Der Reisekonzern Tui passt die Flugplanung seiner fünf konzerneigenen Fluggesellschaften für die Sommersaison 2027 an und bündelt erstmals die kommerzielle Steuerung der einzelnen Töchter.
Im Rahmen dieser Reorganisation nimmt der Konzern erstmals eine Langstreckenverbindung von einem deutschen Flughafen in den Flugplan auf: Zweimal wöchentlich soll eine Boeing 787 der niederländischen Tochtergesellschaft von Düsseldorf nach Curaçao verkehren. Insgesamt plant der Konzern eine Aufstockung des Sitzplatzangebots um 4,6 Prozent auf rund 17 Millionen Plätze bei insgesamt 84.000 Flügen in den europäischen Kernmärkten.
Die Umstrukturierung geht mit einer Veränderung des Auslastungsmodells einher. Während das konzerneigene Veranstaltergeschäft weiterhin den Schwerpunkt bildet, erhöht Tui den Anteil der Sitzplatzkontingente, die für Fremdveranstalter und den Nur-Flug-Direktvertrieb freigegeben werden. Rund ein Drittel des bisherigen Streckennetzes wurde hinsichtlich der Kapazitäten und Frequenzen überarbeitet. Neben der Verbindung nach Curaçao ergänzen Kurz- und Mittelstreckenziele ab Hannover und Düsseldorf das Angebot in Deutschland, darunter Städteverbindungen wie Venedig und Ljubljana.
International verlagert Tui signifikante Wachstumsanteile an ausländische Drehkreuze. Der Flughafen London-Gatwick verzeichnet mit acht zusätzlichen Verbindungen den größten Zuwachs im Streckennetz. Am Standort Amsterdam plant der Konzern zudem den Einsatz von sieben Flugzeugen des Typs Boeing 737 Max 10 zur Kapazitätserhöhung. Die Umsetzung dieser Flottenplanung hängt jedoch von der noch ausstehenden behördlichen Zulassung dieses Flugzeugmusters ab, was operative Risiken bei Verzögerungen mit sich bringt.
Luftfahrtanalysten werten den Schritt als Versuch, die Auslastung der eigenen Flotte durch eine stärkere Öffnung für den Einzelplatzverkauf zu sichern und die Abhängigkeit vom klassischen Pauschalreisegeschäft zu verringern. Gleichzeitig erhöht der Ausbau von Langstrecken- und Punkt-zu-Punkt-Verbindungen den Konkurrenzdruck gegenüber etablierten Linienfluggesellschaften und Netzwerkträgern auf wettbewerbsintensiven Touristikrouten.