Airbus A220-300 (Foto: Air Baltic).
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Trotz Pleite: Lufthansa setzt weiterhin auf Air-Baltic-Wetlease

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Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic hat im Rahmen ihres laufenden Gläubigerschutzverfahren nach Chapter 11 vor dem zuständigen US-Bundesgericht in New York am 14. Oktober 2026 die Fortführung ihrer Kapazitäts- und Wetlease-Vereinbarungen mit der Lufthansa Group zur behördlichen Genehmigung eingereicht.

Die vorgelegten Gerichtsunterlagen bestätigen, dass der baltische Carrier trotz einer tiefgreifenden operativen Restrukturierung an seiner engen operativen Partnerschaft mit dem deutschen Luftfahrtkonzern festhält. Die Vereinbarungen, die in den Dokumenten als Lufthansa Agreements bezeichnet werden, sind für den Fortbestand der lettischen Fluggesellschaft von zentraler Bedeutung, da die Bereitstellung von Flugzeugen samt Besatzung, Wartung und Versicherung (ACMI) eine tragende Säule im Geschäftsmodell des Unternehmens darstellt. Gleichzeitig dient die fristgerechte Vorlage des Vertragsdokuments als formale Bedingung für den Abruf weiterer Tranchen einer zugesagten Massekredit-Zwischenfinanzierung über 350 Millionen Euro.

Hintergrund des Insolvenzantrags und Restrukturierungsziele in New York

Air Baltic hatte im September 2026 unter dem Druck aufgelaufener Verbindlichkeiten und stark gestiegener operativer Fixkosten den Gang unter den US-Insolvenzschutz nach Chapter 11 gewagt. Dieser Schritt bietet der Fluggesellschaft Schutz vor dem Zugriff internationaler Gläubiger und verschafft dem Management Zeit, die Kapitalstruktur sowie die Flottengröße neu zu ordnen. Auslöser für die finanzielle Schieflage waren unter anderem drastisch gestiegene Kerosinpreise sowie technische Probleme an den Triebwerken der Flotte, die im zweiten Quartal 2026 zu einem konsolidierten Nettoverlust von 58,1 Millionen Euro führten.

Im Rahmen des Neuausrichtungsplans beabsichtigt die lettische Fluggesellschaft, ihre Gesamtflotte von zuvor 54 Flugzeugen des Typs Airbus A220-300 auf 36 Einheiten bis zum Jahresende 2026 zu verkleinern. Dieser Kapazitätsabbau um ein Drittel soll betriebliche Verlustträger eliminieren und die operativen Stückkosten senken. Die Umstrukturierung erfordert jedoch Anpassungen an bestehenden Leasing- und Betriebsverträgen mit externen Kunden, da die Kapazitäten für Drittgeschäfte verringert werden müssen.

Bedeutung des ACMI-Geschäfts und Rolle der Austrian Airlines

Das Geschäft mit der Vermietung von Flugzeugen inklusive Personal an andere Luftverkehrsunternehmen hat sich für Air Baltic zu einem Erlösbringer entwickelt. Die Erträge im Segment ACMI-out verdoppelten sich zwischen den Jahren 2022 und 2025 von 77 Millionen Euro auf 157 Millionen Euro. Damit entfielen zuletzt gut 20 Prozent der Gesamteinnahmen der Airline auf Fremdvermietungen. Der Lufthansa-Konzern, der selbst eine Zehn-Prozent-Beteiligung an Air Baltic hält, nutzt die A220-300-Flotte der Lettinnen seit mehreren Flugplanperioden zur Abdeckung von Kapazitätsspitzen an seinen Drehkreuzen.

Gemäß den ursprünglichen Vereinbarungen, die eine Laufzeit bis zum Jahr 2028 vorsehen, besaß die Lufthansa Group das Recht, in den Sommermonaten bis zu 21 und in den Wintermonaten bis zu fünf Airbus A220-300 von Air Baltic im eigenen Streckennetz einzusetzen. Angesichts der verkleinerten Gesamtflotte von Air Baltic dürfte das tatsächliche Abrufvolumen in den kommenden Flugplanperioden jedoch moderater ausfallen als im Rahmenvertrag vorgesehen.

In den beim Gericht eingereichten Unterlagen tritt die Konzerntochter Austrian Airlines als verhandelnder Vertragspartner auf. Die Dokumente verweisen konkret auf eine modifizierte Wetlease-Vereinbarung zwischen der Austrian Airlines AG als verbundenem Unternehmen der Deutschen Lufthansa AG und Air Baltic vom Oktober 2026. Eine Sprecherin des Lufthansa-Konzerns bestätigte, dass die Zusammenarbeit partnerschaftlich fortgesetzt werde und Air Baltic die vereinbarten Kapazitäten für die Airlines der Lufthansa Group plangemäß bereitstellen wird.

Finanzielle Absicherung und Ausblick auf die Gläubigerzustimmung

Die Genehmigung der Wetlease-Verträge durch das New Yorker Konkursgericht bildet einen Baustein für das Überleben der Fluggesellschaft. Die bereitgestellte Zwischenfinanzierung in Höhe von 350 Millionen Euro ist an strikte Meilensteine gekoppelt. Um die jeweils nächsten Tranchen abrufen zu können, muss Air Baltic den Nachweis erbringen, dass die operativen Verträge mit Großkunden wie der Lufthansa Group rechtssicher fortgeführt werden und Erlöse aus dem Kapazitätsverkauf gesichert sind.

Durch die Beibehaltung der Verbindungen zur Lufthansa Group sichert sich Air Baltic kontinuierliche Einnahmen, während der Lufthansa-Konzern flexibel auf die Nachfrage im europäischen Regionalverkehr reagieren kann. Das Gericht in New York wird in den kommenden Wochen über die endgültige Freigabe des Sanierungsplans entscheiden, während der reguläre Flugbetrieb im baltischen Kernnetz sowie im Wetlease-Einsatz aufrechterhalten wird.

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