Boeing 787-9 (Foto: Steffen Lorenz).
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Tödlicher Zwischenfall auf Qatar Airways Flug führt zu Klage wegen widerrechtlicher Tötung

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Der Tod eines 85-jährigen Passagiers an Bord eines Langstreckenfluges von Los Angeles nach Doha wirft ernste Fragen über die Flugsicherheitsprotokolle und die Reaktion der Besatzung auf medizinische Notfälle auf. Die Familie des Verstorbenen hat eine Klage gegen Qatar Airways eingereicht, die Fahrlässigkeit und widerrechtliche Tötung geltend macht. Im Zentrum der Vorwürfe steht die angebliche Verweigerung einer vorbestellten vegetarischen Mahlzeit, die zu einem Erstickungsanfall geführt haben soll, sowie die umstrittene Entscheidung des Kapitäns, das Flugzeug nicht umzuleiten. Der Fall bewegt sich in einer komplexen rechtlichen Grauzone des internationalen Luftrechts und könnte weitreichende Folgen für die Passagierwahrnehmung der Fluggesellschaft haben.

Der tragische Tod des südkalifornischen Kardiologen Asoka Jayaweera auf dem Qatar Airways Flug von Los Angeles (LAX) nach Doha (DOH) zieht weitreichende rechtliche und öffentliche Konsequenzen nach sich. Berichten zufolge verstarb der 85-jährige Passagier, nachdem er mutmaßlich eine nicht vegetarische Mahlzeit erhalten hatte, die er vorbestellt hatte. Die Familie hat Klage eingereicht, die sich auf schwerwiegende Anschuldigungen stützt. Das Herzstück der Klage ist die Behauptung, dass Jayaweera die vorbestellte vegetarische Mahlzeit verwehrt wurde und ihm stattdessen angeblich geraten wurde, bei einer regulären Mahlzeit das Fleisch zu umgehen. Daraufhin soll er beim Essen erstickt sein. Die Familie führt in der Klage eine Aspirationspneumonie als letztendliche Todesursache an.

Der umstrittene Ablauf an Bord

Der Vorfall ereignete sich laut Berichten etwa zweieinhalb Stunden nach dem Start des rund 15,5-stündigen Fluges, als der Mahltzeitservice begann. Als die Besatzung mit der Verteilung der Mahlzeiten begann, eskalierte die Situation. Die Klage behauptet, die Flugbegleiter hätten die Problematik mit der Mahlzeit nicht ernst genommen. Nach dem Erstickungsanfall und den Hilfeversuchen der Crew fiel die Sauerstoffsättigung von Jayaweera dramatisch auf unter 70 Prozent und stieg anschließend nie mehr über 85 Prozent. Trotz der schwerwiegenden gesundheitlichen Krise blieb der Passagier noch etwa dreieinhalb Stunden bewusstlos, bis das Flugzeug schließlich in Edinburgh (EDI) landete, wo er offiziell für tot erklärt wurde.

Ein besonders kontroverser Punkt ist die Frage nach dem Standort des Flugzeugs zum Zeitpunkt des Notfalls und der Entscheidung des Kapitäns. Die Familie behauptet, der Vorfall sei noch über dem us-amerikanischen Luftraum, genauer gesagt über Wisconsin, eingetreten, und der Kapitän hätte eine Notlandung verweigert. Die Argumentation des Kapitäns, das Flugzeug befände sich bereits über der Arktis, was eine Umleitung erschwere, steht im Widerspruch zu den Darstellungen der Kläger. Eine sofortige Umleitung des Flugzeugs zu einem näher gelegenen Flughafen mit adäquater medizinischer Infrastruktur hätte möglicherweise das Leben des Passagiers retten können. Diese Differenz in der örtlichen Darstellung wird ein zentraler Bestandteil der gerichtlichen Auseinandersetzung sein.

Juristische Komplexität und Haftungsfragen

Die von der Familie eingereichte Klage wirft schwere Vorwürfe der Fahrlässigkeit und widerrechtlichen Tötung auf. Die Kläger argumentieren, dass das Versäumnis, eine vorbestellte Mahlzeit zur Verfügung zu stellen, die ursprüngliche Fahrlässigkeit darstellt. Das Angebot, „um das Fleisch herumzuessen“, und die anschließende unzureichende medizinische Reaktion auf die akute Verschlechterung des Zustandes des Passagiers sollen weitere Gründe für eine Haftung der Fluggesellschaft sein. Sollte sich die Behauptung bestätigen, dass der Kapitän eine Umleitung trotz der schweren Hypoxie des Passagiers ablehnte, könnte dies zusätzliche rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Da sich der Vorfall im internationalen Luftraum ereignete, wird der Fall durch die Bestimmungen des Montrealer Übereinkommens geregelt. Dieses internationale Abkommen definiert die Haftungsregeln für Fluggesellschaften bei Todesfällen, Verletzungen und Verspätungen von Passagieren und Gepäck. Das Übereinkommen ermöglicht es Klägern, die Haftung für einen Vorfall an Bord einer bestimmten Partei zuzuweisen. Die Kläger werden argumentieren, dass die fehlerhafte Mahlzeitausgabe und die unangemessene Reaktion auf den Notfall des Passagiers eine Verletzung der Sorgfaltspflicht darstellen, die eine Haftung der Fluggesellschaft begründet.

Auswirkungen auf das Ansehen der Fluggesellschaft

Der Vorfall zieht öffentliche Aufmerksamkeit auf Qatar Airways und stellt die Einhaltung der Sicherheitsprotokolle und die Qualität der Notfallversorgung an Bord infrage. Fluggesellschaften sind verpflichtet, angemessene Vorkehrungen zur Sicherheit und Wohlbefinden ihrer Passagiere zu treffen. Dazu gehört auch die korrekte Berücksichtigung von Diätanforderungen und eine rasche, professionelle Reaktion auf medizinische Notfälle. Die Anschuldigungen, insbesondere die Verweigerung einer Umleitung und die Missachtung der vorbestellten Mahlzeit, können das öffentliche Bild und das Vertrauen in die Fluggesellschaft nachhaltig beschädigen, selbst wenn die spezifischen Anschuldigungen im Gerichtsverfahren widerlegt werden sollten.

Bisher hat Qatar Airways auf Anfragen zu einer Stellungnahme nicht reagiert. Sollte das Gerichtsverfahren fortgesetzt werden, liegt es an der Fluggesellschaft, Beweise vorzulegen, die die Vorfälle an Bord anders darstellen und Protokollverletzungen widerlegen. Für die Fluggesellschaft ist eine transparente und angemessene Erklärung des tatsächlichen Geschehens an Bord unerlässlich, um das Vertrauen der Passagiere und der Öffentlichkeit wiederherzustellen. Tödliche Zwischenfälle dieser Art sind selten, wirken sich jedoch oft besonders negativ auf die Wahrnehmung einer Fluggesellschaft aus. Der Fall wird nun höchstwahrscheinlich im Gerichtssaal seine Klärung finden, wo die Details des Notfalls, die Kommunikation zwischen Cockpit und Kabine sowie die Anwendbarkeit des internationalen Luftrechtseingehend untersucht werden. Die Ergebnisse könnten Konsequenzen haben, die weit über den Einzelfall hinausgehen und Änderungen an internationalen Flugprotokollen zur Umgangsweise mit medizinischen Notfällen und Sonderwünschen von Passagieren nach sich ziehen.

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