Airbus A220-300 (Foto: Air Baltic).
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Triebwerksprobleme zwingen Air Austral zum Flottenwechsel: Airbus A220 droht das Aus im Indischen Ozean

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Die auf der Insel La Réunion beheimatete Fluggesellschaft Air Austral plant Presseberichten zufolge, ihre gesamte Flotte des Flugzeugtyps Airbus A220 zu ersetzen. Als Grund für diesen drastischen Schritt werden anhaltende Zuverlässigkeitsprobleme mit den Pratt & Whitney GTF-Triebwerken genannt, die mindestens zwei der drei Maschinen der Airline betreffen.

Die Air Austral, die als erste Fluggesellschaft im Indischen Ozean die A220 in Dienst stellte, sieht sich gezwungen, nach Ersatzmustern zu suchen, um den stabilen Betrieb ihres Kurz- und Mittelstreckennetzes aufrechtzuerhalten. Die Entscheidung unterstreicht die globalen Schwierigkeiten, mit denen Fluggesellschaften aufgrund der technischen Mängel der GTF-Triebwerke konfrontiert sind.

Die Herausforderungen im Flugbetrieb der Air Austral

Air Austral hatte die Airbus A220 ab Juli 2021 in ihre Flotte integriert, um von ihrem Drehkreuz am Roland Garros International Airport (RUN) auf La Réunion aus Destinationen in Madagaskar, Mauritius und Südafrika zu bedienen. Die A220 sollte die älteren Muster auf diesen Routen ablösen und die Effizienz des Regionalverkehrs steigern.

Die Realität sah jedoch anders aus. Die Fluggesellschaft sah sich mit anhaltenden Ausfällen und Wartungsproblemen bei den Pratt & Whitney GTF-Triebwerken konfrontiert. Daten vom 25. September 2025 zeigen, daß zwei der drei A220-Flugzeuge der Air Austral derzeit nicht im aktiven Flugbetrieb stehen. Eine Maschine (F-OMER) wird als eingelagert geführt, während eine zweite (F-OTER) sich in Wartung befindet. Solche prolongierten Ausfälle sind für eine Regionalfluggesellschaft mit einer relativ kleinen Flotte existenzbedrohend, da sie die regelmäßige Bedienung des Streckennetzes massiv stören und zu erheblichen Kosten führen. Neben den A220 betreibt Air Austral noch fünf Großraumflugzeuge (Boeing 777-300ER und Boeing 787-8) für Langstreckenflüge zum französischen Festland und nach Asien.

Die Entscheidung, die gesamte A220-Flotte abzugeben, ist ein klares Zeichen dafür, daß die Probleme die kritische Schwelle der Akzeptanz überschritten haben und die operative Stabilität der Air Austral gefährden.

Die globale Krise der GTF-Triebwerke

Die Probleme, mit denen Air Austral konfrontiert ist, sind keineswegs isoliert. Die Pratt & Whitney GTF-Triebwerke, die auch in anderen Airbus-Flugzeugmustern der A320neo-Familie eingesetzt werden, sind weltweit zu einer Quelle der Störung für zahlreiche Betreiber geworden. Die Schwierigkeiten reichen von schnellerem Verschleiß bestimmter Komponenten bis hin zu notwendigen, umfangreichen Inspektionsprogrammen, die die Triebwerke für längere Zeit aus dem Flugbetrieb nehmen.

Ein prominentes Beispiel ist die lettische Fluggesellschaft airBaltic, die als größter A220-Betreiber gilt. Air Baltic war Berichten zufolge gezwungen, allein in der Sommersaison 2025 insgesamt 4.670 Flüge aufgrund von GTF-Zuverlässigkeitsproblemen zu streichen. Diese massiven Betriebsstörungen belasteten die Leistung der Airline so stark, daß dies als einer der Faktoren für den Abgang des früheren CEO Martin Gauss gewertet wird.

Auch andere Fluggesellschaften haben auf die Triebwerksprobleme reagiert. Egyptair trennte sich Anfang 2024 von seiner gesamten A220-Flotte, bestehend aus zwölf Maschinen, indem sie diese an die Leasingfirma Azorra verkaufte. Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss, eine weitere Tochter des Lufthansa-Konzerns, soll ebenfalls eine mögliche Ablösung des A220 in Erwägung ziehen, nachdem mehrere ihrer Flugzeuge wegen der anhaltenden GTF-Probleme über längere Zeit am Boden bleiben mußten. Die globalen Probleme betreffen nicht nur die Zuverlässigkeit, sondern auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die Kapazität der Wartungswerkstätten, was die Grounding-Zeiten weiter verlängert.

Suche nach einem Flottenersatz: A320neo oder Boeing 737 MAX

Für die Air Austral steht nun die Frage nach einer adäquaten Ersatzlösung für ihr Kurz- und Mittelstreckennetz im Vordergrund. Obwohl noch keine offiziellen Details zur Veräußerung der A220-Flotte bekannt sind, prüft die Fluggesellschaft Berichten zufolge Alternativen aus der A320neo-Familie von Airbus oder die Boeing 737 MAX-Flugzeuge.

Die Wahl zwischen diesen beiden Mustern ist eine strategische Entscheidung. Die Airbus A320neo-Familie bietet verschiedene Größenoptionen, darunter die A319neo und A320neo, die für das Streckennetz der Air Austral im Indischen Ozean geeignet wären. Auch wenn die A320neo-Familie ebenfalls GTF-Triebwerke nutzen kann, sind diese Maschinen optional auch mit CFM LEAP-1A-Triebwerken erhältlich, was die Abhängigkeit von Pratt & Whitney reduzieren könnte.

Die Boeing 737 Max hingegen würde einen Wechsel zu einem anderen Hersteller bedeuten, was mit zusätzlichen Kosten für die Pilotenausbildung und die Wartungsinfrastruktur verbunden wäre. Allerdings genießt die 737 Max mit ihren CFM LEAP-1B-Triebwerken derzeit eine größere Zuverlässigkeit in Bezug auf die Triebwerksverfügbarkeit. Die Entscheidung von Air Austral wird von betrieblichen Notwendigkeiten und der Verfügbarkeit von geeigneten Flugzeugen auf dem hart umkämpften Leasingmarkt bestimmt werden.

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