Eine am 22. Oktober 2026 veröffentlichte Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts Oxera stellt den Zusammenhang zwischen Flughafengebühren und den Endpreisen für Passagiere infrage.
Die im Auftrag des Flughafenverbandes ACI Europe erstellte Untersuchung basiert auf der Auswertung von über 62.000 Datenpunkten auf knapp 6.000 europäischen Flugrouten. Den Ergebnissen zufolge haben Entgelte für die Nutzung der Flughafeninfrastruktur nur einen sehr geringen und statistisch unsicheren Einfluss auf die Flugpreise. Fällt die Erhöhung der Entgelte um zehn Prozent aus, steigen die Flugpreise im Schnitt lediglich um 0,35 Prozent, da die Fluggesellschaften Gebührenveränderungen nur zu rund einem Viertel an die Endkunden weitergeben.
Maßgebliche Treiber der Preisentwicklung im europäischen Luftverkehr sind hingegen Kapazitätsengpässe an den Flughäfen sowie der Grad der Marktkonzentration unter den Fluggesellschaften. Ein Anstieg der Überlastung an Flughäfen um zehn Prozent führt zu Preiserhöhungen von 0,93 Prozent, während eine um zehn Prozent höhere Marktkonzentration der Airlines die Flugpreise um 1,06 Prozent ansteigen lässt. Die Verknappung von Start- und Landerechten ermöglicht es Fluggesellschaften, Knappheitsgewinne abzuschöpfen. Diese Zusatzerlöse werden in der Studie auf europaweit 6,4 Milliarden Euro jährlich beziffert, was durchschnittlich 13,54 Euro pro Oneway-Ticket an kapazitätsbeschränkten Standorten entspricht.
Der Markteintritt eines neuen Mitbewerbers auf einer Strecke senkt die Flugpreise im Durchschnitt um 6,7 Prozent, während der Rückzug einer Airline zu Preisanstiegen von etwa 9,7 Prozent führt. Vor dem Hintergrund des laufenden Überprüfungsverfahrens der EU-Kommission zur Flughafengebührenrichtlinie und zur Flughafen-Slot-Verordnung fordert ACI EUROPE eine grundlegende Modernisierung der Vergaberegeln für Start- und Landerechte. Der Verband verweist dabei auf den Draghi-Bericht zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit, der bereits die Ineffizienzen bei der Kapazitätszuteilung als Engpass für den Binnenmarkt identifiziert hatte.
Branchenbeobachter und Regulierungsbehörden stehen der Debatte um die Slot-Reform vor dem Hintergrund fortschreitender Marktkonsolidierung in Europa aufmerksam gegenüber. Während die Flughafenbetreiber flexiblere Regeln zur Förderung des Wettbewerbs und zur Auslastung der Infrastruktur fordern, warnen Fluggesellschaften vor Eingriffen in etablierte Streckennetze. Die Studie verdeutlicht, dass die zukünftige Preisgestaltung für Passagiere entscheidend von wirksamen Wettbewerbsbedingungen und ausreichenden Investitionen in die Abfertigungskapazitäten abhängen wird.