Airbus A320 (Mario Caruana / MAviO News).
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Strategischer Rückzug: MedSky Airways gibt einziges Flugzeug ab und setzt auf Wet-Lease-Modell

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Die libysche Fluggesellschaft MedSky Airways hat ihre internen Flugoperationen eingestellt und ihr einziges Flugzeug, einen Airbus A320-200, an den ursprünglichen Betreiber Malta MedAir zurückgegeben. Das Flugzeug mit der Registrierung 5A-MSB wurde am 30. Juli 2025 von Tripolis nach Malta überführt.

Dieser Schritt signalisiert einen strategischen Wandel bei der libyschen Fluggesellschaft, die sich nun vollständig auf das Wet-Lease-Modell verlässt. MedSky Airways betreibt damit keine eigene Flugzeugflotte mehr und setzt stattdessen auf gecharterte Flugzeuge von Partnergesellschaften, um ihre Flugpläne aufrechtzuerhalten. Die Entscheidung wirft Fragen über die langfristige Strategie des Unternehmens in einem herausfordernden Marktumfeld auf.

Ein Flugzeug kehrt zurück: Das Ende des internen Betriebs

Der Airbus A320-200 mit dem Kennzeichen 5A-MSB, der seit 2022 unter der Marke MedSky Airways flog, ist zurück auf dem Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) von Malta MedAir. Dies bestätigte Paul Bugeja, der Chief Executive Officer von Malta MedAir, gegenüber ch-aviation. Das Flugzeug, eine Maschine aus dem Jahre 2010 mit CFM International CFM56 Triebwerken, soll unter der neuen Registrierung 9H-MSB Ende des Monats wieder in den Dienst gestellt werden, um MedSky Airways im Rahmen einer Wet-Lease-Vereinbarung zu bedienen.

Die Geschichte dieses Flugzeugs ist ein Spiegelbild der unstabilen Luftfahrtlandschaft in der Region. Zwischen 2010 und 2018 wurde die A320 von der saudi-arabischen Fluggesellschaft Saudia betrieben, bevor sie 2019 in die Flotte von Kuwait Airways wechselte. Im Juli 2022 übernahm Malta MedAir das Flugzeug, um es nur wenige Monate später, im November desselben Jahres, an MedSky zu übergeben. Die Maschine ist mit einer Zwei-Klassen-Kabine ausgestattet und bietet Platz für 120 Passagiere in der Economy Class und 12 in der Business Class. Die Eigentumsverhältnisse an dem Flugzeug sind bemerkenswert, da es laut ch-aviation-Daten weiterhin MedSky Airways gehört.

Die Entscheidung von MedSky Airways, das Flugzeug zurückzugeben und damit den eigenen Betrieb einzustellen, kam überraschend. Die Fluggesellschaft, die auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben konnte, operiert nun ausschließlich mit zwei anderen A320-200, die von den Fluggesellschaften Buraq Air und eben Malta MedAir geleast sind.

Wet-Leasing als Geschäftsmodell: Chancen und Risiken

Das sogenannte Wet-Leasing, also die Miete eines Flugzeugs samt Besatzung, Wartung und Versicherung, ist in der Luftfahrtindustrie ein gängiges Geschäftsmodell. Es bietet Fluggesellschaften, die ihre Kapazitäten schnell anpassen müssen, eine hohe Flexibilität. In einem politisch und wirtschaftlich instabilen Umfeld, wie es in Libyen herrscht, kann dieses Modell besonders vorteilhaft sein. Es ermöglicht es MedSky Airways, ihr Streckennetz ohne die hohen Fixkosten zu betreiben, die mit dem Besitz einer eigenen Flotte verbunden sind.

Das aktuelle Streckennetz von MedSky Airways umfasst Flüge von Tripolis nach Istanbul, Malta, Mailand-Malpensa, Rom-Fiumicino und Tunis. Von Bengasi aus werden Flüge nach Rom-Fiumicino angeboten und von Misrata nach Tunis. Das Wet-Lease-Modell ermöglicht es der Fluggesellschaft, diese Routen flexibel und effizient zu bedienen.

Allerdings birgt dieses Geschäftsmodell auch Risiken. Die Fluggesellschaft ist von ihren Partnern abhängig. Sollten diese ihre Verträge kündigen oder die Flugzeuge für eigene Zwecke benötigen, könnte MedSky Airways vor einer plötzlichen Kapazitätslücke stehen. Zudem fehlt die langfristige Planungssicherheit, die eine eigene Flugzeugflotte mit sich bringt. Das Management von MedSky muß die Balance zwischen Flexibilität und Stabilität finden, um in einem hart umkämpften Markt zu überleben.

Ein Blick auf die libysche Luftfahrt: Ein Sektor im Wandel

Die libysche Luftfahrt kämpft seit Jahren mit den Folgen des Bürgerkriegs. Der Luftraum über Libyen war zeitweise für internationale Flüge gesperrt, und die Flughäfen wurden immer wieder zum Schauplatz von Gefechten. Die staatlichen Fluggesellschaften wie Libyan Airlines und Afriqiyah Airways kämpfen mit veralteten Flotten und finanziellen Problemen. Die Fluggesellschaften in Libyen haben es schwer, internationale Standards zu erfüllen, was sich auch auf die Wartung und den Betrieb ihrer Flugzeuge auswirkt.

Das Geschäftsmodell von MedSky Airways könnte daher eine pragmatische Antwort auf diese schwierigen Bedingungen sein. Anstatt in neue Flugzeuge und eine teure Wartungsinfrastruktur zu investieren, nutzt die Fluggesellschaft die Kapazitäten von Partnern, die über die notwendigen Zertifizierungen und die notwendige Ausrüstung verfügen.

Langfristig wird sich zeigen, ob dieses Modell nachhaltig ist. Für MedSky Airways könnte es eine Zwischenlösung sein, bis sich die politische und wirtschaftliche Lage in Libyen stabilisiert und der Aufbau einer eigenen, modernen Flotte wieder eine realistische Option darstellt. Bis dahin wird der Erfolg der Fluggesellschaft maßgeblich von den Partnerschaften und der operativen Effizienz abhängen.

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