Die Swiss International Air Lines hat in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 ein operatives Ergebnis (adjusted Ebit) von 411,2 Millionen Schweizer Franken erzielt. Obwohl das Resultat weiterhin positiv ist, markiert es einen Rückgang von rund 19,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (505,0 Millionen Schweizer Franken). Trotz des traditionell stärksten dritten Quartals, das ein operatives Ergebnis von 216,2 Millionen Schweizer Franken auswies, verfehlte die Airline die Erwartungen.
Als Hauptgründe für den Ergebnisrückgang nannte die Unternehmensleitung eine Kombination aus Preisdruck und anhaltend steigenden Kosten. Insbesondere die Nachfrageschwäche auf den ertragsstärksten Nordamerikastrecken, gepaart mit gestiegenen Gebühren, Abgaben und Personalkosten, belastete die Bilanz. Erfreulich ist jedoch die deutliche Steigerung der Pünktlichkeit und der Stabilität des Flugbetriebs sowie die Ankunft des ersten Airbus A350 als Startschuss für eine umfassende Investition in das Kundenerlebnis und die zukünftige Flotte.
Schwächelnde Nachfrage im Premiummarkt Nordamerika
Der für Swiss wichtigste und ertragsstärkste Markt, die Nordamerika-Strecken, zeigte sich in den ersten neun Monaten des Jahres überraschend schwach. Wie Finanzchef (cfo) Dennis Weber erläuterte, musste die Nachfrage vor allem in der Economy Class durch tiefere Ticketpreise stimuliert werden, was direkt auf die Erträge drückte. Die Branche kämpfe momentan generell mit einer sich abschwächenden Nachfrage. Die operativen Erträge des Konzerns stagnierten insgesamt bei 4,2 Milliarden Schweizer Franken.
Die finanzielle Delle im traditionell stärksten dritten Quartal unterstreicht die aktuellen Herausforderungen. Trotz der Sommerferien lag das operative Ergebnis von Juli bis September mit 216,2 Millionen Schweizer Franken um 10,2 Prozent unter dem Vergleichsquartal des Vorjahres (240,8 Millionen Schweizer Franken).
Steigende Kosten als strukturelle Herausforderung
Abgesehen von den Kerosinkosten, die sich aufgrund des globalen Ölpreises positiv auswirkten, sah sich Swiss mit einem breiten Spektrum an steigenden Kosten konfrontiert. Besonders ins Gewicht fielen höhere Gebühren und Abgaben, sowie ein deutlicher Anstieg der Personalkosten.
Diese Kostensteigerungen trafen auf eine unerwünschte Stagnation beim Wachstum der Fluggesellschaft. Aufgrund fehlender Triebwerke und eines Mangels an verfügbarem Cockpitpersonal (Pilotinnen und Piloten) konnte Swiss das angestrebte Kapazitätswachstum nicht im gewünschten Umfang realisieren. Die Anzahl der Flüge und das Angebot an Sitzkilometern stiegen in den ersten neun Monaten lediglich um 1,7 Prozent über das Vorjahr, was eine ineffiziente Nutzung der bestehenden Ressourcen und eine verpasste Marktchance darstellt.
CFO Weber betonte die Dringlichkeit der Gegensteuerung: „Finanziell geht der Trend aber in die falsche Richtung. Wir sehen steigende Kosten bei leicht sinkenden Erlösen. Solange die Engpässe bei Triebwerken und Crews weiteres Wachstum verhindern, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Kosten nicht steigen.“ Die Airline kündigte eine intensive interne Analyse aller Möglichkeiten zur Kostensenkung und zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit an, was eine temporäre Wachstumspause zur Folge haben wird.
Operative Leistungssteigerung und Kundenzentrierung
Konträr zu den finanziellen Sorgen konnte Swiss eine signifikante Verbesserung der operativen Zuverlässigkeit vorweisen. Die intensiven Anstrengungen zur Steigerung der Pünktlichkeit trugen Früchte, insbesondere während der reiseintensiven Sommerferienzeit.
- Im Durchschnitt starteten 68,1 Prozent aller Flüge im Zeitraum von Januar bis September pünktlich, was eine Steigerung von 5,3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
- Zudem gelang es der Airline, die Zahl der kurzfristigen Flugstreichungen nahezu zu halbieren, was die Verlässlichkeit für die Passagiere erhöhte.
Diese Verbesserungen in der Abwicklung des Flugbetriebs, die ein umfangreiches Maßnahmenpaket voraussetzten, sind ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen der Kunden in die Marke Swiss zu stärken.
Investitionsoffensive in Flotte und Kundenerlebnis
Trotz der aktuellen finanziellen Belastung hält Swiss an ihren strategischen Investitionsplänen fest, die eine langfristige Positionierung im Premiumsegment gewährleisten sollen. Im Fokus steht die Einführung des neuen Langstreckenflugzeugs Airbus A350 und des damit verbundenen Kabinenprodukts „Swiss Senses“.
Die Ankunft des ersten von insgesamt zehn bestellten A350 zu Beginn des vierten Quartals markiert den Beginn einer neuen Ära für die Fluggesellschaft. Die A350-Flotte soll das Reiseerlebnis durch ein neues Niveau an Komfort, Design und Technologie auf der Langstrecke heben. Parallel dazu hat Swiss ihr Serviceangebot in allen Reiseklassen der Langstreckenflüge weiterentwickelt.
CEO Jens Fehlinger bekräftigte das langfristige Wachstumsziel: „Die globale Nachfrage nach Flugreisen wird im Vergleich zu anderen Branchen auch zukünftig überdurchschnittlich stark zulegen. Wir können jedoch aktuell daran nicht partizipieren. Das muss und wird sich ändern.“ Die nächsten zwölf Monate werden durch die erhebliche Ressourcenbindung für die Einführung der neuen Flugzeuge (A350 sowie neue Kurzstreckenflugzeuge) und die Schulung der Mitarbeitenden geprägt sein.
Fehlinger sieht 2026 als Übergangsjahr, in dem Strukturen und Prozesse auf nachhaltiges, profitables Wachstum ausgerichtet werden müssen. Die Airline rechnet damit, dass sich die umfassenden Anstrengungen und Investitionen ab dem Jahr 2027 positiv auf das Ergebnis auswirken werden, um Swiss für die Zukunft fit zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.