Die portugiesische Fluggesellschaft TAP Air Portugal meldet einen deutlichen Gewinnrückgang im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres. Trotz eines Anstiegs der beförderten Passagiere und des erzielten Umsatzes fiel das Nettoergebnis um 42,5 Prozent auf 37,5 Millionen Euro.
Dieses Ergebnis steht im starken Kontrast zum Vorjahreszeitraum und verdeutlicht die erheblichen Herausforderungen, mit denen das Unternehmen konfrontiert ist. Wie die Fluggesellschaft mitteilte, sind es vor allem die stark gestiegenen Betriebskosten, die das Ergebnis belasten. TAP-Konzernchef Luis Rodrigues betonte, daß sich die Fluggesellschaft in einem „hochkompetitiven Umfeld“ bewege und einen der operativ anspruchsvollsten Sommer der letzten Jahre erlebe. Parallel zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten läuft das wichtige Privatisierungsverfahren des staatlichen Unternehmens, das die Zukunft der Fluggesellschaft maßgeblich beeinflussen wird.
Wirtschaftliche Talfahrt trotz Passagierrekord: Die nackten Zahlen
Die jüngsten Geschäftszahlen von TAP Air Portugal zeigen ein paradoxes Bild. Im zweiten Quartal konnte das Unternehmen seine Einnahmen um 1,7 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro steigern. Auch die Zahl der beförderten Passagiere wuchs um beachtliche 4,5 Prozent auf 4,3 Millionen. Diese Zahlen würden unter normalen Umständen auf eine robuste und gesunde Entwicklung hindeuten. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Gleichzeitig stiegen die Betriebskosten um 5,6 Prozent auf rund eine Milliarde Euro an, was die positive Entwicklung der Einnahmen vollständig absorbiert.
Bei genauerer Betrachtung der Kostendaten zeigen sich die Hauptbelastungsfaktoren. Die Personalkosten, die einen wesentlichen Anteil der betrieblichen Ausgaben ausmachen, stiegen um 18,3 Prozent. Diese Zunahme ist vermutlich auf eine Kombination aus inflationsbedingten Gehaltserhöhungen, Neueinstellungen zur Bewältigung des gestiegenen Flugaufkommens und möglicherweise auch auf neue Tarifverträge zurückzuführen. Auch die sogenannten Verkehrskosten, zu denen Ausgaben für Treibstoff, Navigation, Landegebühren und Bodenabfertigung zählen, stiegen um 9,2 Prozent. Diese Entwicklungen spiegeln einen branchenweiten Trend wider, bei dem steigende Kosten die Gewinne schmälern. Für das erste Halbjahr des Jahres summiert sich der Verlust von TAP auf 70,7 Millionen Euro, was fast dem Dreifachen des Verlustes im Vorjahreszeitraum entspricht.
Ein hochkompetitives Umfeld: Der Druck auf Preise und Margen
Der TAP-Chef Luis Rodrigues verwies in seiner Analyse der Ergebnisse auf das „hochkompetitive Umfeld“, in dem seine Fluggesellschaft operiert. Die Konkurrenz im Luftverkehrsmarkt ist intensiv, sowohl auf den Kurz- als auch auf den Langstrecken. Auf den innereuropäischen Routen steht TAP im direkten Wettbewerb mit den aggressiven Billigfluggesellschaften wie Ryanair und easyJet, die oft mit äusserst günstigen Preisen Passagiere anziehen. Der Preiskampf zwingt TAP dazu, die eigenen Ticketpreise auf einem Niveau zu halten, das die Rentabilität untergräbt.
Eine noch größere strategische Bedeutung hat jedoch der Langstreckenverkehr. TAP hat sich als wichtiger Vermittler von Flügen zwischen Europa und Südamerika etabliert, insbesondere nach Brasilien. Die geografische Lage des Drehkreuzes Lissabon ermöglicht effiziente Verbindungen, was das Unternehmen zu einem attraktiven Akteur für Reisende und zu einem begehrten Ziel für andere grosse Luftfahrtkonzerne macht. Auf diesen Routen konkurriert TAP jedoch mit grossen Fluggesellschaften wie LATAM Airlines, Lufthansa und Air France-KLM, die ebenfalls ihre Präsenz im lukrativen transatlantischen Markt ausbauen wollen. Der intensive Wettbewerb auf beiden Streckennetzen, kurz- wie langstreckig, setzt die Margen der Fluggesellschaft stark unter Druck.
Externe Belastungen: Striktere Kontrollen bremsen den Betrieb
Die finanziellen Herausforderungen werden durch externe operative Probleme weiter verschärft, die außerhalb der direkten Kontrolle der Fluggesellschaft liegen. Laut der Unternehmensleitung beeinträchtigen verschärfte Grenzkontrollen an portugiesischen Flughäfen, insbesondere am Hauptdrehkreuz in Lissabon, die Abläufe erheblich. Diese Kontrollen führen zu längeren Warteschlangen für Passagiere und zu Verzögerungen im Flugbetrieb. Solche Verspätungen haben nicht nur direkte Folgen wie verpasste Anschlüsse, sondern schädigen auch das Ansehen der Fluggesellschaft und können zu Entschädigungszahlungen führen.
Die strengeren Kontrollen könnten auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen sein, darunter eine erhöhte Sicherheitslage, die Einführung neuer digitaler Ein- und Ausreisesysteme der Europäischen Union oder einfach auf Personalmangel bei den zuständigen Behörden. Unabhängig von der Ursache wirken sich diese Verzögerungen negativ auf die Effizienz der gesamten Abläufe aus und tragen zu den steigenden Betriebskosten bei, indem sie zusätzliche Kosten für Treibstoff, Personal und Bodenabfertigung verursachen.
Das große Spiel um die Zukunft: Die Privatisierung als strategische Entscheidung
Die aktuelle finanzielle Lage von TAP ist eng mit ihrer ungewissen Zukunft verbunden. Die portugiesische Regierung hat im Juli das Verfahren zur Privatisierung der Fluggesellschaft, die sich seit ihrer Teilverstaatlichung im Jahr 2020 wieder mehrheitlich in Staatsbesitz befindet, neu gestartet. Es ist geplant, einen Anteil von 44,9 Prozent zu veräussern. TAP ist für die grossen Luftfahrtgruppen in Europa von grossem strategischem Interesse.
Drei namhafte Bewerber haben bereits ihr Interesse an einer Übernahme signalisiert: Lufthansa, die Air France-KLM-Gruppe und die IAG (International Airlines Group). Für diese Konzerne wäre die Akquisition von TAP ein Weg, ihre globale Präsenz zu stärken. Die Lufthansa-Gruppe, die bereits mit den Airlines in Österreich, der Schweiz und Belgien über strategische Drehkreuze verfügt, würde mit Lissabon einen wichtigen Knotenpunkt für den Verkehr nach Südamerika und Afrika gewinnen. Auch die Air France-KLM-Gruppe und die IAG, die grosse Hubs in Paris, Amsterdam, London und Madrid betreiben, sehen in Lissabon eine wertvolle Ergänzung ihrer Netzwerke. Der Ausgang dieses Privatisierungsverfahrens wird maßgeblich darüber entscheiden, ob TAP seine Rolle als eigenständige Fluggesellschaft behalten oder in einen der grossen europäischen Luftfahrtkonzerne integriert wird.