Die isländische Fluggesellschaft Icelandair hat angekündigt, ihre Flugverbindung nach Detroit ab Januar 2026 einzustellen. Dieser Rückzug markiert den ersten Abzug von einem US-amerikanischen Flughafen seit 2020 und steht im Einklang mit der strategischen Überprüfung des Streckennetzes der Airline.
Während Icelandair kürzlich neue Ziele wie Nashville und Miami in ihr Angebot aufgenommen hat, signalisiert das Ende der Detroit-Route, daß nicht alle Routen in den Vereinigten Staaten die Erwartungen an Passagieraufkommen und Rentabilität erfüllen. Der Schritt verdeutlicht die Dynamik im hart umkämpften Transatlantik-Verkehr, der stark von konkurrierenden Angeboten und der Kapazitätsauslastung abhängt.
Rückzug aus Detroit: Ein Zeichen des Wettbewerbsdrucks
Die Entscheidung von Icelandair, die Flüge von Keflavík nach Detroit einzustellen, kommt überraschend, da die Airline den Dienst erst im Mai 2023 aufgenommen hatte. Geplant war, die Route im nächsten Sommer bis zu fünfmal wöchentlich mit Boeing 737 MAX-Flugzeugen zu bedienen. Der Wettbewerb auf dieser Strecke war jedoch intensiv: Parallel dazu bietet Delta Air Lines tägliche Flüge mit ihrer Boeing 757-200 an. Das Timing beider Fluggesellschaften, die die Route nahezu gleichzeitig eröffneten, deutet auf einen direkten Konkurrenzkampf hin, aus dem sich Icelandair nun zurückzieht. Es bleibt abzuwarten, ob Delta in der Folge die Route nach Keflavík ebenfalls einstellen wird.
Der Rückzug aus Detroit ist kein Einzelfall in der jüngeren Geschichte von Icelandair. Seit 1990 hat die Fluggesellschaft den Dienst zu zehn US-Flughäfen eingestellt. Darunter waren auch unkonventionelle Ziele wie Kansas City, das nur für eine kurze Zeit bedient wurde. Diese Flüge fielen in eine Phase aggressiven Wachstums, als die isländische Luftfahrt von der starken Konkurrenz durch die mittlerweile insolvente Wow Air geprägt war.
Lektionen aus der Vergangenheit: Wow Air und die Folgen
Die Zeit zwischen 2017 und 2019 war für Icelandair von enormem Wachstum gekennzeichnet, das auch auf den Einfluß von Wow Air zurückzuführen war. In den Jahren 2017 und 2018 beförderte Icelandair signifikant mehr Passagiere als in den Jahren zuvor. 2018 erreichte die Zahl der beförderten Reisenden 1,39 Millionen, allerdings sank die Auslastung der Maschinen auf nur 78,9 Prozent, den niedrigsten Wert seit über einem Jahrzehnt. Dieses Wachstum war nicht nachhaltig, da es maßgeblich von einer Preiskonkurrenz getrieben wurde, die die Profitabilität beeinträchtigte. Der Konkurrenzdruck durch den Billigflieger Wow Air, der ebenfalls mit einem Hub-Konzept über Keflavík operierte, zwang Icelandair zu einem expansiven Kurs, um Marktanteile zu verteidigen.
Das Schicksal von Wow Air im März 2019, das zur Einstellung des Betriebs führte, hatte weitreichende Folgen für die isländische Luftfahrt und Wirtschaft. Die Pleite des Billigfliegers, der mit aggressiver Expansion und niedrigen Preisen gewachsen war, verdeutlichte die Risiken eines unkontrollierten Wachstums. Die isländische Wirtschaft, die stark vom Tourismus abhängig ist, spürte die direkten Auswirkungen, da die Flugkapazitäten nach der Pleite von Wow Air um ein Drittel sanken.
Die Lehren aus dieser Zeit haben zu einer strategischen Neuausrichtung bei Icelandair geführt. Das Unternehmen verfolgt nun einen vorsichtigeren Ansatz bei der Netzwerkerweiterung, der sich auf eine höhere Auslastung und Rentabilität konzentriert. Dieser Ansatz spiegelt sich in der aktuellen strategischen Entscheidung wider, nicht rentable Routen wie Detroit aufzugeben, um sich auf vielversprechendere Märkte zu fokussieren.
Die Bedeutung des US-Marktes und neue strategische Partnerschaften
Trotz des Rückzugs aus Detroit bleiben die Vereinigten Staaten der wichtigste Markt für Icelandair. Laut dem US-Verkehrsministerium wurden im Jahr 2024 fast 1,55 Millionen Passagiere zwischen den USA und Island befördert, was das bislang beste Jahr für die Fluggesellschaft in diesem Markt darstellt. Die hohe Auslastung von 83,6 Prozent in diesem Jahr unterstreicht die solide Position, die Icelandair in den USA einnimmt. Diese Passagiere reisen entweder nach Island oder nutzen Keflavík als Brücke für Weiterflüge nach Europa. Die strategische Lage von Island ermöglicht es Icelandair, als einzigartiger Transatlantik-Hub zu fungieren und Reisenden die Option eines Stopovers auf der Insel anzubieten.
Die strategische Neuausrichtung von Icelandair zeigt sich auch in der Partnerschaft mit Southwest Airlines, die seit Juli 2025 besteht. Durch diese Zusammenarbeit können Reisende nahtlos von mehreren US-Städten, darunter Orlando, Pittsburgh und Raleigh-Durham, Anschlußflüge mit Southwest nutzen, um weitere Ziele im Inlandsnetzwerk zu erreichen. Diese Partnerschaft ergänzt die bestehenden Kooperationen mit anderen Fluggesellschaften, wie zum Beispiel JetBlue. Solche interline- und Codeshare-Abkommen sind für Icelandair von großer Bedeutung, da sie die Reichweite des eigenen Streckennetzes ohne die Aufnahme neuer, eigener Flugverbindungen vergrößern.
Die Entscheidung, die Detroit-Route einzustellen, ist somit ein kalkulierter Schritt im Rahmen einer langfristigen Strategie, die auf Effizienz und Rentabilität abzielt. Anstatt sich in einem direkten Preiskampf mit einem etablierten Konkurrenten wie Delta Air Lines zu verausgaben, scheint Icelandair nun den Fokus auf jene Routen zu legen, die das größte Potential für Wachstum und finanzielle Stabilität bieten. Die Fluggesellschaft wird weiterhin neue Ziele wie Miami testen und ihre strategischen Partnerschaften ausbauen, um ihre Position auf dem umkämpften nordatlantischen Markt zu festigen.