Die US-Luftfahrtbranche blickt derzeit gespannt auf die Integrationsprozesse innerhalb der Alaska Air Group, nachdem die Übernahme von Hawaiian Airlines für 1,9 Milliarden US-Dollar abgeschlossen wurde. Inmitten dieser komplexen Phase der Zusammenführung sorgte ein internes Memo der hawaiianischen Fluggesellschaft für erhebliches Aufsehen und eine Welle öffentlicher Kritik.
Ein fehlerhaft formulierter Entwurf für eine Richtlinienänderung suggerierte fälschlicherweise, dass Hawaiian Airlines die Verwendung hawaiianischer Begriffe in offiziellen Dokumenten vollständig einstellen wolle, um die Inklusivität für die gesamte Belegschaft in den USA zu erhöhen. Die Reaktion der Öffentlichkeit und der Belegschaft erfolgte prompt und intensiv, da die kulturelle Identität der Airline als deren wichtigstes Markenzeichen gilt. Hawaiian Airlines reagierte jedoch umgehend mit einer Richtigstellung und betonte, dass es sich um einen redaktionellen Fehler gehandelt habe. Die Fluggesellschaft unterstrich, dass die hawaiianische Sprache, die im Bundesstaat Hawaii offiziellen Status genießt, auch unter der neuen Führung der Alaska Air Group ein integraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie bleiben wird.
Hintergrund der Übernahme und operative Synergien
Die Akquisition von Hawaiian Airlines durch Alaska Airlines im September 2024 hat die Wettbewerbslandschaft im US-amerikanischen Luftverkehr nachhaltig verändert. Durch den Zusammenschluss stieg die Gruppe zur fünftgrößten Fluggesellschaft der Vereinigten Staaten auf. Ein zentraler Aspekt des Deals war von Beginn an die Erhaltung beider Markenidentitäten. Während Prozesse im Hintergrund konsolidiert und Vielfliegerprogramme zusammengeführt wurden, sollen die Marken Hawaiian und Alaska als eigenständige Symbole für ihre jeweiligen Regionen bestehen bleiben.
Für Alaska Airlines war die Übernahme vor allem strategisch von Bedeutung, um Zugang zu Langstreckenkapazitäten zu erhalten. Hawaiian Airlines verfügt über eine Flotte von Großraumflugzeugen, darunter Airbus A330 und die neu bestellten Boeing 787 Dreamliner, über die Alaska Airlines zuvor nicht verfügte. Diese Flugzeuge ermöglichen es der Gruppe nun, internationale Routen nach Asien und Ozeanien effizienter zu bedienen und das Streckennetz auf über 140 Ziele weltweit auszuweiten. Kürzlich wurden bereits erste Boeing 787 in einer modifizierten Lackierung gesichtet, die das Wachstum der Gruppe im internationalen Segment symbolisieren.
Der Kommunikationsfehler und die öffentliche Wahrnehmung
Der Stein des Anstoßes war eine interne Mitteilung über eine Neufassung der Unternehmensrichtlinien. In dem Dokument hieß es ursprünglich, man wolle die Sprache an die gesamte Mitarbeiterpopulation in den USA anpassen und habe daher hawaiianische Begriffe entfernt. Diese Nachricht verbreitete sich über soziale Medien rasch und löste Befürchtungen aus, dass die kulturellen Wurzeln der 1929 gegründeten Fluggesellschaft im Zuge der Fusion mit dem in Seattle ansässigen Konzern verloren gehen könnten.
Kritiker werteten den Vorfall als Zeichen einer drohenden kulturellen Nivellierung. Die kulturelle Direktorin von Hawaiian Airlines, Debbie Nakanuela-Richards, stellte jedoch in einer Stellungnahme gegenüber lokalen Medien klar, dass die ursprüngliche Mitteilung die Gesamtheit der geplanten Änderungen nicht korrekt wiedergab. Zwar wurden einige Namen von Richtlinien geändert, um sie administrativ zu vereinheitlichen, die Grundwerte der Airline – Mālama (Fürsorge), Hoʻokipa (Gastfreundschaft) und Poʻokela (Exzellenz) – blieben jedoch unverändert im Zentrum der Unternehmenskommunikation.
