Boeing 747 in Frankfurt (Foto: Unsplash/Dennis Gecaj).
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Strategische Flottenbereinigung bei Lufthansa: Verkauf von zwei Boeing 747-8 an die US-Luftwaffe löst Milliardeninvestitionen aus

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Die Deutsche Lufthansa AG leitet eine signifikante Umstrukturierung ihrer Langstreckenflotte ein und trennt sich im Jahr 2026 von zwei ihrer prestigeträchtigen Boeing 747-8. Käufer der beiden Großraumflugzeuge ist die US Air Force, die ein Angebot unterbreitete, das nach internen Angaben weit über dem marktüblichen Restwert für gebrauchte Passagiermaschinen dieses Typs liegt.

Mit einem Erlös von insgesamt 400 Millionen US-Dollar erzielt der Frankfurter Luftfahrtkonzern einen erheblichen Buchgewinn, der unmittelbar in die Modernisierung der Interkontinentalflotte fließen soll. Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr bestätigte den Verkauf und kündigte an, die freiwerdenden Mittel direkt in neues Fluggerät der Typen Airbus A350-1000 oder Boeing 777-9 zu reinvestieren. Während der Abgang der beiden Maschinen, namentlich der D-ABYD und D-ABYG, die Kapazitäten am Drehkreuz Frankfurt kurzfristig beeinflusst, plant der Konzern, die Lücke durch eine verlängerte Dienstzeit des Airbus A340-600 und die fortschreitende Auslieferung der Boeing 787-9 zu schließen. Dieser strategische Schritt reduziert zudem den Aufwand für die geplante Kabinenerneuerung der verbleibenden Teilflotte und stärkt die finanzielle Flexibilität für künftige Großbestellungen.

Hintergründe der Transaktion mit der US Air Force

Die Entscheidung der US-Luftstreitkräfte, ausgerechnet bei der Lufthansa fündig zu werden, basiert auf dem exzellenten Wartungszustand der deutschen Flugzeuge. Die beiden betroffenen Maschinen stammen aus den Produktionsjahren 2012 und 2013 und gehören damit zur moderneren Generation der vierstrahligen Jumbo-Jets. In den USA sollen sie primär für das Training der Piloten der Air Force One sowie als strategische Ersatzteilreserve dienen. Da die Boeing 747-8 in der Passagierversion weltweit nur von drei Fluggesellschaften betrieben wird – neben der Lufthansa sind dies Korean Air und Air China –, ist der Gebrauchtmarkt für dieses Modell extrem eng.

Ein ähnliches Geschäft wurde bereits im Jahr 2024 zwischen Korean Air und der US Air Force abgewickelt. Damals erwarben die Amerikaner fünf Flugzeuge des Typs 747-8I zu einem Stückpreis von durchschnittlich 135 Millionen US-Dollar. Diese Maschinen bilden das Fundament für das Nachfolgeprogramm der E-4B Nightwatch, bekannt als fliegende Nukleareinsatzleitstände. Der nun von Lufthansa erzielte Preis von 200 Millionen US-Dollar pro Maschine unterstreicht die Dringlichkeit aufseiten der US-Regierung und den hohen Standard der Lufthansa Technik. Für Boeing selbst ist die 747-8 ein abgeschlossenes Kapitel, da die Produktion des Typs bereits eingestellt wurde, was den Wert der bestehenden, gut gepflegten Exemplare für militärische Sonderprogramme stabilisiert.

Operative Anpassungen am Drehkreuz Frankfurt

Der Verlust von zwei der größten Flugzeuge in der Flotte erfordert eine präzise Anpassung der Netzplanung. Experten gehen davon aus, dass der effektive Kapazitätsverlust lediglich im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen wird. Um die wegfallenden Sitze auf stark frequentierten Routen auszugleichen, wird die Lufthansa den bereits eingeleiteten Ausphasungsprozess der Airbus A340-600 verlangsamen. Dieser vierstrahlige Flugzeugtyp bietet ebenfalls eine First Class und eine hohe Passagierkapazität, was ihn zu einem geeigneten Übergangsmodell macht, bis die neuen Großbestellungen eintreffen.

Parallel dazu stabilisiert sich die Auslieferung der Boeing 787-9 Dreamliner, die sukzessive ältere Langstreckenjets ersetzen. Ein weiterer Vorteil des Verkaufs liegt in der Reduzierung der Umbaukosten für das neue Kabinenprodukt Allegris. Die Lufthansa hatte ursprünglich geplant, die gesamte 747-8-Flotte mit dem neuen Interieur auszustatten. Durch den Verkauf sinkt die Anzahl der umzurüstenden Maschinen auf 17 Einheiten, was nicht nur Kosten spart, sondern auch die Ausfallzeiten der Flotte während der Werftaufenthalte minimiert.

