Wrack des A350 - Aufnahme vom 3.1.2024 (Foto: Makochan12.9).
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Tragische Kollision am Haneda Airport: Menschliches Versagen als Hauptursache

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Am 2. Januar 2024 ereignete sich ein schwerer Zwischenfall am Tokioter Flughafen Haneda (HND), der auf dramatische Weise die Sicherheitsvorkehrungen im Luftverkehr und das menschliche Versagen in Krisensituationen unterstrich.

Ein Airbus A350 von Japan Airlines kollidierte mit einer Bombardier Dash 8 der japanischen Küstenwache, als beide Flugzeuge auf der Landebahn 34R landeten. Die ersten Berichte über den Unfall und die vorläufige Untersuchung des Japan Transport Safety Board (JTSB) werfen ein Schlaglicht auf eine Vielzahl von Versäumnissen, die letztlich zu dieser katastrophalen Kollision führten. Obwohl tragische Verluste und Zerstörungen zu beklagen sind, kann man mit Erstaunen feststellen, dass alle 379 Passagiere und Besatzungsmitglieder des Airbus A350 unversehrt überlebten – eine Leistung, die auf die schnelle und koordinierte Evakuierung zurückzuführen ist.

Der Unfallhergang

Am 2. Januar landete die Dash 8 der japanischen Küstenwache auf der Landebahn 34R, nachdem sie von einer Notfallmission zurückkehrte. Sie war unterwegs, um die Opfer des verheerenden Erdbebens der Stärke 7,6 zu retten, das am Vortag die Halbinsel Noto und umliegende Gebiete erschütterte. Zu dieser Zeit befand sich auch der Airbus A350-900 von Japan Airlines in der Endanflugphase zur gleichen Landebahn, die er ebenfalls ansteuerte.

Laut dem vorläufigen Bericht des Japan Transport Safety Board wurde die Kollision durch eine Reihe von Missverständnissen und Versäumnissen ausgelöst. Zunächst nahm die Besatzung der Dash 8 fälschlicherweise an, dass sie die Freigabe zur Nutzung der Landebahn erhalten hatte, obwohl dies nicht der Fall war. Gleichzeitig erkannte der Fluglotse in Tokio nicht, dass die Dash 8 die Landebahn bereits betreten hatte und dass der Alarm für die Landebahnbelegung, der auf eine mögliche Kollision hinwies, bereits seit etwa einer Minute ertönte. Diese Verzögerung in der Erkennung und Reaktion trug erheblich zum Unfall bei.

Die Dash 8 war bereits auf der Landebahn, als der Airbus A350 mit ihr kollidierte. Der Aufprall setzte das kleinere Flugzeug in Brand, wobei fünf Besatzungsmitglieder der Küstenwache ums Leben kamen. Der Kapitän der Dash 8 überlebte schwer verletzt. Auf der anderen Seite war der Airbus A350, der mit 379 Menschen an Bord landete, zwar ebenfalls schwer beschädigt – auch das Feuer unter dem Rumpf des Flugzeugs setzte dem Großraumflugzeug erheblich zu – doch das Flugzeug rollte weiter und konnte schließlich zum Stillstand gebracht werden.

Evakuierung und Rettungsmaßnahmen

Trotz der dramatischen Ereignisse konnte die Evakuierung des Airbus A350 mit beeindruckender Effizienz durchgeführt werden. Dank des schnellen Handelns der Kabinencrew und des strukturierten Evakuierungsplans verließen alle 367 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder das Flugzeug unversehrt. Die Notausgänge wurden nach etwa sechs Minuten geöffnet, und das Kabinenpersonal wies die Passagiere an, sich ruhig und geordnet zu evakuieren.

Die Evakuierung wurde erschwert durch die Funktionsstörungen des Gegensprechsystems, das nach der Kollision nicht mehr funktionierte. Die Kabinenbesatzung musste daher auf laute Kommunikation zurückgreifen, um die Passagiere zu warnen und ihnen Anweisungen zu geben. Es ist besonders hervorzuheben, dass diese Evakuierung trotz der schwierigen Bedingungen – wie Rauchentwicklung und beschädigten Kommunikationsmitteln – nahezu perfekt durchgeführt wurde. Auch wenn ein Passagier schwere und vier weitere leichte Verletzungen erlitten, gab es keine Todesopfer unter den Japan Airlines-Passagieren.

Mängel in der Kommunikation und der Koordination

Die Ermittlungen zum Unfall sind noch nicht abgeschlossen, aber die vorläufigen Ergebnisse des Japan Transport Safety Board geben Aufschluss über schwerwiegende Mängel in der Kommunikation und Koordination zwischen den beteiligten Parteien. Insbesondere die fehlerhafte Kommunikation der Küstenwache und der Fluglotsen trugen maßgeblich zur Kollision bei. Die Besatzung der Dash 8 konzentrierte sich während des gesamten Vorfalls auf ihre humanitäre Mission und übersah dabei die Landebahnfreigabe und die Warnsignale. Gleichzeitig reagierten die Fluglotsen zu spät auf den Landebahnbelegungsalarm und verpassten die Möglichkeit, die Besatzung von Japan Airlines rechtzeitig zu warnen.

Es ist auch bemerkenswert, dass die Sichtbedingungen an diesem Tag schlecht waren, was eine schnelle Identifikation der Dash 8 durch die Besatzung des A350 erschwerte. Wäre das kleinere Flugzeug frühzeitig von der A350-Crew erkannt worden, hätte der Kapitän mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Durchstartversuch unternommen, um eine Kollision zu vermeiden. In Kombination mit den anderen Kommunikationsmängeln trugen diese visuellen Einschränkungen jedoch dazu bei, dass der Unfall nicht verhindert werden konnte.

Weitere Untersuchungen und mögliche Konsequenzen

Obwohl die Ursache des Unfalls in erster Linie auf menschliches Versagen zurückzuführen ist, bleibt der Vorfall ein komplexer Fall, der noch viele Fragen aufwirft. Die endgültigen Untersuchungen werden auch die Rolle der beteiligten Luftfahrtbehörden, der Fluglotsen und der weiteren Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Haneda beleuchten.

In Anbetracht der dramatischen Umstände ist es bemerkenswert, dass der Unfall nicht zu noch größeren Verlusten führte. Die schnelle und koordinierte Evakuierung, die von der Kabinencrew unter extremen Bedingungen durchgeführt wurde, ist ein Beweis für das Ausbildungssystem der japanischen Fluggesellschaften. Es wird jedoch erwartet, dass die Ermittler in ihrem endgültigen Bericht auch Empfehlungen zur Verbesserung der Kommunikation und der Sicherheitsprotokolle auf Flughäfen weltweit geben werden, um derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Der Unfall zwischen der Dash 8 der japanischen Küstenwache und dem Airbus A350 von Japan Airlines stellt einen tragischen Moment in der Luftfahrtgeschichte dar, bei dem das menschliche Versagen auf mehreren Ebenen eine Rolle spielte. Die Kollision selbst war ein dramatisches Ereignis, aber das schnelle Handeln der Besatzung und die effiziente Evakuierung des A350 haben Leben gerettet. Die laufenden Ermittlungen werden weitere Details ans Licht bringen und hoffentlich zur Verbesserung der globalen Sicherheitsstandards im Luftverkehr beitragen.

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