Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair hat die österreichische Bundesregierung angesichts aktueller Verkehrsstatistiken am Flughafen Wien im Mai 2026 zu einer umfassenden Reform der Standortkosten aufgefordert. Nach Angaben der Fluggesellschaft verzeichnete das Passagieraufkommen am Wiener Drehkreuz einen Rückgang um über fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Das Luftfahrtunternehmen sieht darin eine Bestätigung für seine Prognose, wonach dem Standort Wien im gesamten Kalenderjahr 2026 ein Verlust von rund drei Millionen Passagieren droht. Als Hauptursache für diese Entwicklung nennt die Airline-Führung die Beibehaltung der nationalen Luftverkehrssteuer in Höhe von zwölf Euro pro abfliegendem Passagier sowie die drastisch gestiegenen Infrastruktur- und Flugsicherungsgebühren in Österreich.
Im direkten Kontrast dazu verweist Ryanair auf die Entwicklung am Flughafen Bratislava in der benachbarten Slowakei, der nur eine Autostunde von der österreichischen Bundeshauptstadt entfernt liegt. Der dortige Airport registrierte im Mai 2026 ein massives Passagierwachstum von 131 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und entwickelte sich damit zu einem der am schnellsten wachsenden Regionalflughäfen in Europa. Die slowakische Regierung hatte zuvor ihre Luftverkehrsabgaben komplett abgeschafft und die Gebühren für die Flugsicherung sowie die Flughafeninfrastruktur spürbar gesenkt, um gezielt Verkehre aus dem hochpreisigen österreichischen Markt abzuziehen und den heimischen Tourismussektor zu stärken.
Ryanair kritisiert, dass die österreichische Politik, insbesondere im Zuge der jüngsten Budgetrede der Regierung unter der Führung des Finanzministers eine wichtige Gelegenheit zur Entlastung des Luftverkehrsstandortes verpasst hat. Seit der Covid-Pandemie seien die Flughafengebühren in Wien um rund 30 Prozent und die Gebühren für die österreichische Flugsicherung Austro Control sogar um etwa 60 Prozent gestiegen. Ein bereits vor einem Jahr von Ryanair präsentierter Investitions- und Wachstumsplan für den Standort Österreich im Gesamtvolumen von einer Milliarde US-Dollar, der eine Steigerung des Passagieraufkommens um 70 Prozent innerhalb von fünf Jahren vorsah, liegt mangels politischer Zugeständnisse weiterhin auf Eis.
Andreas Gruber, Geschäftsführer von Laudamotion, einer Ryanair-Tochter in Österreich, forderte ein sofortiges Gegensteuern der Bundesregierung, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Tourismus- und Luftfahrtsektors wiederherzustellen. Neben der vollständigen Abschaffung der Ticketsteuer verlangt das Unternehmen eine Halbierung der Flugsicherungsgebühren sowie die Wiedereinführung von staatlichen und flughafenseitigen Wachstumsförderungsprogrammen für Fluggesellschaften. Branchenanalysten bestätigen, dass der extrem preissensible Low-Cost-Sektor seine Kapazitäten zunehmend flexibel zu den jeweils günstigsten osteuropäischen Peripherieflughäfen verlagert, was die etablierten Drehkreuze im DACH-Raum unter anhaltenden Konsolidierungsdruck setzt.