Reinvestition in modernste Flugzeugtechnologie

Der Erlös aus dem Verkauf soll laut Carsten Spohr nicht zur Schuldentilgung verwendet, sondern direkt in die Zukunft der Flotte gesteckt werden. Verhandlungen mit Airbus und Boeing über die Nachbeschaffung von zwei fabrikneuen Interkontinentalflugzeugen laufen bereits. Zur Auswahl stehen der Airbus A350-1000, das derzeitige Flaggschiff der europäischen Produktion, sowie die Boeing 777-9, deren Erstauslieferung an Lufthansa nach mehreren Verzögerungen nun für die nahe Zukunft erwartet wird.

Lufthansa verfügt über umfangreiche Optionspakete, die es dem Konzern erlauben, kurzfristig auf Marktveränderungen zu reagieren. Derzeit kann das Unternehmen noch auf bis zu 25 weitere Einheiten der A350-1000 und 24 zusätzliche Boeing 777-9 zugreifen. Die Entscheidung für einen dieser Typen wird maßgeblich von den Lieferzeiten und den spezifischen Einsatzprofilen ab Frankfurt abhängen. Beide Modelle zeichnen sich durch eine deutlich höhere Treibstoffeffizienz und geringere Wartungskosten im Vergleich zur vierstrahligen Boeing 747-8 aus, was die langfristige Rentabilität der Langstreckenoperationen sichern soll.

Der Markt für gebrauchte Großraumflugzeuge

Die Transaktion wirft ein Schlaglicht auf die besondere Marktsituation des Jumbo-Jets. Während zweistrahlige Maschinen wie der Airbus A350 oder die Boeing 787 den Markt dominieren, bleibt die 747-8 in der Passagierversion ein Nischenprodukt. Die meisten der produzierten Einheiten fliegen heute als Frachtmaschinen, wo sie aufgrund ihrer Bugladeklappe und ihrer hohen Kapazität nach wie vor unersetzlich sind. Einzelschicksale von Maschinen, wie jene 747-8, die 2012 für einen VVIP-Umbau in Basel landete und schließlich 2022 von Boeing zur Teilegewinnung zurückgekauft wurde, zeigen die Komplexität der Zweitmarktverwertung.

Lufthansa nutzt nun das seltene Fenster, in dem ein staatlicher Akteur bereit ist, eine Premium-Summe für spezifische technische Anforderungen zu zahlen. Dies erlaubt es der Fluggesellschaft, den natürlichen Alterungsprozess ihrer Flotte finanziell vorteilhaft zu beschleunigen. Der Buchgewinn aus diesem Geschäft wird die Bilanz des Jahres 2026 positiv beeinflussen und den Spielraum für weitere Investitionen in die Passagiererfahrung vergrößern.

Langfristige Flottenstrategie des Lufthansa Konzerns

Die Flottenstrategie der Lufthansa zielt darauf ab, die Komplexität der betriebenen Flugzeugtypen zu reduzieren. Langfristig soll die Langstreckenflotte auf weniger, dafür aber effizientere Modelle konzentriert werden. Der Teilabgang der 747-8 passt in dieses Bild, auch wenn der Typ als Königin der Lüfte bei Passagieren und Crews eine hohe emotionale Bedeutung genießt. Die wirtschaftliche Vernunft, getrieben durch das attraktive Angebot aus Übersee, überwiegt in diesem Fall jedoch deutlich.

Mit den Verhandlungen über zusätzliche A350-1000 oder 777-9 setzt der Konzern seinen Weg konsequent fort, eine der modernsten Langstreckenflotten der Welt zu betreiben. Die Passagiere können sich somit auf eine schnellere Einführung neuer Kabinenstandards und eine höhere Zuverlässigkeit im Flugplan freuen. Der Deal mit der US Air Force wird in Branchenkreisen daher als klassische Win-Win-Situation bewertet, die der Lufthansa den Weg für die nächste Phase ihres Flottenwachstums ebnet.

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1 Comment

  • Tom , 23. Dezember 2025 @ 13:03

    Von Strategie kann hier wohl kaum gesprochen werden, eher HoRuck Aktion. Denn man stoppt die Ausflottung der 340-600, verliert F Verfügbarkeiten (nein die können nicht alle abgefangen werden, im April/Mai gibt es keine F auf LH455/6, alleine da ein Verlust von ca 1000 Sitzen). Aber für die Buchhaltung wird es wohl passen.

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