Triebwerksausfall: Turkish A330 kreiste vier Stunden nahe Istanbul

Triebwerksausfall: Turkish A330 kreiste vier Stunden nahe Istanbul

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Am 8. September 2021 wollte Turkish Airlines mit der TC-JOB als TK42 von Istanbul nach Johannesburg fliegen. Kurz nach dem Start wurde eine Fehlfunktion eines Triebwerks festgestellt. Diese wurde zufällig von einem Passagier auf Video festgehalten.

Der Airbus A330 kreiste mehr als vier Stunden in der Nähe von Istanbul, um überschüssigen Treibstoff zu verbrennen. Der Tankstand war aufgrund des Umstands, dass ein über neunstündiger Flug nach Johannesburg geplant war, doch sehr hoch. Die TC-JOB landete rund vier Stunden und 25 Minuten nach dem Start sicher auf dem Flughafen Istanbul.

Wie im nachstehend eingebetteten Video ersichtlich kam es am linken Triebwerk während dem Steigvorgang zu einer Fehlfunktion. Dabei waren Flammen sichtbar. Die Piloten haben dies bemerkt und eine unverzügliche Notfallabschaltung des betroffenen Triebwerks eingeleitet. Ob die Löschanlage verwendet wurde oder nicht, ist derzeit unklar.

Jedenfalls entschied sich der Kapitän für eine Rücklandung auf dem Flughafen Istanbul. Ein übliches Verfahren in solchen Situationen. Allerdings war das Flugzeug zu schwer und musste überschüssigen Treibstoff loswerden. Man entschied sich gegen so genanntes Fuel Dumping über dem Meer und verbrannte den Kraftstoff durch rund vierstündiges Kreisen über dem Schwarzen Meer in der Nähe von Istanbul.

Unklar, ob Dumping-Einrichtung überhaupt vorhanden

Grundsätzlich stellt sich in solchen Situationen die Frage, ob Fuel Dumping und eine schnellere Landung oder das Verbrennen von Kraftstoff die bessere Lösung ist. Eine solche Entscheidung hat der Kapitän unter Berücksichtigung aller Parameter zu treffen. Beim Airbus A330 kommt hinzu, dass die Dumping-Einrichtung serienmäßig nicht vorhanden ist, sondern als aufpreispflichtiges Extra eingebaut werden kann. Turkish Airlines machte keine Angaben darüber, ob man diese Einrichtung in der TC-JOB bzw. der gesamten A330-Flotte hat oder nicht. Daher ist es nicht klar, ob der Kapitän überhaupt zum Fuel Dumping hätte greifen können.

Das Ablassen von Treibstoff ist generell umstritten, denn es gilt nicht gerade als umweltfreundlich. In besonderen Notsituationen, beispielsweise wenn ein oder mehrere Triebwerke ausfallen, kann dies zulässig sein. Dabei hat das Fuel Dumping nach Möglichkeit über unbewohntem Gebiet oder über dem Meer zu erfolgen. Viele Kapitäne verzichten aber darauf, sofern es die aktuelle Notsituation erlaubt und verbrennen das überschüssige Kerosin lieber mittels Kreisen.

Grundsätzlich ist der Airbus A330 in der Lage auch nur mit einem Triebwerk zu fliegen. Vorschrift ist aber, dass so rasch wie möglich eine Landung zu erfolgen hat. Dies hat auf dem nächstmöglichen Airport zu erfolgen. Im konkreten Fall sind die drei Flughäfen Istanbuls in Frage gekommen, jedoch hatte die Maschine zu viel Treibstoff an Bord. Insofern blieb dem Kapitän nicht sonderlich viel Spielraum für seine Entscheidung. Maßgeblich ist, dass er die Passagiere, die Crew und das Flugzeug sicher auf den Boden gebracht hat.

Unfalluntersuchung eingeleitet

Unklar ist aber was die Fehlfunktion des linken Triebwerks des Airbus A330-300 überhaupt ausgelöst hat. Mit etwa 7,5 Jahren ist der Langstreckenjet recht jung. Nun wurde eine so genannte Unfallermittlung eingeleitet. Das bedeutet, dass Experten das Triebwerk und das Flugzeug genau untersuchen werden und später in einem Bericht die Ursache darstellen werden. Daher ist die TC-JOB vorläufig aus dem Verkehr gezogen. Anschließend wird Turkish Airlines das Triebwerk austauschen müssen.

Die Passagiere wurden vom Carrier mit einem anderen Langstreckenflugzeug nach Johannesburg gebracht. Bedingt durch die unfreiwillige Rücklandung in Istanbul hat sich deren Ankunft in Südafrika erheblich verzögert.

1 Comment

  • Wolfgang , 11. September 2021 @ 10:23

    Die mehrfachen Fehlzündungen deuten auf einen Strömungsabriss im Kompressor hin (surge). Aufgrund der noch niedrigen Höhe könnte dieser durch einen Vogelschlag verursacht worden sein.

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  • Wolfgang , 11. September 2021 @ 10:23

    Die mehrfachen Fehlzündungen deuten auf einen Strömungsabriss im Kompressor hin (surge). Aufgrund der noch niedrigen Höhe könnte dieser durch einen Vogelschlag verursacht worden sein.

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