei stehen Manöver wie Notbremsungen, Ausweichbewegungen auf unterschiedlichen Untergründen und das richtige An- und Abkuppeln im Vordergrund.
Um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen, bietet die ÖAMTC Fahrtechnik spezielle Personal Coachings für Camper an. In diesen individuell abgestimmten Trainingseinheiten vermitteln erfahrene Instruktoren praxisnahes Wissen zum Rangieren, zur Lenktechnik im Slalom-Parcours sowie zum Verhalten bei Gefahrenmomenten. Diese Kurse richten sich sowohl an Einsteiger, die sich mit den Dimensionen ihres neuen Fahrzeugs vertraut machen müssen, als auch an erfahrene Fahrer, die ihre Routine auffrischen wollen. Für Mitglieder des ÖCC wurden hierfür vergünstigte Konditionen vereinbart, wobei auch Kleingruppentrainings mit Freunden gefördert werden, um den Lerneffekt durch gegenseitige Beobachtung zu verstärken.
Zusätzliche Marktbeobachtungen zeigen, dass der Gebrauchtmarkt für Campingfahrzeuge ebenfalls floriert, was viele Neueinsteiger ohne vorherige Lkw-Erfahrung hinter das Steuer großer Mobile bringt. Die Versicherungswirtschaft begrüßt daher die Initiative für spezialisierte Trainings, da Fahrfehler durch mangelnde Routine eine häufige Ursache für Unfälle mit Freizeitfahrzeugen darstellen. Neben den dedizierten Camper-Coachings besteht zudem die Möglichkeit, mit Wohnmobilen an regulären Pkw-Trainings oder mit Anhängern an speziellen Anhängertrainings bis 3,5 Tonnen teilzunehmen. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die steigende Anzahl an Campern sicher an ihre Urlaubsziele und wieder zurück nach Hause zu bringen.