Tempelhof Lounge im BER-Terminal 1 im Produkttest

Entry Area (Foto: Steffen Lorenz).
Entry Area (Foto: Steffen Lorenz).

Tempelhof Lounge im BER-Terminal 1 im Produkttest

Entry Area (Foto: Steffen Lorenz).
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Ein fantastischer Ausblick, eine interessante Getränkeauswahl und eine eigene Passkontrolle.

Es ist bereits ein wunderschöner Morgen in der deutschen Hauptstadt, kein einziges Wölkchen ist am strahlend blauen Himmel, als mein Handywecker klingelt. Nach dem obligatorischen Blick auf die morgendlichen Schlagzeilen entschied ich mich dazu, mein Zimmer frühzeitig zu verlassen und mich auf den Weg in Richtung des eigentlich in Brandenburg liegenden „Hauptstadtflughafens“ zu machen. Im Zuge eines lange geplanten Fluges mit Aer Lingus nach Dublin hatte ich mich am Vorabend dazu entschlossen das Frühstück in der zweiten Lounge des BER zu mir zu nehmen. 

Die Lage

Das Hauptgebäude des Terminal 1 am BER (ohne die sich anschließenden Piers – Nord & Süd) verläuft in langgezogener „i“-Form. Jeweils an beiden Enden dieses „i“‘ befinden sich die (derzeit) zwei einzigen Lounges am BER, welche beide „Airside“ und somit hinter der Sicherheitskontrolle zu finden sind. Am nördlichen Ende, dem Übergang zum „Pier Nord“, in welchen ab Ende diesen Monats auch das „Terminal 2“ mündet, (Artikel einfügen) befindet sich die sich die Lufthansa Business Lounge. Gespiegelt auf der südlichen Seite und dem Übergang zum „Pier Süd“ mit den Gates A30-A38, welche priorisiert von „easyJet“ genutzt werden, befindet sich die von der FBB betriebene Lounge mit dem Namen „Tempelhof“, welche ursprünglich die „Air Berlin Lounge“ werden sollte. Wie jedem bekannt ist, wurde daraus nichts mehr, wenn auch während meines Aufenthaltes die letzte Maschine in Farben der Air Berlin unter Flugnummer des neuen Operators „Sundair“, in den morgendlichen Himmel über Brandenburg startete und in die berüchtigte „Hoffmann-Kurve“ einbog mit Ziel Teneriffa – ein zum Besuch passendes „Erlebnis“ , welches mit einem Augenzwinkern zu erwähnen sei.

Da ein Teil der geladenen Gäste bereits im Zuge der BER-Eröffnung Ende Oktober 2020 die Feierlichkeiten in der Tempelhof – Lounge verfolgen durfte, hatte ich damals einen ersten, wenn auch kurzen Eindruck bekommen können. Jetzt, 1,5 Jahre später, bot sich die richtige Gelegenheit und ich war ein wenig neugierig auf das fertige „Live Produkt“ und den ersten „richtigen Besuch“. Bereits vor Eintritt wird ausgiebig über die unterstützenden Partner und Airlines hingewiesen.

Sollte ein Zutritt über den Vielfliegerstatus der 15 unterstützen Carrier nicht möglich sein und auch das Ticket, welches die Loungenutzung inkludiert hat nicht vorhanden sein, besteht zusätzlich die Möglichkeit, entweder über eine Mitgliedschaft im „DragonPass“ oder gegen eine Zahlung von 45€ pro Besuch (zahlbar per Kreditkarte am Eingang) Eintritt zu erhalten. Noch zu erwähnen sei, dass über den in Europa etwas weiter verbreiteten „PriorityPass“ KEIN Zutritt zur Tempelhof-Lounge gewährt wird, womit diese Karte weiterhin am BER nicht zu gebrauchen ist.

Catering (Speisen & Getränkeangebot)

Nach dem zwischenzeitlich pandemiebedingten, extrem eingeschränkten Angebot bietet die Tempelhof-Lounge inzwischen eine umfangreiche Auswahl an Getränken an. Neben (teilweise frisch gezapften) Bieren sind auch Weine, Schaumwein sowie eine Auswahl an 25 verschiedenen Spirituosen erhältlich. Im Bereich der Softgetränke befinden sich ebenfalls alle Klassiker, inkl. dreierlei verschiedener Säfte, Red Bull, Tonic oder auch Kombucha im Angebot.

Im Zuge der Nachhaltigkeit sei zu erwähnen, dass auch eine Wasseranlage für aufbereitetes Trinkwasser zur Verfügung steht, in welcher sich das eigene Gefäß problemlos befüllen lässt. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit, eine Kaffeespezialität zu genießen. 

Im Bereich des Caterings kann ich lediglich vom angebotenen Frühstücksservice berichten, welcher mit Rührei und englischen Bohnen zweierlei warme Optionen im Angebot hatte. Daneben wurden Aufschnitt, Joghurt, Brezeln, Croissants und Brötchen, Marmeladen und Nutella angeboten. Kleine Gläschen mit Obstsalat und Naturjoghurt mit Müsli rundeten das Angebot ab. Alles in allem, für den Imbiss vor dem Flug sollten die Wahlmöglichkeiten vollkommen ausreichend sein. 

