Ein Vorfall, der sich bereits im März 2025 am Tampa International Airport (TPA) in Florida ereignete, sorgt aktuell für Aufsehen, nachdem Videoaufnahmen der Festnahme eines Flugbegleiters von United Airlines im Internet verbreitet wurden.
Der Mitarbeiter wurde von der örtlichen Polizei verhaftet, nachdem er mutmaßlich eine Mitarbeiterin von Cayman Airways während einer Fahrt mit dem Flughafen-Shuttlebus leicht an der Schulter berührt hatte. Auslöser war eine Auseinandersetzung über die Lautstärke eines Telefongesprächs der Cayman-Airways-Mitarbeiterin. Die vermeintlich harmlose Berührung, die der United-Mitarbeiter zur Erregung der Aufmerksamkeit nutzen wollte, wurde nach dem Recht Floridas als tätlicher Angriff („battery“) gewertet. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Grenzen der Deeskalation in öffentlichen Räumen und die strenge Auslegung des physischen Kontakts im US-amerikanischen Recht, was in der Folge zu operativen Problemen für United Airlines führte.
Disput um Telefonnutzung eskaliert im Shuttlebus
Der Vorfall fand am 8. März des Jahres auf einem Shuttlebus statt, der Personal verschiedener Fluggesellschaften vom Parkplatz zum Terminal am Tampa International Airport befördert. Berichten zufolge begann die Eskalation, als eine Mitarbeiterin von Cayman Airways am Busbahnhof ein Telefongespräch führte, dessen Lautstärke vom United-Airlines-Flugbegleiter als störend empfunden wurde.
Die Cayman-Airways-Mitarbeiterin gab an, ihr United-Kollege habe ihr mitgeteilt, ihre Stimme sei nervig, und sie aufgefordert, „den Mund zu halten“. Daraufhin habe sie ihn zur Rede gestellt und ihm sogar rassistische Motive unterstellt. Die Situation verschärfte sich, als beide den Shuttlebus betraten.
An diesem Punkt eskalierte der Streit weiter, wobei der United-Flugbegleiter laut eigenen Angaben die Cayman-Mitarbeiterin an der Schulter antippte. Seine erklärte Absicht war es, sie dazu zu bewegen, sich umzudrehen, um ihre Ausweiskarte sehen zu können und den Vorfall der Cayman Airways zu melden. Die Cayman-Mitarbeiterin hingegen gab an, er habe nach ihrem Abzeichen gegriffen und versucht, es zu manipulieren. Obwohl er nach ihrer Aufforderung, sie nicht zu berühren, davon abließ, war der physische Kontakt bereits erfolgt und die Eskalation nicht mehr aufzuhalten.
Festnahme wegen des Tatbestands der „Battery“
Nachdem es dem United-Mitarbeiter nicht gelungen war, die Details der Cayman-Airways-Angestellten im Bus zu erhalten, folgte er ihr in das Terminalgebäude, um dort eine Beschwerde einzureichen und die Identifikationsdaten zu erlangen. Diesen Umstand bestätigte der Flugbegleiter später selbst und räumte auch ein, sie an der Schulter angetippt zu haben, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen.
Nach dem Betreten des Terminals schalteten sich örtliche Polizeibeamte ein und nahmen den Flugbegleiter von United Airlines fest. Die Entscheidung zur Festnahme basierte auf der juristischen Definition der „battery“ (Körperverletzung oder tätlicher Angriff) nach dem Recht des Bundesstaates Florida. Nach gängiger US-amerikanischer Rechtsprechung kann „battery“ bereits durch eine ungewollte, schädliche oder beleidigende körperliche Berührung einer anderen Person erfüllt sein, selbst wenn diese nur leicht ist und keine Verletzung nach sich zieht. Die einfache Berührung der Schulter durch den United-Mitarbeiter, die als unaufgefordert und potenziell aufdringlich interpretiert wurde, reichte in diesem Kontext für die Anklage aus.
Der Vorfall löste eine breite Debatte über die Besonderheiten dieser Rechtslage aus, insbesondere im Hinblick auf geringfügige Auseinandersetzungen im öffentlichen Raum. Die strenge Auslegung der „battery“ in Florida, die auch bei leichten Berührungen zur Anklage führen kann, zeigt die juristische Gratwanderung auf, wenn in einem Konflikt physische Grenzen überschritten werden.
Operative Auswirkungen auf den Flugbetrieb
Die Festnahme des United-Airlines-Flugbegleiters hatte unmittelbare betriebliche Folgen. Er war außer Stande, seinen geplanten Flugdienst anzutreten. Solche unerwarteten Ausfälle von Kabinenpersonal, insbesondere kurz vor Abflug, erfordern von der Airline die Suche nach Ersatzkräften auf Abruf („standby crew member“), was zu operativen Verzögerungen oder Stornierungen führen kann.
Dieser konkrete Fall unterstreicht die Notwendigkeit des polizeilichen Ermessens bei geringfügigen Auseinandersetzungen, da die Folgekosten und die logistische Herausforderung für eine Fluggesellschaft erheblich sein können. United Airlines, die eine der größten Präsenzen am Tampa International Airport aufweist, musste diesen unerwarteten Personalengpass kurzfristig kompensieren. Mit 1.659 geplanten Flügen im Dezember 2025 auf Routen von und nach Tampa (im Vergleich zu lediglich 42 Flügen von Cayman Airways im selben Zeitraum) ist United Airlines stark auf die reibungslose Einsatzbereitschaft ihres Personals angewiesen.
Die Auseinandersetzung zwischen Mitarbeitern von konkurrierenden Fluggesellschaften, auch wenn sie im öffentlichen Bereich des Flughafens stattfand, wirft zudem Fragen bezüglich der Verhaltensrichtlinien für Personal abseits des direkten Flugbetriebs auf. Sowohl United Airlines als auch Cayman Airways haben spezifische Verhaltenskodizes für ihre Mitarbeiter, die auch außerhalb der Dienstzeit und in Begegnungen mit dem Personal anderer Unternehmen gelten. Das Vorgehen des United-Mitarbeiters, die Mitarbeiterin zu verfolgen, um eine Beschwerde einzureichen, wurde in der Folge als unangemessen und eskalierend bewertet.