ATR 72-600 (Foto: Jan Gruber).
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Tunisair plant Expansion: Flüge in die USA und nach China ab 2028 – Ein mutiges Unterfangen?

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Die tunesische Fluggesellschaft Tunisair hat ambitionierte Pläne angekündigt, ab 2028 Flüge in die Vereinigten Staaten aufzunehmen. Diese Entscheidung wurde von Saber Al-Dhawadi, dem Direktor für Sicherheitsmanagement der Airline, in einem Interview mit African Manager bekannt gegeben. Die neuen Verbindungen sind Teil eines umfassenderen Netzausbaus, der auch Flüge nach China umfasst. Doch diese ambitionierten Vorhaben werfen Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der wirtschaftlichen Rentabilität und der politischen Hintergründe, die die Entscheidungen der Fluggesellschaft beeinflussen könnten.

In seinem Interview skizzierte Al-Dhawadi eine ehrgeizige Strategie, die sich über die kommenden Jahre erstrecken soll. Neben den Plänen für Flüge in die USA sind auch neue Routen nach China in der Pipeline. Diese Maßnahmen sollen nicht nur den Flugplan der Airline erweitern, sondern auch die „Wirtschaftsdiplomatie des tunesischen Staates unterstützen“. Al-Dhawadi betont, dass Fluggesellschaften eine Schlüsselrolle bei der Anziehung ausländischer Investitionen und der Förderung der nationalen Wirtschaft spielen. Diese Argumentation scheint jedoch angesichts der begrenzten Passagierzahlen und der bisherigen Nachfrage fragwürdig.

Laut Buchungsdaten für 2023 ist die Zahl der Passagiere, die nach New York und Washington fliegen, sehr gering. Im Jahr 2023 verzeichnete Tunisair nur 18.000 Passagiere nach New York und 13.000 nach Washington. Zum Vergleich: Die aktuelle Verbindung nach Montréal in Kanada, die eine größere tunesische Diaspora anzieht, zählte rund 97.000 Passagiere. Diese Zahlen werfen ein kritisches Licht auf die Rentabilität der neuen geplanten Routen in die USA. Obgleich ein Direktflug sicherlich das Interesse steigern könnte, bleibt fraglich, ob dies ausreicht, um die Maschinen zu füllen und die finanziellen Ziele der Airline zu erreichen.

Flottenerweiterung scheint unausweichlich

Die Situation wird zusätzlich kompliziert durch die Herausforderungen, vor denen Tunisair steht. Derzeit betreibt die Fluggesellschaft eine Flotte von zwei Airbus A330-200, die für internationale Verbindungen nach Kanada sowie dichte Kurz- und Mittelstreckenflüge innerhalb Europas genutzt werden. Obwohl Tunisair in Erwägung zieht, ihre Flotte zu erweitern, bleibt unklar, wie diese Erweiterung aussehen könnte. In der Vergangenheit hatte Tunisair bereits drei Airbus A350-800 bestellt, diese jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten im Jahr 2013 storniert.

Ein möglicher Grund für die riskante Expansion könnte die enge Verbindung zwischen Tunisair und der tunesischen Regierung sein, die 74 % der Anteile an der Fluggesellschaft hält. Kritiker befürchten, dass die Airline als Instrument für politische Ziele genutzt wird, anstatt rein wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Insbesondere im Kontext der sich verändernden geopolitischen Landschaft könnte Tunisair unter Druck stehen, neue Märkte zu erschließen, auch wenn diese Märkte nicht wirtschaftlich rentabel sind.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die sich verändernde geopolitische Dynamik in Tunesien. Während die traditionelle Diaspora des Landes stark auf Europa, insbesondere auf Frankreich, ausgerichtet ist, sucht Tunesien zunehmend nach neuen wirtschaftlichen Partnerschaften mit aufstrebenden Mächten wie China und Russland. Der „Swing Country“-Status, den Tunesien einnimmt, könnte sowohl Risiken als auch Chancen für die nationale Luftfahrtindustrie mit sich bringen. Laut einem Bericht des European Council on Foreign Relations nimmt der Einfluss der EU in Tunesien ab, was Raum für neue wirtschaftliche Allianzen schafft.

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