Ausstattung (Services)

Die Ausstattung wirkt für eine Business- Lounge hochwertig und ist farblich abgestimmt. In den insgesamt 4 Räumen sind reichlich Sitz- und Arbeitsbereiche vorhanden. Im Relaxbereich besteht die Möglichkeit, auch ein wenig die Füße hochzulegen und mit Sofa-Feeling das Geschehen auf der südlichen Start- und Landebahn durch die große Panorama-Fensterfront zu verfolgen. 

In der Lounge spiegelt sich auch ein bereits aus dem Terminal bekanntes Problem wieder. Da die Planungen des Flughafens zu einer Zeit liefen, als die Nutzung eigener elektronischer Endgeräte nur kaum bis wenig verbreitet war, wurden nur wenige Steckdosenanschlüsse gelegt, heutzutage selbstredend ein gefühltes Ding der Unmöglichkeit, da der geneigte Reisende zuweilen über eine Vielzahl mit Strom zu versorgenden Geräten durch die Gegend läuft. So gibt es also zum einen die bereits aus dem Terminal bekannten zentralen Ladestationen an ausgewählten Punkten, wo eben keine Steckdosen zur verfügen stehen und zum anderen ist bereits eine große Anzahl an Sesseln gegen ein nahezu baugleiches Modell ausgetauscht worden, welches immerhin über 2 integrierte USB-Anschlüsse verfügt. In meinen Augen ein auch optisch gelungenes Feature, welches über die Peinlichkeit der fehlenden Steckdosen ein wenig hinwegtrösten kann. 

Angeboten wird ebenfalls ein eigener Konferenzraum mit 8 Sitzplätzen im hinteren Bereich, räumlich abgetrennt und somit etwas abseits des Geschehens. Dieser kann gegen eine zusätzliche Gebühr von derzeit 150€ netto pro Stunde gebucht werden und verfügt über die technische Ausstattung für eine Telefon- oder auch Videokonferenz. 

Hervorzuheben ist der positive Umstand, dass die Lounge über eine eigene Möglichkeit zur Ausreise (Passkontrolle) verfügt, welche insbesondere bei Flügen ins EU-Ausland und den teilweise vorhandenen Schlangen vor der Ausreise einen absoluten Pluspunkt und ein Novum für Berlin darstellt. Während es bereits in weiten Teilen der Welt eine solche Möglichkeit in vorhandenen oder neu eröffneten Lounges gibt und gab, war dieser Umstand in der Vergangenheit an den überalterten Flughäfen in Tegel oder Schönefeld nicht zu finden. Lustigerweise erinnere ich mich dabei noch an den Wortlaut eines Lounge-Mitarbeiters, der „Weltbürgerlounge“ im „Baumarkt-Terminal C“ in Tegel, welcher hektisch die Gäste zur Passkontrolle eines Hainan-Fliegers nach Peking „zusammentrommelte“, da die Schlange vor der Ausreise und dem etwas besseren Pavillon mal wieder heillos überfüllt war und ein Offloading drohte. Von der Tempelhof-Lounge hingegen sind sämtliche Gates in den Bereichen A,B,C und D erreichbar und somit ALLE Gates im Terminal 1 (2) destinationsunabhängig. Eine Möglichkeit zum Duschen oder Schlafen ist nicht vorhanden. Ein ebenfalls wichtiger Hinweis ist, dass es sich um eine sogenannte „Silent Lounge“ handelt, in welcher keinerlei Flughafen- und Boardingansagen zu hören sind. 

Fazit

Mit der Tempelhof-Lounge , besteht ein komfortables Zusatzangebot am Flughafen Berlin-Brandenburg mit wunderschönem Panorama Blick über den gesamten südlichen Teil des BER. Die besondere Attraktivität liegt in der vorhandenen Nutzbarkeit für praktisch jedermann (gegen Gebühr), völlig unabhängig vom Vielfliegerstatus oder der gewählten Airline, sowie der Destination, da sowohl Schengen als auch Non-Schengen Gates erreicht werden können. 

Trotz der Bandbreite an potentiellen Kunden wirkte die Lounge zum besuchten Zeitpunkt alles andere als überfüllt. Während meines knapp 2-stündigen Aufenthalts zählte ich allein 12 Flüge der aufgeführten Airline-Partner, darunter auch Großraumgerät (A330-300), weshalb mich die handvoll Gäste doch sehr stark überraschte.  Wer Dusch-, Massage- oder Fine-Dining-Angebote auf First-Class-Niveau sucht, wird hier nicht fündig. Resümierend lässt sich sagen, dass ein grundsolides, abgerundetes Produkt einer guten Business-Lounge geboten wird, welches sich im internationalen Vergleich nicht zu verstecken braucht. Ob dies alles, sofern nicht anderweitig inkludiert, die Zahlung von 45 Euro pro Person wert ist, überlasse ich dann allerdings dem Geschmack sowie dem Geldbeutel eines jeden einzelnen Lesers.

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Steffen Lorenz war einige Jahrzehnte lang Flugbegleiter bei verschiedenen Airlines und verstärkt die Aviation.Direct-Redaktion seit Oktober 2021 in den Bereichen Produkttests und Tripreports.

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