Boeing 777 (Foto: Lukas von Daeniken).
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Transatlantik-Markt im Ungleichgewicht: Lufthansa und Swiss drosseln Kapazitäten wegen europäischer Zurückhaltung

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Der lukrative transatlantische Flugverkehr stellt den Lufthansa-Konzern derzeit vor ein ungewohntes Ungleichgewicht. Während die Nachfrage von US-Reisenden nach Europa weiterhin auf hohem Niveau liegt, zeigen europäische Passagiere eine deutliche Zurückhaltung bei der Buchung von Economy-Flügen in die Vereinigten Staaten.

Als Reaktion auf diese Entwicklung paust die Lufthansa-Gruppe die Kapazitäten auf wichtigen Transatlantiklinien im Januar und Februar 2026. Trotz dieser Einschnitte rechnet Swiss-Chef Jens Fehlinger bereits im Laufe des Jahres 2026 mit einer Trendwende, nicht zuletzt durch Großereignisse wie die in den USA stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft.

Kapazitätsanpassungen auf der Nordatlantik-Route

Die geringere Buchungsbereitschaft europäischer Reisender hat die Lufthansa-Gruppe zu einer Anpassung des Flugplans gezwungen. Der Konzern wird im ersten Quartal 2026 Kapazitäten auf der Nordatlantik-Strecke vorübergehend reduzieren. Die Verbindung Frankfurt–New York JFK, eine der wichtigsten Transatlantiklinien, wird über mehrere Wochen nur noch einmal täglich angeboten. Ebenfalls betroffen sind die Strecken Frankfurt–Denver und München–Washington, die in einen kurzen Winterschlaf geschickt werden.

Jens Fehlinger, der Chef der Lufthansa-Tochter Swiss, bestätigte im Gespräch mit dem SRF die veränderte Nachfragesituation. Er sprach von einer „gewissen Buchungszurückhaltung aus der Schweiz, aus Europa Richtung USA“, während die Nachfrage aus den USA nach Europaungebrochen hoch“ sei. Dieses Ungleichgewicht stellt die Fluggesellschaften vor planerische Herausforderungen, da die Flugzeuge für Hin- und Rückflüge ausgelastet sein müssen, um profitabel zu operieren. In der Vergangenheit galt der Interkontinentalmarkt Nordamerika für die Lufthansa-Gruppe lange Zeit als ein Selbstläufer, doch die aktuellen Entwicklungen erfordern eine strategische Neuausrichtung.

Globale Krisenherde belasten das Langstreckengeschäft

Die Zurückhaltung der europäischen Reisenden wird auf eine „große Ballung globaler Krisen“ zurückgeführt, wie Fehlinger ausführte. Die Zunahme von Konfliktherden weltweit schafft ein Klima der Unsicherheit, das sich negativ auf die Reisebereitschaft auswirkt. Die geopolitischen Spannungen haben zudem direkte Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Luftraumsperrungen, etwa über der Ukraine oder in Teilen des Nahen Ostens, erzwingen längere und kompliziertere Flugrouten.

Längere Flugzeiten und die Notwendigkeit, Anschlußflüge neu zu koordinieren, verlangen von den Fluggesellschaften mehr „Flexibilität“ in der Planung. Swiss-Chef Fehlinger merkte an, daß seine Airline im Umgang mit Krisen „leider“ schon eine „gewisse Routine“ entwickelt habe. Die verfügbaren Luftkorridore seien durch die Sperrungen „ein bißchen kleiner geworden“. Diese betrieblichen Herausforderungen führen nicht nur zu höheren Kosten (etwa für Treibstoff und Personal), sondern auch zu einer erhöhten Komplexität im täglichen Flugbetrieb.

Die globale Instabilität trifft die gesamte Luftfahrtbranche. Der Internationale Luftverkehrsverband (IATA) bestätigt, daß die geopolitische Lage ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor für das internationale Passagiergeschäft ist. Insbesondere Langstreckenflüge, die auf die Durchquerung großer Lufträume angewiesen sind, sind davon betroffen.

Ausblick auf eine mögliche Trendwende 2026

Trotz der aktuellen Herausforderungen blickt Swiss-Chef Fehlinger optimistisch in die Zukunft und erwartet eine baldige Trendwende. Er verzeichnet bereits für das vierte Quartal eine „höhere Nachfrage“ nach Transatlantik-Tickets aus Europa. Die Hoffnung ruht auch auf Großereignissen im kommenden Jahr. Insbesondere die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2026, die in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet, könnte die „Reisetätigkeit“ von Europa nach Nordamerika signifikant ankurbeln.

Zusätzlich zur Fußball-WM könnten die anhaltende Erholung der Weltwirtschaft und die Aufhebung von Reisebeschränkungen, die noch in einigen Regionen bestehen, zu einer weiteren Belebung des Interkontinentalmarktes beitragen. Die Lufthansa-Gruppe setzt strategisch weiterhin stark auf den Nordatlantik-Markt, der historisch gesehen einer der profitabelsten für den Konzern ist. Die Kapazitätsreduzierung im Winter 2026 wird somit als eine temporäre Maßnahme zur Nachfragesteuerung und nicht als grundsätzlicher strategischer Rückzug interpretiert.

Die Konkurrenz auf der Nordatlantik-Strecke ist jedoch groß. Fluggesellschaften aus Europa und Nordamerika liefern sich einen ständigen Kampf um Marktanteile. Allianzen wie die Star Alliance, zu der Lufthansa und Swiss gehören, spielen eine entscheidende Rolle, um ein integriertes Netzwerk und attraktive Angebote zu schaffen. Die aktuelle Buchungszurückhaltung europäischer Kunden könnte eine kurzfristige Reaktion auf ökonomische und geopolitische Unsicherheiten sein, doch die Fluggesellschaften sind zuversichtlich, daß der Wunsch zu reisen, insbesondere zu Großveranstaltungen, stark genug ist, um die Nachfrage bald wieder anzukurbeln.

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