Die Fluggesellschaft Swiss und der Pilotenverband Aeropers haben in dieser Woche die offiziellen Verhandlungen für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag aufgenommen. Nachdem die Pilotenschaft den aktuell gültigen Vertrag bereits im November 2025 vorzeitig gekündigt hatte, steht nun die Neugestaltung der Arbeitsbedingungen für das Cockpitpersonal im Fokus.
Der bestehende GAV 2023 bleibt zwar noch bis Ende 2026 in Kraft, doch der Verband drängt angesichts der wirtschaftlichen Stärke der Airline auf eine frühzeitige Lösung. Die Fronten gelten als angespannt, da die Pilotenvertreter der Geschäftsleitung vorwerfen, Zusagen aus der Zeit der Pandemie-Bewältigung nicht ausreichend umgesetzt zu haben.
Im Zentrum der Forderungen steht eine deutliche Verbesserung der Dienstplanstabilität sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Laut Aeropers leidet das Personal unter einer übermäßigen Arbeitsbelastung und mangelnder Planbarkeit, was die Attraktivität des Berufsstandes zunehmend gefährdet. Der Verband weist darauf hin, dass Swiss zwar die erfolgreichste Fluggesellschaft innerhalb der Lufthansa Group ist, jedoch gleichzeitig mit einem erheblichen Pilotenmangel kämpft. Dieser Mangel führt bereits dazu, dass Flüge gestrichen oder an externe Partner im sogenannten Wetlease-Verfahren abgegeben werden müssen.
Zusätzliche Marktanalysen verdeutlichen, dass der Wettbewerb um qualifiziertes Personal im internationalen Luftverkehr massiv zugenommen hat. Um den Nachwuchs für die Zukunft zu sichern, fordert der Verband Arbeitsbedingungen, die im globalen Vergleich standhalten. Neben strukturellen Anpassungen bei den Einsatzplänen geht es dabei auch um finanzielle Rahmenbedingungen, die das Engagement der Belegschaft während der Krisenjahre würdigen sollen. Die Geschäftsleitung der Swiss betont ihrerseits das Ziel einer konstruktiven Einigung, muss jedoch die Kostenstrukturen im Blick behalten, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Netzwerk-Carriern zu wahren.
Die nun begonnenen Gespräche gelten als richtungsweisend für die operative Stabilität der Schweizer Nationalairline in den kommenden Jahren. Ein Scheitern der Verhandlungen könnte mittelfristig zu Arbeitskampfmaßnahmen führen, was den Flugbetrieb an den Drehkreuzen Zürich und Genf erheblich beeinträchtigen würde. Thomas Steffen, Vorstandsmitglied von Aeropers und aktiver Langstreckenpilot, unterstreicht die Verantwortung der Pilotenschaft für den Unternehmenserfolg, fordert jedoch im Gegenzug eine nachhaltige Wertschätzung des Personals. Die Branche blickt gespannt auf die kommenden Wochen, in denen erste Details zu möglichen Kompromissen erwartet werden.