Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair hat ihre Flüge nach Israel inmitten der anhaltenden militärischen und geopolitischen Instabilität in der Region eingestellt, doch nun scheint der Carrier die geplante Wiederaufnahme Ende Oktober in Frage zu stellen.
Der streitbare Konzernchef Michael O’Leary hat in jüngsten Äußerungen angedeutet, daß die Fluggesellschaft möglicherweise nie wieder nach Israel zurückkehren wird – und das nicht nur wegen des Konflikts, sondern primär wegen einer Auseinandersetzung mit den israelischen Flughafenbehörden über Terminalgebühren. Der Streit dreht sich um die Schließung des günstigeren Terminals für Billigfluggesellschaften, was Ryanair zwingen würde, den teureren Hauptterminal zu nutzen. Dieser Konflikt, der die Profitabilität des Geschäftsmodells von Ryanair direkt bedroht, könnte das Ende der Präsenz der Fluggesellschaft auf dem israelischen Markt bedeuten, was weitreichende Konsequenzen für Reisende und den israelischen Tourismussektor hätte.
Die anhaltenden Spannungen und die Reaktion der Fluggesellschaften
Seit dem Ausbruch der militärischen Auseinandersetzungen in der Region haben viele internationale Fluggesellschaften ihre Flüge nach Israel eingestellt oder stark reduziert. Auch Ryanair hat diesen Schritt vollzogen und seine Flüge von und nach dem internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv (TLV) bis Ende Oktober 2025 ausgesetzt. Diese Maßnahme wurde mit „betrieblichen Einschränkungen außerhalb unserer Kontrolle“ begründet. Ryanair ist dabei nicht der einzige Anbieter, der vorübergehend aus dem Markt ausgestiegen ist. Auch andere europäische Billigfluggesellschaften wie easyJet und Wizz Air haben ihre Flüge eingestellt. Die daraus resultierende geringere Nachfrage hat dazu geführt, daß der Flughafen Tel Aviv seinen Terminal 1, der speziell für Billigfluggesellschaften vorgesehen ist, geschlossen hat.
Diese Schließung des Terminals 1 ist nun der zentrale Punkt des Konflikts. Michael O’Leary wirft den israelischen Flughafenbehörden vor, die Fluggesellschaft zu „veräppeln“. Er argumentiert, daß Ryanair bei einer Wiederaufnahme der Flüge den teureren Hauptterminal 3 nutzen müsse, was die Betriebskosten erheblich erhöhen würde und nicht mit dem Geschäftsmodell des Carriers vereinbar sei. Der Independent zitierte O’Leary mit den Worten, daß es eine „reale Möglichkeit“ gebe, daß man sich die Rückkehr nach Israel „ersparen“ werde, wenn die israelischen Behörden die Probleme nicht in den Griff bekämen. Er stellte klar, daß Ryanair andernorts in Europa weitaus größere Wachstumschancen habe und der Hauptgrund für die Zurückhaltung des Unternehmens nicht die Sicherheit, sondern die kontinuierliche betriebliche Störung und der Streit um die Gebühren sei.
Das Geschäftsmodell von Ryanair und der Kampf um Gebühren
Die Drohung O’Learys mit einem dauerhaften Rückzug aus Israel ist keine neue Strategie. Die Fluggesellschaft ist bekannt für ihre harte Verhandlungsführung mit Flughäfen und Regulierungsbehörden. Das Geschäftsmodell von Ryanair basiert auf äußerst niedrigen Betriebskosten, die durch effiziente Abläufe, schnelles Boarding und niedrige Flughafengebühren ermöglicht werden. Wenn die Kosten an einem Flughafen steigen, zögert Ryanair nicht, Routen zu kürzen oder ganz einzustellen.
Ein aktuelles Beispiel für diese Taktik ist der Streit mit den spanischen Flughafenbehörden. Aufgrund einer geplanten Gebührenerhöhung von 6,5 Prozent, die Erweiterungsprojekte in Barcelona und Madrid finanzieren soll, hat Ryanair angekündigt, eine Million Sitzplätze auf Flügen von und nach Spanien in der kommenden Wintersaison zu streichen. Der Fluggesellschaft zufolge sei diese Maßnahme unvermeidbar, wenn die Gebühren steigen, da sie die Reisenden letztendlich mit höheren Ticketpreisen belasten würden. Ryanair hatte bereits im Sommer 2025 erhebliche Kürzungen auf spanischen Strecken vorgenommen.
Der Konflikt in Israel hat also eine wirtschaftliche Komponente, die dem Geschäftsgebaren von Ryanair voll und ganz entspricht. Die Fluggesellschaft sieht sich als Kämpfer für niedrigere Gebühren und damit für günstigere Flüge. Die israelischen Flughafenbehörden argumentieren, daß die vorübergehende Schließung des Terminals 1 eine betriebliche Notwendigkeit sei, und verweisen auf die erhöhte Sicherheitslage in der Region. Die Weigerung von Ryanair, den teureren Terminal 3 zu nutzen, wird als Beleg für die harte Haltung der Fluggesellschaft in Kostenfragen gesehen.
Auswirkungen auf den israelischen Markt und die Reisenden
Ein dauerhafter Rückzug von Ryanair aus Israel hätte erhebliche Konsequenzen. Ryanair ist eine der größten Billigfluggesellschaften Europas und hat in den letzten Jahren das Flugangebot von und nach Tel Aviv massiv ausgebaut. Der Wegfall von Ryanair würde das Reiseangebot für zehntausende von Passagieren einschränken. Da auch andere Billigfluggesellschaften ihre Dienste reduziert haben, könnten die Ticketpreise auf den verbleibenden Verbindungen steigen, da die Konkurrenz abnimmt. Die israelische Tourismusbranche, die bereits unter der Instabilität in der Region leidet, würde einen weiteren Rückschlag erleiden.
Der Fall zeigt, wie die komplexe Verflechtung von geopolitischen Ereignissen und rein wirtschaftlichen Interessen die Luftfahrt beeinflussen. Während viele Fluggesellschaften die Wiederaufnahme ihrer Dienste in Israel planen, hängt die Rückkehr von Ryanair nicht nur von der Sicherheitslage, sondern auch von einem internen wirtschaftlichen Konflikt ab. Derzeit deutet die aggressive Rhetorik von Michael O’Leary darauf hin, daß die Fluggesellschaft entschlossen ist, ihre Forderungen durchzusetzen. Die Wiederaufnahme der Flüge ab dem 26. Oktober 2025, wie in den Buchungssystemen angezeigt, bleibt daher mit einem großen Fragezeichen versehen.