Airbus A321LR (Foto: Steffen Lorenz).
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TAP Air Portugal: Privatisierung von 2015 unter Verdacht betrügerischer Absprachen

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Die Privatisierung von TAP Air Portugal im Jahr 2015, bei der das Konsortium Atlantic Gateway unter Führung der Unternehmer David Neeleman und Humberto Pedrosa die staatliche Fluggesellschaft übernahm, steht nun unter Verdacht, betrügerisch gewesen zu sein. Dies geht aus einem Bericht der portugiesischen Rechnungsprüfungsbehörde (Inspeção-Geral de Finanças, IGF) hervor. Die jüngsten Entwicklungen werfen ein neues Licht auf die umstrittene Privatisierung und könnten weitreichende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Im Zuge der Privatisierung von TAP Air Portugal kaufte das Konsortium Atlantic Gateway, bestehend aus dem amerikanischen Luftfahrtunternehmer David Neeleman und dem portugiesischen Geschäftsmann Humberto Pedrosa, eine Mehrheitsbeteiligung an der staatlichen Airline. Ein wesentlicher Bestandteil des Deals war der Abschluss eines umfangreichen Vertrages mit dem Flugzeughersteller Airbus über die Bestellung von 53 neuen Flugzeugen. Darunter befanden sich Großraumflugzeuge vom Typ Airbus A330-900neo und Schmalrumpfflugzeuge der A320neo- und A321neo-Serie. Diese Flottenerneuerung galt damals als essenziell für die Modernisierung und Zukunftsfähigkeit von TAP.

Laut IGF soll TAP jedoch durch diese Vereinbarung gezwungen gewesen sein, die Flugzeuge mit einer finanziellen Garantie zu kaufen, was als eine Art versteckte Finanzierung der Übernahme durch Atlantic Gateway angesehen wird. Der Vorwurf besagt, dass das Konsortium die Fluggesellschaft im Wesentlichen mit deren eigenen Mitteln gekauft habe, wobei ein rechtlich fragwürdiges Konstrukt genutzt worden sei, um das nationale Handelsgesellschaftsrecht, den Código das Sociedades Comerciais, zu umgehen.

Ermittlungen und juristische Schritte

Die IGF-Ergebnisse wurden an die portugiesische Staatsanwaltschaft übermittelt, die bereits seit 2022 eine Untersuchung zu den Flugzeugkäufen eingeleitet hatte. Dabei steht der Verdacht im Raum, dass TAP für die bestellten Flugzeuge deutlich höhere Preise gezahlt habe als andere Fluggesellschaften. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Transaktionen nicht marktgerecht waren und möglicherweise zu finanziellen Nachteilen für das Unternehmen führten.

Die damalige portugiesische Regierung unter Premierminister Pedro Passos Coelho und Finanzministerin Maria Luís Albuquerque war maßgeblich an der Ausarbeitung des Privatisierungsplans beteiligt. Sie stehen nun ebenfalls unter Beobachtung, da politische Verantwortung für die möglicherweise unvorteilhaften Verträge im Raum steht. Doch Luís Montenegro, der derzeitige portugiesische Premierminister, erklärte, dass die Prüfung der IGF keine neuen, substanziellen Erkenntnisse gebracht habe, die über das bereits Bekannte hinausgingen.

David Neeleman wehrt sich gegen Vorwürfe

David Neeleman, der Gründer mehrerer erfolgreicher Fluggesellschaften wie JetBlue Airways und der brasilianischen Azul Linhas Aéreas Brasileiras, wehrte sich gegen die Anschuldigungen. In einem Meinungsartikel, der 2023 in der portugiesischen Zeitung *Expresso* veröffentlicht wurde, bezeichnete er die Behauptung, dass TAP mit Airbus-Geldern oder durch zukünftige Cashflows finanziert worden sei, als „völlig absurd“. Er betonte, dass die finanziellen Mittel der Fluggesellschaft für laufende Betriebskosten wie Gehälter und den Barbedarf verwendet wurden und nicht zur Finanzierung des Konsortiums genutzt wurden.

Weder TAP Air Portugal noch Neeleman waren für eine direkte Stellungnahme zu den jüngsten Entwicklungen zu erreichen. Der Unternehmer bleibt jedoch ein zentraler Akteur in dieser Affäre, und seine Rolle wird weiterhin kritisch beleuchtet.

Der Weg zur Reprivatisierung: Interesse von Air France-KLM, Lufthansa und IAG

Nachdem die portugiesische Regierung im Jahr 2020 David Neelemans Anteil an TAP zurückkaufte, um die finanzielle Kontrolle über die angeschlagene Fluggesellschaft wiederzuerlangen, steht TAP nun erneut vor einer möglichen Privatisierung. Der portugiesische Staat hält derzeit 100 % der Anteile, doch angesichts der finanziellen Herausforderungen von TAP wird die Reprivatisierung als notwendiger Schritt zur Sicherung der Zukunft der Fluggesellschaft angesehen.

Internationale Luftfahrtkonzerne wie Air France-KLM, die Lufthansa Group und die IAG International Airlines Group (zu der unter anderem British Airways und Iberia gehören) haben bereits ihr Interesse an einem Kauf von Anteilen bekundet. Dies zeigt, dass TAP trotz der anhaltenden Kontroversen ein begehrtes Ziel im europäischen Luftverkehrsmarkt bleibt. Die endgültige Entscheidung über die Reprivatisierung und der mögliche neue Eigentümer von TAP könnten entscheidend für die zukünftige Ausrichtung und Wettbewerbsfähigkeit der Airline sein.

TAPs Bedeutung für Portugal und die Herausforderungen der Zukunft

TAP Air Portugal ist mehr als nur eine Fluggesellschaft – sie ist ein Symbol für den nationalen Stolz und die internationale Verbindungen des Landes. Besonders im transatlantischen Markt spielt die Airline eine zentrale Rolle, vor allem durch die starke Präsenz in Brasilien, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie. TAP verbindet Lissabon und Porto mit wichtigen Zielen auf der ganzen Welt, insbesondere in Europa, Afrika und Südamerika.

Doch die Airline steht auch vor großen Herausforderungen. Neben den internen Kontroversen und finanziellen Schwierigkeiten muss sich TAP in einem hart umkämpften Markt behaupten, der zunehmend von Billigfluggesellschaften und großen Airline-Allianzen dominiert wird. Die potenzielle Privatisierung könnte eine Lösung für einige dieser Probleme bieten, birgt aber auch das Risiko, dass strategische Entscheidungen nicht mehr in portugiesischer Hand liegen.

Die Zukunft von TAP Air Portugal ist eng mit den juristischen und politischen Entwicklungen der kommenden Monate verknüpft. Die Ergebnisse der IGF-Prüfung und die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft könnten nicht nur Auswirkungen auf die Verantwortlichen der Privatisierung von 2015 haben, sondern auch auf den zukünftigen Weg der Fluggesellschaft. Die mögliche Reprivatisierung, das Interesse internationaler Luftfahrtgiganten und die andauernde Bedeutung von TAP für die portugiesische Wirtschaft und den Tourismus machen diesen Fall zu einem der spannendsten in der europäischen Luftfahrtbranche. Es bleibt abzuwarten, wie sich die rechtlichen und politischen Fronten entwickeln und welche Rolle TAP in der zukünftigen Luftfahrtlandschaft spielen wird.

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