Flaggen der EU und Griechenlands vor dem Flughafen Rhodos (Foto: Jan Gruber).
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Trotz geopolitischer Spannungen: Griechenland erlebt einen anhaltenden Tourismus-Boom

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Der Tourismus in Griechenland zeigt im Jahr 2025 ein robustes Wachstum und festigt seine Position als eines der Top-Reiseziele in Europa. Aktuelle Daten belegen eine starke Performance, die sich sowohl in den gestiegenen internationalen Ankünften als auch in einem deutlichen Zuwachs der Reiseeinnahmen manifestiert.

Trotz weltwirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten, die den Tourismus in vielen anderen Regionen beeinflussen, verzeichnet Griechenland einen konstanten Aufwärtstrend. Die Entwicklung unterstreicht die Attraktivität des Landes für Reisende aus der ganzen Welt und wirft gleichzeitig Fragen auf, wie die griechische Tourismusindustrie langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern kann. Ein umfassender Bericht der Alpha Bank warnt davor, dass strukturelle Herausforderungen wie der Personalmangel und die digitale Transformation die zukünftige Entwicklung behindern könnten, wenn sie nicht entschieden angegangen werden.

Ankünfte und Einnahmen auf Rekordkurs

Die griechische Tourismusbranche kann auf eine beeindruckende erste Hälfte des Jahres 2025 zurückblicken. Laut Daten des Forschungsinstituts der griechischen Tourismuskonföderation (SETE) stiegen die internationalen Ankünfte auf griechischen Flughäfen in den ersten sieben Monaten auf 15,2 Millionen. Dies entspricht einem Zuwachs von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein im Juli verzeichnete das Land 4,9 Millionen Ankünfte, ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber Juli 2024.

Dieser Aufwärtstrend spiegelt sich auch in den Reiseeinnahmen wider. Die Einnahmen aus dem Tourismus, einschließlich Kreuzfahrten, beliefen sich in der ersten Jahreshälfte auf 7,3 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 11 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht. Das Wachstum wurde sowohl durch Ausgaben von Reisenden aus der Europäischen Union als auch aus anderen internationalen Märkten getrieben. Besonders stark war der Zuwachs bei den Besuchern aus den Vereinigten Staaten, deren Ausgaben um fast 30 Prozent anstiegen. Auch die Einnahmen aus dem Vereinigten Königreich und Deutschland zeigten eine positive Entwicklung. Interessanterweise verdoppelten sich die Ankünfte aus Russland nach Jahren der Einschränkungen.

Regionale Unterschiede und der Boom der Kurzzeitvermietungen

Das Wachstum verteilt sich nicht gleichmäßig auf alle Regionen des Landes. Kreta führt das Ranking mit 3,0 Millionen Passagieren an, gefolgt von den Dodekanes-Inseln und den Ionischen Inseln. Die Halbinsel Peloponnes verzeichnete den stärksten prozentualen Zuwachs bei den Ankünften. Die einzige Region, die einen Rückgang der Besucherzahlen verzeichnete, waren die Kykladen, wofür die hohen Preise und die Kapazitätsengpässe verantwortlich gemacht werden.

Parallel zum Anstieg der traditionellen Hotelübernachtungen hat auch der Markt für Kurzzeitvermietungen, wie sie über Online-Plattformen angeboten werden, einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Juli 2025 waren 246.000 Einheiten für Kurzzeitvermietungen verfügbar, der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Januar 2019. Die Zahl der verfügbaren Betten stieg auf 1,078 Millionen, was auf die wachsende Bedeutung dieses Segments hindeutet und die Diversifizierung der griechischen Tourismuslandschaft unterstreicht.

Wachsende Herausforderungen für die Zukunft

Trotz der beeindruckenden Zahlen warnt eine Analyse der Alpha Bank, dass die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands von der Bewältigung struktureller Herausforderungen abhängt. Der Bericht hebt hervor, dass der Tourismussektor dringend die Themen digitale Transformation und Arbeitskräftemangel angehen muss. Insbesondere der Mangel an qualifiziertem Personal in der Hotellerie stellt ein akutes Problem dar, wobei der Personalmangel auf rund 20 Prozent der verfügbaren Stellen geschätzt wird. Die Hotels stehen zunehmend unter Druck, die Lücke zu schließen, um die Servicequalität, für die Griechenland bekannt ist, aufrechtzuerhalten.

Die Digitalisierung des Sektors schreitet voran, wobei 34 Prozent der Hotels bereits Anwendungen mit künstlicher Intelligenz nutzen und weitere 10 Prozent deren Einführung planen. Der Einsatz von Technologie allein wird jedoch nicht ausreichen, um die Servicequalität zu sichern, wenn das Personal fehlt, um die Dienstleistungen auszuführen. Die Alpha Bank betont, dass Investitionen in die Digitalisierung mit der Bewältigung des Arbeitskräftemangels einhergehen müssen.

Eine weitere Herausforderung ist die Wettbewerbsfähigkeit im Preis-Leistungs-Verhältnis. Obwohl Griechenland in Online-Bewertungen oft für Sauberkeit, Service und Lage gelobt wird, bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis ein kritischer Punkt. In den letzten Jahren sind die Preise im griechischen Tourismussektor gestiegen, was dazu führen könnte, dass preisbewusste Reisende auf andere Destinationen ausweichen. Die jüngsten Statistiken zeigen einen Rückgang der Ankünfte aus der EU-27, was darauf hindeuten könnte, dass die erhöhten Preise eine Rolle spielen.

Ausblick und strategische Weichenstellungen

Die Aussichten für die kommende Sommersaison bleiben positiv. Vorausschauende Indikatoren, wie die gestiegenen Flugbuchungen nach Griechenland, deuten auf einen anhaltend starken Reiseverkehr hin. Die Ankünfte am Internationalen Flughafen Athen übertreffen bereits die Vorjahreszahlen deutlich. Griechenland hat es geschafft, sich als eine der Top-Destinationen in Europa zu etablieren, die sich auch in turbulenten Zeiten behaupten kann.

Doch um den Erfolg langfristig zu sichern, muss die Tourismusbranche die vom Alpha-Bank-Bericht aufgezeigten Schwachstellen beheben. Die Investitionen, die 2024 getätigt wurden, insbesondere von großen und hochwertigen Hotels, müssen auch in den kleineren Betrieben ankommen. Die staatlichen Maßnahmen zur Nutzung der Wiederaufbau- und Resilienzfonds der EU werden entscheidend sein, um die Branche auf breiter Basis zu modernisieren und die strukturellen Probleme zu beheben.

Die griechische Tourismusindustrie befindet sich an einem Scheideweg. Einerseits profitiert sie von einem starken Wachstum und einer hohen Nachfrage. Andererseits muss sie sich den Herausforderungen der Digitalisierung, des Personalmangels und der Wettbewerbsfähigkeit stellen. Der Erfolg wird davon abhängen, wie effektiv die Branche diese Probleme angeht, um die Qualität und das Wachstum der kommenden Jahre zu sichern.

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