Lufthansa Logo am Terminal 1 des Flughafens Frankfurt am Main (Foto. Jan Gruber).
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Strategische Neuausrichtung in Frankfurt: Lufthansa und Fraport planen Terminal-Allianz

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Die Deutsche Lufthansa AG und der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport bereiten offenbar eine tiefgreifende Kooperation vor, die die operative Struktur des größten deutschen Luftverkehrsdrehkreuzes langfristig verändern könnte. Nach aktuellen Informationen erwägt die Lufthansa-Führung den Aufbau eines Joint Ventures mit Fraport, um das bestehende Terminal 2 des Frankfurter Flughafens gemeinsam auszubauen und nach einer umfassenden Sanierung gemeinschaftlich zu betreiben.

Dieses Vorhaben folgt einem bereits bewährten Vorbild am Flughafen München und zielt darauf ab, die infrastrukturellen Voraussetzungen für ein signifikantes Kapazitätswachstum nach dem Jahr 2030 zu schaffen. Durch eine exklusive Nutzung des Gebäudes durch die Lufthansa und ihre Partner der Star Alliance soll die Abfertigungsqualität gesteigert und die Effizienz am Hub Frankfurt nachhaltig gesichert werden. Die Pläne fallen in eine Zeit strategischer Weichenstellungen, in der der Frankfurter Flughafen durch den Bau des neuen Terminals 3 ohnehin vor einer massiven Erweiterung seiner Gesamtkapazität steht.

Das Münchner Modell als Blaupause für Frankfurt

Die Idee einer gemeinsamen Terminalgesellschaft ist für die Lufthansa kein Neuland. Am Flughafen München betreiben die Fluggesellschaft und die Flughafen München GmbH (FMG) bereits seit Jahren erfolgreich das Terminal 2 in Form einer Partnerschaft. Dort hält die Lufthansa einen Anteil von 40 Prozent, während die Flughafengesellschaft mit 60 Prozent beteiligt ist. Dieses Modell gilt in der Branche als wegweisend, da es die Interessen von Infrastrukturbetreiber und Hauptnutzer eng miteinander verzahnt.

In München ermöglichte diese Konstellation eine punktgenaue Abstimmung der Abfertigungsprozesse auf die Bedürfnisse der Lufthansa-Passagiere, was zu einer hohen Kundenzufriedenheit und effizienten Umsteigezeiten führte. Eine Übertragung dieses Erfolgskonzepts auf Frankfurt würde der Lufthansa direkten Einfluss auf die Gestaltung und den Betrieb der Infrastruktur an ihrem wichtigsten Heimatdrehkreuz sichern. Dies wird insbesondere vor dem Hintergrund des harten globalen Wettbewerbs mit anderen Drehkreuzen wie Dubai, Istanbul oder London-Heathrow als strategischer Vorteil gewertet.

Sanierungspläne und zeitlicher Rahmen der Infrastrukturmaßnahmen

Die zeitliche Planung des Vorhabens ist eng mit dem Fortschritt der Großbaustelle Terminal 3 verknüpft. Sobald das neue Terminal 3 im Süden des Flughafengeländes voraussichtlich im Jahr 2026 oder 2027 vollständig in Betrieb genommen wird, entstehen am Frankfurter Flughafen erhebliche Pufferkapazitäten.

Dies gibt dem Betreiber Fraport die notwendige operative Luft, um das in die Jahre gekommene Terminal 2 vorübergehend vom Netz zu nehmen. Fraport-Chef Stefan Schulte hat bereits mehrfach betont, dass nach der Eröffnung von Terminal 3 eine umfassende Kernsanierung des Terminal 2 unumgänglich sei, um den technischen und funktionalen Anforderungen des modernen Flugverkehrs gerecht zu werden. Die Lufthansa sieht in dieser Phase die ideale Gelegenheit, ihre Anforderungen in die Planung der Sanierung einzubringen. Nach Abschluss der Arbeiten, der perspektivisch für das Ende des Jahrzehnts oder den Beginn der 2030er Jahre erwartet wird, könnte das Terminal 2 dann als exklusive Basis für die Lufthansa und ihre Allianzpartner fungieren.

