Anlässlich des weltweiten Gedenktages für den Tierschutz am 4. Oktober 2025 rückt das Österreichische Bundesheer die besondere Rolle seiner vierbeinigen und geflügelten Mitarbeiter in den Fokus. Die Streitkräfte des Alpenlandes tragen eine umfassende Verantwortung für einen Bestand von derzeit 218 Thieren in ganz Österreich. Diese umfängliche Betreuung erstreckt sich von der artgerechten Haltung über eine sorgfältige Ausbildung und fachgerechte Pflege bis hin zur Gewährleistung vielfältiger Einsatzmöglichkeiten.
Diese tierischen Kräfte sind nicht nur traditionsbewahrend, sondern in vielen sicherheitsrelevanten Gebieten und in schwer zugänglichem Gelände unverzichtbar für die Truppe. Die Gewährleistung einer erstklassigen veterinärmedizinischen Betreuung ist, wie die verantwortliche Ministerin betonte, oberste Priorität. Die Tierhaltung des Bundesheeres stellt somit eine komplex organisierte und historisch gewachsene Verpflichtung dar, die über den rein militärischen Auftrag hinausgeht.
Diensthunde: Unverzichtbare Spezialisten der Sicherheit
Die größte Tiergruppe innerhalb des Bundesheeres bilden mit 156 Exemplaren die Militärhunde. Für deren Zucht, Ausbildung und Weiterbildung ist das Militärhundezentrum in Kaisersteinbruch zuständig. Die Tiere, unter denen sich auch Rassen wie Deutsche und Belgische Schäferhunde finden, sind auf 14 Dienststellen in ganz Österreich verteilt im Einsatz. Ihre Hauptaufgaben sind von entscheidender Bedeutung für die operative Sicherheit: Sie sichern Gebäude und Anlagen und werden in der Personensuche und Rettung eingesetzt.
Eine zentrale Rolle nehmen die Hunde als Spürhunde ein. Sie sind speziell darauf abgerichtet, Drogen und Sprengstoffe aufzuspüren, und leisten diese wichtige Arbeit sowohl im Inland als auch bei Einsätzen im Auslande. Der Einsatz von Spürhunden gilt auch im Zeitalter hochentwickelter Technologie als unübertroffen effektiv und zuverlässig, insbesondere bei komplexen Suchvorgängen. Die erfolgreiche Arbeit der Hunde ist somit ein wichtiger Bestandteil der präventiven Sicherheitsarchitektur des Bundesheeres. Die Sorgfalt in der Ausbildung und die nachfolgende, engmaschige Begleitung sind Grundvoraussetzungen für die Erfüllung dieser sensiblen Aufgaben.
Die Tradition der Paktiere: Stärke im Gebirge
In den alpinen Regionen und im schwierigen Gelände bleibt die Tierkraft bis heute von erheblichem praktischem Wert. Das Bundesheer unterhält hierzu eine Staffel von 54 Pferden, darunter fünf in Ausbildung befindliche Jungtiere, die am Truppenübungsplatz Hochfilzen stationiert sind. Bei den eingesetzten Pferden handelt es sich zumeist um die robuste Rasse der Haflinger, die sich durch ihre Trittsicherheit und Zugkraft im Gebirge bewährt hat.
Ihre primäre Aufgabe besteht im Transport von Waffen, Munition und Verpflegung durch unwegsames, hochalpines Gelände, wo der Einsatz von Motorfahrzeugen an seine Grenzen stösst oder gänzlich unmöglich ist. Ergänzt werden diese Kräfte durch acht Esel, die ebenfalls in Hochfilzen ausgebildet und eingesetzt werden. Diese Packthiere garantieren die logistische Versorgung der Truppe in exponierten Lagen und führen damit eine jahrhundertealte militärische Tradition fort. Die stetige Anpassung des Tierbestandes durch An- und Verkäufe trägt dabei der Notwendigkeit Rechnung, die tierische Truppe optimal auf ihre Aufgaben vorzubereiten und die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.
Von der Vergangenheit in die Gegenwart: Bemerkenswertes Engagement und Wandel
Die Geschichte des Österreichischen Bundesheeres ist reich an Beispielen für den vielseitigen Einsatz von Tieren. Bis vor wenigen Jahren erfüllten einige Tiere auch Aufgaben, die heute durch moderne Technik oder veränderte Anforderungen obsolet geworden sind, jedoch eine wichtige Rolle in der Truppengeschichte spielten. So zogen bis ins Jahr 2015 „Lucky Luke“, „Amadeus“ und „Mozart“, die Pferde der Garde, bei Märschen die Trommel der Marschmusik – eine besonders publikumswirksame und traditionsreiche Aufgabe.
Ein anderes, eher unübliches Beispiel für tierische Unterstützung war der Einsatz von Regenbogenforellen in St. Johann im Pongau bis 2012, welche die Wasserqualität in einem Bunker überwachten. Die tierische Unterstützung nahm bisweilen auch unkonventionelle Formen an, wie die Rettungsgeschichte des Hängebauchschweins „Milli“ im Jahre 1998 zeigt, welches nach seiner Rettung zunächst bei der Drogensuche mitwirkte und später zum beliebten Maskottchen der Militärhundestaffel avancierte. Bis 2021 wurden auf dem Fliegerhorst Zeltweg die Falken „Puppi“ und „Nick“ eingesetzt, um störende Zugvögel vom Flugbetrieb fernzuhalten.
Obgleich viele dieser spezialisierten Aufgaben im Laufe der Zeit durch technologische Entwicklungen oder einen Wechsel der Einsatzschwerpunkte ersetzt wurden, hinterlassen diese tierischen Kollegen bleibende Spuren in der Geschichte des Bundesheeres und unterstreichen die langjährige Wertschätzung ihrer Dienste.
Neue Tierprojekte: Einsatz im Kasernenwesen
Neben den klassischen Diensttieren hat das Bundesheer in jüngerer Vergangenheit neue tierische Mitbewohner in den Kasernen aufgenommen, die eine besondere Form der „Tierhaltung“ darstellen. Seit 2021 bieten Liegenschaften wie die Maria-Theresien-Kaserne und die Belgier-Kaserne in Graz einen Lebensraum für Honigbienen.
In den Kasernen-Bienenstöcken, welche unter fachlicher Betreuung stehen, lebt eine Population von rund einer Million Honigbienen. Dieses Engagement führt zu einem beachtlichen Ertrag: Die Bienen produzieren jährlich etwa 1.000 Kilogramm Honig. Diese Imkerei im militärischen Bereich kann als ziviles Engagement gewertet werden, das über den direkten militärischen Auftrag hinausgeht und das Bewusstsein für die Bedeutung der Tierpflege in einem breiteren Kontext fördert. Die kontinuierliche Pflege dieser Bienenbestände demonstriert das erweiterte Verantwortungsbewusstsein der Streitkräfte im Umgang mit Tieren. Die Tatsache, dass das Bundesheer trotz der Fokussierung auf Sicherheit und Verteidigung eine solche vielfältige Tierhaltung pflegt, unterstreicht die besondere Stellung der Tiere innerhalb der militärischen Organisation.