Die Dubai Airshow 2025 wurde am zweiten Tag Zeuge eines bedeutenden Moments in der Geschichte der Luftfahrt: Flydubai, die bisher ausschließlich auf Schmalrumpfflugzeuge von Boeing setzte, hat eine Absichtserklärung über den Kauf von bis zu 150 Flugzeugen der Airbus A321neo-Familie unterzeichnet.
Diese strategische Entscheidung markiert den erstmaligen Kauf von Airbus-Flugzeugen durch die Fluggesellschaft und signalisiert eine Diversifizierung der Flotte, welche die langfristigen Expansionspläne des Emirats Dubai und insbesondere des Dubai World Central Flughafens unterstützen soll. Die geplante Integration der A321neo ab 2031 soll Flydubais Kapazitäten und Netzwerk erweitern und positioniert den europäischen Hersteller Airbus, nach einer Dominanz von Boeing-Meldungen am Vortag, prominent auf der Messe.
Historischer Flottenwechsel und Vertragsdetails
Die Unterzeichnung der Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) fand am 18. November 2025 statt. Die Unterzeichner waren Seine Hoheit Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum, der Vorsitzende von Flydubai, und Christian Scherer, der Chief Executive Officer Commercial Aircraft von Airbus. Ebenfalls anwesend war Ghaith Al Ghaith, der Chief Executive Officer von Flydubai. Die Vereinbarung umfasst eine maximale Bestellung von 150 Flugzeugen aus der A321neo-Familie.
Dieser Schritt beendet die langjährige, exklusive Abhängigkeit von Boeing in Flydubais Schmalrumpfflotte, die bisher vollständig aus der 737-Familie bestand. Der Wechsel zu Airbus wird in der Branche als ein bedeutendes Zeichen für die Wettbewerbsfähigkeit des A321neo-Programms gewertet. Christian Scherer von Airbus hob die Entscheidung als eine Bestätigung des Mehrwerts hervor, den Airbus in Bezug auf Reichweite, Effizienz und Passagierkomfort biete.
Ergänzung der bestehenden Boeing-Bestellungen
Die neue Bestellung bei Airbus wird Flydubais bestehende Auftragsbücher bei Boeing ergänzen, nicht ersetzen. Die Fluggesellschaft hat weiterhin eine beträchtliche Anzahl von 737 Max-Jets bestellt. Darüber hinaus erwartet Flydubai die Lieferung von 30 Langstreckenflugzeugen des Typs Boeing 787-9, deren Auslieferung ab 2026 beginnen soll. Die Einführung der A321neo-Familie wird somit zu einer gemischten Schmalrumpfflotte führen und bietet der Fluggesellschaft größere operative Flexibilität für ihre verschiedenen Streckenanforderungen.
Die A321neo ist bekannt für ihre Reichweite, die es Flydubai ermöglichen wird, neue Märkte zu erschließen und ihre Präsenz auf bestehenden, weiter entfernten Routen zu stärken. Die Flugzeuge der A321neo-Familie, insbesondere die Varianten mit erweiterter Reichweite, sind in der Lage, längere Strecken als die Standard-737 Max zu fliegen, was strategisch für die Expansion im Nahen Osten und darüber hinaus von Bedeutung ist. Die Entscheidung für den Airbus-Typ kann auch als Maßnahme zur Risikostreuung in der Flottenbeschaffung interpretiert werden, insbesondere nach den Herausforderungen, mit denen das 737 Max-Programm in den letzten Jahren konfrontiert war.
Positionierung im Rahmen der städtischen Entwicklungspläne Dubais
Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum betonte, dass die Vereinbarung einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Entwicklung von Flydubai darstelle und eng mit den wirtschaftlichen und luftfahrttechnischen Entwicklungsplänen Dubais verzahnt sei. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Rolle der Fluggesellschaft und der neuen Flugzeuge im Rahmen der langfristigen Expansion des Dubai World Central (DWC) Flughafens, auch bekannt als Al Maktoum International Airport.
Die Regierung Dubais verfolgt seit langem das Ziel, den Dubai World Central zum größten Flughafen der Welt auszubauen und ihn zum zentralen Hub der Region zu machen, insbesondere, wenn der Betrieb des derzeitigen Drehkreuzes Dubai International Airport (DXB) in fernerer Zukunft verlagert werden soll. Die beträchtliche Kapazitätserweiterung, die durch die 150 neuen Flugzeuge ermöglicht wird, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Vision. Flydubai, als die wichtigste Schmalrumpf-Airline Dubais, soll hierbei eine zentrale Rolle bei der Steigerung des Passagieraufkommens und der Anbindung neuer Zielorte spielen.
Branchenreaktionen und Produktionsherausforderungen
Die Bestellung von Flydubai war ein wichtiger kommerzieller Erfolg für Airbus auf der Dubai Airshow 2025, nachdem der Eröffnungstag von der Ankündigung einer zusätzlichen Bestellung von Emirates für die Boeing 777X dominiert wurde. Für Airbus bedeutet die Aufnahme von Flydubai als Neukunden eine weitere Stärkung seiner Marktposition im Nahen Osten, einer Region, die traditionell eine starke Präferenz für Boeing-Produkte gezeigt hat.
Die Auslieferung der A321neo-Flugzeuge an Flydubai soll planmäßig erst im Jahr 2031 beginnen. Dieser späte Liefertermin reflektiert die aktuellen Herausforderungen und die volle Auftragsbücher in der Flugzeugfertigungsindustrie. Airbus steht derzeit unter dem Druck, seine Produktionsrate für die A320neo-Familie zu steigern, mit dem Ziel, bis 2027 eine Rate von 75 Flugzeugen pro Monat zu erreichen. Die Bestellung von Flydubai erhöht diesen Druck zusätzlich.
Die A321neo ist das größte Mitglied der A320neo-Familie und erfreut sich aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit und Kapazität großer Beliebtheit bei Fluggesellschaften weltweit. Ihre Fähigkeit, Langstreckenflüge durchzuführen, verschwimmt die Grenze zwischen Schmalrumpf- und Großraumflugzeugen und eröffnet neue Geschäftsmodelle für Fluggesellschaften. Die Entscheidung von Flydubai, nun auf zwei Hauptlieferanten für ihre Schmalrumpfflotte zu setzen, wird zweifellos die Dynamik des Wettbewerbs zwischen Airbus und Boeing in der wichtigen Region des Nahen Ostens weiter anheizen.
Die Wahl des A321neo untermauert einen anhaltenden Trend in der Luftfahrtindustrie, bei dem Fluggesellschaften Flugzeuge mit größerer Kapazität und höherer Reichweite bevorzugen, um ihre Netzwerke effizient zu betreiben. Für Flydubai, die sich als eine Schlüsselairline in Dubais strategischem Luftfahrt-Ökosystem positioniert, ist die Diversifizierung ihrer Flotte ein entscheidender Schritt zur Verwirklichung ihrer langfristigen Wachstumsambitionen und zur Unterstützung der Position Dubais als globales Luftverkehrszentrum.