Wachstumsstrategie und Kapazitätsbedarf nach 2030

Hinter den Erläuterungen zum Joint Venture steht die klare Erwartung der Lufthansa, dass die Nachfrage im internationalen Luftverkehr nach 2030 weiter ansteigen wird. Um dieses Wachstum abbilden zu können, benötigt die Fluggesellschaft nicht nur mehr Flugzeuge, sondern auch moderne Abfertigungskapazitäten am Boden. Das aktuelle Terminal 1, das derzeit die Hauptbasis der Lufthansa in Frankfurt darstellt, stößt zu Stoßzeiten regelmäßig an seine Belastungsgrenzen.

Durch die zusätzliche Nutzung eines modernisierten Terminals 2 könnte die Lufthansa ihre Passagierströme besser entzerren und spezialisierte Angebote für verschiedene Kundensegmente schaffen. Die räumliche Konzentration der Star Alliance Partner in einem modernisierten Gebäude würde zudem die Umsteigeprozesse vereinfachen und die Attraktivität Frankfurts als internationales Drehkreuz stärken. Analysten weisen darauf hin, dass eine solche exklusive Infrastruktur auch die Kostenstruktur verbessern könnte, da Prozesse besser automatisiert und auf eine einheitliche Flugzeugflotte optimiert werden können.

Wirtschaftliche Aspekte der Partnerschaft für Fraport und Lufthansa

Für den Flughafenbetreiber Fraport bietet ein Joint Venture mit seinem größten Kunden eine hohe Planungssicherheit. Die finanzielle Beteiligung der Lufthansa am Ausbau des Terminals würde die Investitionslast für Fraport mindern und gleichzeitig eine langfristige Auslastungsgarantie für das Gebäude schaffen. In einem Marktumfeld, das von volatilen Passagierzahlen geprägt ist, stellen solche langfristigen Kooperationsmodelle einen Stabilitätsfaktor für die Flughafenbetreiber dar.

Auf der anderen Seite sichert sich die Lufthansa durch eine Kapitalbeteiligung Mitspracherechte bei der Festlegung von Entgelten und Servicestandards. Die Verhandlungen über die genaue Ausgestaltung des Joint Ventures dürften jedoch komplex ausfallen, da regulatorische Vorgaben und wettbewerbsrechtliche Aspekte berücksichtigt werden müssen. Insbesondere die Frage, wie der Zugang für konkurrierende Fluggesellschaften an einem derart zentralen Knotenpunkt gewährleistet bleibt, wird ein Thema für die Aufsichtsbehörden sein.

Zukunftsperspektiven für den Luftfahrtstandort Deutschland

Die Pläne in Frankfurt werden in der Branche als klares Bekenntnis der Lufthansa zum Standort Deutschland gewertet. Trotz der Herausforderungen durch hohe Standortkosten und internationale Konkurrenz signalisiert das Unternehmen durch die Bereitschaft zu massiven Infrastrukturinvestitionen, dass es Frankfurt langfristig als das führende Drehkreuz in seinem globalen Verbund sieht.

Die Partnerschaft zwischen Fraport und Lufthansa könnte zudem als Signalwirkung für andere Standorte dienen, an denen ähnliche Engpässe bestehen. Wenn es gelingt, die Effizienzsteigerungen des Münchner Modells auf den deutlich größeren und komplexeren Betrieb in Frankfurt zu übertragen, könnte dies die Wettbewerbsposition der gesamten deutschen Luftfahrtindustrie stärken. Die kommenden Jahre werden nun zeigen, wie schnell die technischen und vertraglichen Details für das Terminal-Joint-Venture ausgearbeitet werden können, um pünktlich mit der Sanierung von Terminal 2 beginnen zu können.

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