Erhalt der kulturellen Praktiken und Sprachförderung
Um das Vertrauen der Gemeinschaft und der Kunden zurückzugewinnen, bekräftigte Hawaiian Airlines ihr Engagement für die Pflege der hawaiianischen Sprache und Traditionen. Die Fluggesellschaft betreibt weiterhin ein Zertifizierungsprogramm für Flugbegleiter, die die Sprache ‘ōlelo Hawai’i beherrschen. Zudem bietet das Unternehmen spezielle Flüge an, auf denen die hawaiianische Sprache aktiv gesprochen und gefördert wird.
Im Rahmen der Integration in die Alaska Air Group wurden diese Initiativen sogar ausgeweitet. So werden Sprachkurse für Mitarbeiter der gesamten Gruppe angeboten, um das Verständnis für die hawaiianische Kultur auch an Standorten außerhalb der Inseln zu stärken. Dies wird von Analysten als kluger Schachzug gewertet, um die Loyalität der hawaiianischen Kundenbasis zu sichern, die einen großen Teil des regionalen Marktanteils ausmacht. Die Identität als kultureller Botschafter Hawaiis wird somit nicht als Hindernis, sondern als Wettbewerbsvorteil in einem hart umkämpften Markt betrachtet.
Integration in globale Netzwerke und Markenstrategie
Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der Fluggesellschaft ist der geplante Beitritt zum globalen Luftfahrtbündnis Oneworld im April 2026. Dieser Schritt wird es Hawaiian Airlines ermöglichen, ihren Passagieren ein noch umfangreicheres Netzwerk und verbesserte Anschlussmöglichkeiten zu bieten. Die Zusammenführung der Loyalitätsprogramme in das neue System Atmos Rewards ist bereits weit fortgeschritten und bildet die technologische Basis für die engere Zusammenarbeit der beiden Marken.
Die Herausforderung für das Management besteht darin, die Effizienzsteigerungen einer großen Airline-Gruppe mit der Sensibilität eines regional verwurzelten Carriers zu kombinieren. Die schnelle Korrektur des fehlerhaften Memos zeigt, wie sensibel das Unternehmen auf die Stimmung in seiner Heimatbasis reagiert. Die Strategie sieht vor, dass Hawaiian Airlines weiterhin das Gesicht des Tourismus nach Hawaii bleibt, während die logistische und finanzielle Stärke der Alaska Air Group das Fundament für eine globale Expansion bietet.
Zukunftsaussichten und Flottenentwicklung
Mit einer kombinierten Flotte von 443 Flugzeugen positioniert sich die Alaska Air Group als Kraftzentrum an der US-Westküste. Die Übertragung von Boeing 787-Bestellungen an die Alaska-Sparte verdeutlicht, dass die Gruppe ihre internationale Präsenz massiv ausbauen will, wobei die kulturelle Authentizität von Hawaiian Airlines eine Schlüsselrolle bei der Vermarktung dieser Strecken spielen wird. Die Bedienung von Zielen in Europa, die für die nahe Zukunft geplant ist, markiert dabei eine neue Ära für das Unternehmen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Vorfall um das missverständliche Memo zwar kurzzeitig für Unruhe sorgte, letztlich aber dazu führte, dass Hawaiian Airlines ihre kulturelle Mission deutlicher denn je formulierte. Die Integration in die Alaska Air Group wird fortgesetzt, wobei der Fokus auf operativer Exzellenz und der Bewahrung der einzigartigen Identität liegt, die Hawaiian Airlines seit fast einem Jahrhundert auszeichnet.