Die britische Zivilluftfahrtbehörde Civil Aviation Authority (CAA) hat eine Untersuchung zu den Ursachen und Folgen eines schwerwiegenden Softwareausfalls beim nationalen Flugsicherungsdienst Nats eingeleitet.
Die Störung im System der Luftraumüberwachung hatte zu Beginn des Monats zu flächendeckenden Unterbrechungen im Flugbetrieb geführt, wodurch Hunderte Flüge gestrichen werden mussten und Zehntausende Passagiere an britischen und europäischen Flughäfen festsaßen. Die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander forderte eine lückenlose Aufklärung der betrieblichen Abläufe und behördliche Konsequenzen aus den Ausfällen.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die operativen Sicherheitsmengen, die Redundanz der IT-Systeme sowie die Notfallpläne des Flugsicherungsunternehmens. Die CAA kündigte an, neben dem internen Ursachenbericht von Nats auch die Vorbereitungen zur Erneuerung und Modernisierung der kritischen Betriebsinfrastruktur zu überprüfen. Ein zentraler Punkt der Ermittlungen ist die Frage, inwieweit Handlungsempfehlungen aus früheren Systemstörungen von Nats vollumfänglich umgesetzt wurden. Der finale Ermittlungsbericht soll der Regierungsstelle bis März 2027 vorgelegt werden.
Für die Fluggesellschaften und Flughafengesellschaften bedeuten die wiederholten EDV-Störungen der britischen Flugsicherung erhebliche finanzielle Belastungen. Neben den direkten Kosten für Passagierunterbringungen, Verpflegung und Ausgleichsleistungen nach den Verbraucherschutzbestimmungen geraten die Umlaufpläne der Fluggesellschaften über Tage hinweg aus dem Gleichgewicht. Der Branchenverband der Fluggesellschaften fordert seit Längerem eine Verschärfung der Haftungsregeln für Monopolbetreiber im Flugsicherungssektor, da die Fluggesellschaften die finanzielle Last technischer Systemausfälle bislang weitgehend allein tragen.
Luftfahrtanalysten betonen, dass die veraltete Softwarearchitektur vieler europäischer Flugsicherungsanbieter ein kontinuierliches Risiko für die Stabilität des Gesamtsystems darstellt. Der steigende Kapazitätsbedarf im europäischen Luftraum erfordert hohe Investitionen in redundante Kontrollsysteme und Cybersicherheit. Die Untersuchung der CAA wird zeigen müssen, ob die geplante Modernisierung der Nats-Systeme ausreicht, um künftige Fehlauslösungen und die damit verbundenen Verspätungen im internationalen Luftverkehr wirksam zu verhindern.