Flughafen London-Heathrow (Foto: Heathrow Airport).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Technische Störung bei der britischen Flugsicherung verursacht landesweite Flugausfälle und internationalen Rückstau

Werbung

Eine schwerwiegende Störung des Flugverkehrskontrollsystems bei der britischen Flugsicherung NATS hat an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu massiven Beeinträchtigungen im europäischen Luftverkehr geführt. Nach dem Ausfall von schätzungsweise 1.300 Verbindungen am Dienstag kam es auch am darauffolgenden Mittwoch zu weiteren 330 Flugstreichungen, wobei der Londoner Flughafen Heathrow den Schwerpunkt der Unterbrechungen bildete.

Obwohl der technische Defekt nach Angaben des Betreibers inzwischen identifiziert und behoben werden konnte, führen die aufgelaufenen Verzögerungen bei Flugzeugen und Besatzungen zu einem erheblichen operativen Rückstau. Fluggesellschaften und Branchenverbände äußerten scharfe Kritik an den Kontrollsystemen des Dienstleisters, während das britische Verkehrsministerium eine umfassende Aufarbeitung der Vorkommnisse ankündigte.

Systemausfall und operative Auswirkungen auf den Flughafenbetrieb

Die Störung im zentralen EDV-System von NATS beeinträchtigte den Betrieb an mindestens 15 britischen Verkehrsflughäfen. Neben dem Drehkreuz London Heathrow waren auch die Flughäfen London Gatwick, London Stansted sowie die regionalen Knotenpunkte Manchester und Birmingham von Einschränkungen der Start- und Landekapazitäten betroffen. Da die Flugpläne im internationalen Passagierverkehr eng getaktet sind, führten die temporären Kapazitätsbeschränkungen im britischen Luftraum zu Kettenreaktionen im gesamten europäischen Flugnetz.

An zahlreichen europäischen Standorten mussten Verbindungen von und nach Großbritannien gestrichen oder verschoben werden. Unter anderem meldeten die deutschen Flughäfen Frankfurt am Main und Düsseldorf sowie der Flughafen Zürich in der Schweiz den Ausfall diverser Linienverbindungen. Für zehntausende Passagiere bedeuteten die Ausfälle längere Wartezeiten in den Terminals. Medienberichte dokumentierten Situationen an britischen Terminals, in denen Reisende mangels verfügbarer Hotelkapazitäten die Nacht in den Abflughallen verbringen mussten.

Ursachenanalyse und Stellungnahme des Dienstleisters

Hinsichtlich der Ursachen stellte der Geschäftsführer von NATS, Martin Rolfe, in Stellungnahmen gegenüber Medienvertretern klar, dass nach derzeitigen Erkenntnissen kein Cyberangriff oder externer Eingriff für den Systemausfall verantwortlich war. Es handele sich um ein internes technisches Problem in der Datenverarbeitung, das die automatische Bearbeitung von Flugplänen beeinträchtigte. Nach dem Eintreffen fehlerhafter Daten schaltete das System aus Sicherheitsgründen in einen manuellen Eingabemodus um, was die Kapazität der Luftraumüberwachung pro Stunde drastisch reduzierte.

Der Betreiber gab bekannt, dass die Fehlerursache am Mittwoch behoben werden konnte und die Systeme wieder im Normalbetrieb arbeiten. Das Abarbeiten der verbleibenden Rückstände erfordert jedoch Zeit, da Flugzeuge und Besatzungen erst wieder an die vorgesehenen Einsatzorte positioniert werden müssen. Der Vorfall weckt Erinnerungen an ähnliche technische Störungen im britischen Luftraum in der Vergangenheit, die ebenfalls Debatten über die Redundanz der IT-Infrastruktur im Flugverkehr auslösten.

Reaktionen der Fluggesellschaften und politische Konsequenzen

Der erneute Systemausfall rief deutliche Reaktionen seitens der betroffenen Luftfahrtunternehmen hervor. Vertreter großer Fluggesellschaften kritisierten den Dienstleister NATS für die mangelnde Ausfallsicherheit der Systeme. Insbesondere der Managerrat der Fluggesellschaft Ryanair um Vorstandsmitglied Neal McMahon forderte personelle Konsequenzen in der Führungsebene von NATS und verwies auf die erheblichen finanziellen Belastungen, die den Fluggesellschaften durch Entschädigungszahlungen, Versorgungsleistungen und Umbuchungen entstehen.

Auch die britische Politik schaltete sich in die Aufarbeitung ein. Verkehrsministerin Heidi Alexander zitierte den NATS-Geschäftsführer Martin Rolfe zu einem Krisentreffen, um Auskunft über den Verlauf der Störung, die Behebung der Fehlerursachen und die präventiven Maßnahmen zur Verhinderung künftiger Ausfälle einzuholen. Die Aufsichtsbehörde Civil Aviation Authority wurde beauftragt, den Vorfall unabhängig zu untersuchen und zu prüfen, ob der Flugsicherungsdienstleister seinen gesetzlichen Pflichten zur Aufrechterhaltung der Luftverkehrsinfrastruktur vollumfänglich nachgekommen ist.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung