Ryanair und Austrian Airlines in Wien (Foto: Robert Spohr).
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Ticketsteuer: Austrian Airlines kritisiert Ryanairs „Lamentieren über die lokale Politik“

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Die Billigfluggesellschaften Wizz Air und Ryanair haben in den letzten Monaten eine Diskussion um die österreichische Flugticketabgabe angestoßen. Während der pinkfarbene Carrier bereits Fakten geschaffen hat und die Alpenrepublik zu Gunsten von Bratislava verlassen wird, der Erzrivale fünf Maschinen aus Wien abziehen und die örtliche Malta-Air-Basis schließen wird, verhält sich Austrian Airlines wenn es um die umstrittene Steuer geht mucksmäuschen still – zumindest in der Öffentlichkeit. Warum eigentlich?

Die öffentliche Kommunikation der Fluggesellschaften Wizz Air, Ryanair und Austrian Airlines könnte unterschiedlicher kaum sein. Der pinkfarbene Anbieter hat ohne großes Blabla die Schließung der Basis Wien und die gleichzeitige Expansion in Bratislava verkündet. Dies wurde mit hohen Kosten in Österreich und gleichzeitig billigeren Konditionen in der Slowakei begründet. Punkt. Keinerlei verbale Angriffe oder Unterstellungen gegen die amtierende Bundesregierung.

Ganz anders verhält sich Ryanair, denn in regelmäßigen Presseaussendungen poltert man gegen die Regierung, allen voran gegen Verkehrsminister Hanke und Bundeskanzler Stocker. Selbst Karikaturen Marke Eigenbau hat man bereits bei Pressekonferenzen gezeigt. Umgekehrt scheinen die Regierungsmitglieder angesichts der Tonlage und der Art und Weise wie man öffentlich miteinander kommuniziert, auch kein großes Interesse an weiteren Gesprächen mit Ryanair zu haben. Eine Steilvorlage für die FPÖ, denn diese hat sich bereits öffentlich auf die Seite der Billigfluggesellschaft geschlagen und schlägt in Aussendungen eine ähnliche Tonlage an. Zwischenzeitlich wurde von dieser Oppositionspartei auch ein Antrag auf Abschaffung der Ticketsteuer im Nationalrat eingebracht. Mit den Stimmen der Regierungsparteien wurde dieser zunächst an den Verkehrsausschuss und damit auf die lange Bank verschoben. Sofort ablehnen wollte man diesen offensichtlich nicht, obwohl das mit der Regierungsmehrheit problemlos möglich gewesen wäre und eigentlich alltägliche Praxis bei Anträgen, die von der Opposition stammen, ist.

Austrian Airlines kritisiert Ryanairs Verhalten

Und Austrian Airlines? Nun, die AUA kritisiert in Pressekonferenzen und Medienmitteilungen, in denen es um die Finanzen geht, ganz allgemein hohe Standortkosten in Wien bzw. generell in Österreich. Irgendwelche Untergriffe, Unterstellungen oder gar Diffamierungen von Regierungsmitgliedern macht man ausdrücklich nicht. Ist die AUA etwa für die umstrittene Flugticketabgabe? Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit natürlich nicht, nur verfolgt man eine komplett andere Strategie als die Konkurrenten Ryanair und Wizz Air. Man setzt auf diplomatische und professionelle Kommunikation.

„Auch wir sehen bekanntlich großen Handlungsbedarf hinsichtlich der Kostenentwicklung und Rahmenbedingungen. Aber, wie es unsere CEO Annette Mann anlässlich eines Interviews eines Low-Cost-Airline CEO’s in einem ihrer LinkedIn-Postings schon erwähnt hat: Der Ton macht den Unterschied. Und ebenso die Bereitschaft Verantwortung für einen Standort zu übernehmen. Als Austrian Airlines ist es uns ein Anliegen den Luftverkehrsstandort Österreich gemeinsam nach vorne zu bringen, anstatt Flugzeuge abzuziehen oder über die lokale Politik zu lamentieren. Die Kosten am Standort sind hoch, sowohl bei den luftfahrtspezifischen Standortkosten als auch den generellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Land gibt es Handlungsbedarf“, stellt eine Sprecherin der Austrian Airlines gegenüber Aviation.Direct klar.

Was bedeutet das also konkret? Sitzen die AUA-Verantwortlichen bei einer Tasse Tee in ihren Büros und warten ab was sich tut? Definitiv nicht, wie eine Sprecherin ergänzt: „Wir befinden uns in einem intensiven partnerschaftlichen Austausch mit Politik und Partnern, um im Sinne des Teamworks weiterhin konsequent und konstruktiv an mittel- und langfristigen Lösungen zu arbeiten, um den Standort nachhaltig zukunftsfähig aufzustellen. Nur gemeinsam und mit innovativen, partnerschaftlichen Ansätzen wird es gelingen, einen strategisch tragfähigen Plan für einen langfristig erfolgreichen Luftfahrtstandort Österreich zu entwickeln und umzusetzen“.

Seitens der österreichischen Bundesregierung gibt es derzeit keinerlei Pläne die umstrittene Ticketsteuer abzuschaffen. Der Druck „aus den eigenen Reihen“ steigt jedoch immer weiter, denn beispielsweise haben sich kürzlich die Tourismuslandesräte der Bundesländer einstimmig für die Streichung dieser Abgabe ausgesprochen. Auch kommt aus den verschiedensten Interessensvertretungen, beispielsweise von Aviation Industry Austria, dem ÖHV, Tourismusverbänden und so weiter ebenfalls die unüberhörbare Forderung, dass die Regierung handeln sollte. Die einzigen Akteure, die lautstarke Unterstellungen gegen Mitglieder der Bundesregierung von sich geben, sind die FPÖ und Ryanair, allen voran deren CEO Michael O’Leary. Alle anderen setzen auf sachliche Sprache, wenn auch verbunden mit einer klaren Aufforderung zur Abschaffung oder zumindest Senkung der Ticketsteuer.

Würde eine Steuersenkung überhaupt für billigere Tickets sorgen?

Passagiere, die hoffen, dass durch eine zumindest in der Theorie mögliche Senkung oder Abschaffung der Flugabgabe, die Ticketpreise sinken werden, sollten sich diesen Gedanken gleich aus dem Kopf schlagen. Steuerschuldner ist prinzipiell die jeweilige Airline und es obliegt einzig und allein dieser, ob die Kosten an den Reisenden weitergegeben werden oder aber ob der Carrier diese aus eigener Tasche bezahlt. Würde die Abgabe wegfallen, ist davon auszugehen, dass sich kurzfristig an den Flugscheinpreisen lediglich ändern wird, dass die Marge für die Carrier steigt, jedoch der Kostenvorteil nicht an die Reisenden weitergegeben wird.

Das ist auch der Grund dafür, dass man in der Bundesregierung ausgesprochen skeptisch ist, denn man würde auf rund 150 Millionen Euro pro Jahr an Steuereinnahmen verzichten, jedoch ist gleichzeitig nicht gewährleistet, dass zum Beispiel im Österreich-Deutschland-Verkehr jedes Ticket um zumindest 12 Euro billiger wird. Man hat auch so gewisse Vorerfahrungen, denn vor langer Zeit wurde die Steuer halbiert, jedoch ist dies defacto bei den Reisenden nicht angekommen. Gut, dafür meinten manche Anbieter mit Ticketpreisen ab 1 Cent inklusive Taxen auf den Markt preschen zu müssen und da ist es offensichtlich, dass die Steuer „für den Passagier“ bezahlt wurde.

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