Swiss International Air Lines leitet eine grundlegende Neuausrichtung ihrer Flottenstruktur im Kurz- und Mittelstreckensegment ein. Wie Finanzchef Dennis Weber bei der Anlasspräsentation der Ergebnisse für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 mitteilte, wird die Fluggesellschaft alle neun Flugzeuge des Typs Airbus A220-100 bis zum Jahresende 2027 vollständig aus dem aktiven Linienbetrieb nehmen.
Zudem beabsichtigt die Fluggesellschaft, auf mittlere Sicht auch die 21 größeren Maschinen des Typs Airbus A220-300 außer Dienst zu stellen. Ziel der Unternehmensführung ist es, den betrieblichen Aufwand zu senken und die Kurzstreckenflotte langfristig ausschließlich auf der Airbus-A320-Familie zu vereinheitlichen. Durch die Entnahme der A220-100 stellt Swiss zugleich Ersatzteile und Triebwerke des Herstellers Pratt & Whitney bereit, um die Verlässlichkeit des verbleibenden Flugbetriebs zu erhöhen und ungeplante Bodenzeiten im Zuge der Triebwerkswartungszyklen zu minimieren.
Verwertungsstrategie für die Teilflotte der Airbus A220-100
Die Außerdienststellung der neun Airbus A220-100 erfolgt in mehreren Phasen und ist administrativ bereits fortgeschritten. Zwei Einheiten dieser kleineren Ausführung wurden von Swiss bereits demontiert und in ihre Einzelkomponenten zerlegt. Die gewonnenen Triebwerke sowie Ersatzteile wurden dem internen Wartungspool zugeführt, um die Versorgung der im Betrieb verbleibenden A220-Flugzeuge abzusichern.
Bei drei weiteren Maschinen läuft das Ausflottungsverfahren aktuell. Auch bei diesen Flugzeugen entnimmt Swiss die Pratt & Whitney PW1500G-Triebwerke zur Eigennutzung, während die verbleibenden Flugzeugzellen auf dem Gebrauchtmarkt veräußert werden. Die letzten vier verbleibenden A220-100 verbleiben für den Sommerflugplan 2027 im aktiven Flugplan und werden mit dem Beginn der Winterflugplanperiode 2027/2028 endgültig abgestellt. Die Weiterverwendung der Triebwerke innerhalb des Konzerns trägt dazu bei, dass im Geschäftsjahr 2027 voraussichtlich nahezu keine Fluggeräte mehr aus Mangel an funktionsfähigen Antrieben am Boden gehalten werden müssen.
Perspektiven der Airbus-A220-300 und Vereinheitlichung im Kurzstreckenbereich
Für die 21 größeren Flugzeuge des Typs Airbus A220-300 existieren derzeit noch keine unmittelbaren Außerdienststellungstermine. Diese Maschinen verbleiben bis auf Weiteres im regulären Linieneinsatz. Swiss-Finanzchef Dennis Weber betonte jedoch, dass das erklärte Ziel der Fluggesellschaft darin bestehe, auf Sicht der 2030er-Jahre auch die A220-300 auszumustern, um die Flottenkomplexität im Europaverkehr nachhaltig auf ein einzelnes Modellmuster zu reduzieren.
Obwohl die A220-300 aufgrund moderner Passagierkabinen und guter Betriebseigenschaften bei Besatzungen und Fluggästen geschätzt wird, erzeugt der Simultanbetrieb mehrerer Flugzeugtypen hohe Zusatzkosten. Der parallele Unterhalt erfordert die Vorhaltung getrennter Ersatzteillager, zusätzliche Schulungsmaßnahmen für das Cockpit- und Kabinenpersonal sowie spezialisierte Qualifikationen im Bereich der Flugzeuginstandhaltung. Da sich die A220-300 noch in einem geringen Betriebsalter befinden, prüft die Fluggesellschaft eine spätere Übergabe an andere Tochtergesellschaften innerhalb der Lufthansa Group oder den Verkauf an externe Marktteilnehmer. Mittelfristig führt Swiss Gespräche im Konzernverbund, um Ersatzkapazitäten der Airbus-A320-Familie zu beschaffen.
Reduzierung von Wet-Lease-Kapazitäten und Wechsel in der Netzabdeckung
Der schrittweise Umbau der eigenen Flotte geht mit einer Verringerung extern eingekaufter Kapazitäten im Wege der Nasspacht (Wet Lease) einher. Durch die schrittweise Behebung der Fertigungsfehler an den Pratt & Whitney-Triebwerken nähert sich der außerordentliche Wartungszyklus dem Ende, wodurch Swiss wieder mehr Flüge mit eigenem Personal und eigenem Gerät durchführen kann.
Im Sommer 2027 plant Swiss den Einsatz von etwa 18 Wet-Lease-Flugzeugen, wovon rund 17 Maschinen vom langjährigen Schweizer Partner Helvetic Airways gestellt werden. Im Sommer 2026 wurden zum Kapazitätsausgleich noch 26 Fremdflugzeuge eingesetzt. Die Zusammenarbeit mit der lettischen Air Baltic im Rahmen von Wet-Lease-Vereinbarungen endet mit dem Ablauf des Winterflugplans Ende März 2027. Mit der schrittweisen Rückkehr zu Eigenleistungen strebt Swiss im kommenden Geschäftsjahr ein moderates Kapazitätswachstum an.
Strukturierung der Langstreckenflotte und Ausmusterung der Airbus A340
Neben der Bereinigung im Regional- und Europaverkehr verfolgt Swiss auch auf den Langstreckenverbindungen eine Vereinfachung des Fluggeräteportfolios. Derzeit umfasst das Langstreckensegment vier verschiedene Muster: Airbus A330, Airbus A340, Airbus A350 sowie Boeing 777. Das erste Flugzeug des Typs Airbus A340 wurde bereits aus der Flotte entfernt; die verbliebenen Maschinen sollen bis Anfang 2028 vollständig außer Dienst gestellt werden. Es besteht die Absicht, eine dieser Maschinen dem Verkehrshaus der Schweiz in Luzern für Ausstellungszwecke zu überlassen.
Die Flugzeuge des Typs Airbus A330 erhalten im Rahmen von Produktauffrischungen noch eine Überarbeitung der Kabinenausstattung, werden jedoch langfristig ebenfalls ersetzt. Die Großraumflugzeuge des Typs Boeing 777-300ER bilden nach Angaben der Unternehmensführung weiterhin das Rückgrat des interkontinentalen Netzes und sollen noch für einen längeren Zeitraum in der Flotte verbleiben. Durch die spätere Auslieferung neuer Airbus A350-900 strebt das Unternehmen auch im Langstreckensegment ein rationalisiertes Betriebsmodell an.