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Turbulenter Sommerreiseverkehr: Europa erlebt eine Welle von Verspätungen und Flugausfällen

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Der europäische Flugverkehr hat in den Sommermonaten Juni, Juli und August 2025 erhebliche Probleme verzeichnet. Laut einer Untersuchung des Travel-Tech-Unternehmens AirHelp war jeder dritte Fluggast in Europa von Verspätungen und Flugausfällen betroffen. Insgesamt litten rund 88,9 Millionen Reisende unter verspäteten Abflügen, und 8,8 Millionen sahen sich mit annullierten Flügen konfrontiert.

Das Chaos im europäischen Luftraum hat zur Folge, daß über vier Millionen Menschen Anspruch auf Entschädigungszahlungen haben. Die Analyse zeigt, daß insbesondere beliebte Urlaubsziele wie Griechenland und Portugal von massiven Verspätungen betroffen waren, während andere Regionen der Welt eher zu Flugausfällen neigten.

Europa führt das globale Ranking der Verspätungen an

Die Sommeranalyse von AirHelp zeichnet ein klares Bild: Europa dominiert die globale Statistik der Flugverspätungen. Mit 39,4 Prozent der betroffenen Fluggäste liegt Griechenland an der Spitze des Rankings, gefolgt von Portugal mit 37,6 Prozent. Beide Länder, die in diesem Sommer von zahlreichen Streiks im Flugverkehr betroffen waren, führen die globale Rangliste an. Bemerkenswert ist, daß auf den Plätzen drei bis neun ausschließlich europäische Länder zu finden sind. Dazu gehören Frankreich (34,9 Prozent), Italien (33,5 Prozent), Malta (33,5 Prozent), die Schweiz (33,2 Prozent), Luxemburg (33,2 Prozent), Serbien (31,7 Prozent) und Albanien (31,2 Prozent). Erst auf Platz zehn folgt mit Fidschi das erste nicht-europäische Land. Deutschland belegt mit einer Verspätungsquote von 29,5 Prozent den 13. Platz.

Die Daten zeigen jedoch auch, daß es erhebliche regionale Unterschiede gibt. Länder wie Jordanien (11,2 Prozent), Panama (11,5 Prozent) und Ecuador (12,3 Prozent) verzeichneten weltweit die niedrigsten Verspätungsquoten. Innerhalb Europas waren die nordischen Länder am zuverlässigsten: Norwegen (14,1 Prozent), Island (16,4 Prozent) und Schweden (17,6 Prozent) wiesen die niedrigsten Verspätungsraten auf.

Flugausfälle: Ein globales Phänomen mit regionalen Unterschieden

Während Europa von Verspätungen geplagt war, waren Flugausfälle in anderen Regionen der Welt stärker verbreitet. Indien führt das Ranking der Annullierungen an, wo fast jeder fünfte Passagier (19,9 Prozent) von einem gestrichenen Flug betroffen war. Jordanien, obwohl es die wenigsten Verspätungen verzeichnete, hatte mit 17,4 Prozent die zweitmeisten Flugausfälle. Auch Puerto Rico und Chile verzeichneten hohe Ausfallquoten.

Im Gegensatz dazu waren Flugausfälle in Europa vergleichsweise selten. Luxemburg wies mit einer Ausfallquote von nur 0,8 Prozent die niedrigste Rate weltweit auf. Auch Irland (ein Prozent), Malta (1,1 Prozent) und Litauen sowie Portugal (jeweils 1,2 Prozent) schnitten hier sehr gut ab. Nina Staub, Rechtsexpertin bei AirHelp, erklärt diesen Unterschied mit den strengen EU-Fluggastrechten, die Verbraucher schützen. Für europäische Fluggesellschaften sei es oftmals wirtschaftlich sinnvoller, eine Verspätung in Kauf zu nehmen, als einen Flug komplett zu streichen, da letzteres häufig Entschädigungsansprüche auslöst.

Die Hotspots der Flugprobleme: Europäische Flughäfen

Die Analyse von AirHelp beleuchtet auch die Problemflughäfen in Europa, wo Verspätungen und Ausfälle zusammen betrachtet wurden. An vier europäischen Flughäfen hatten mehr als die Hälfte der Reisenden Probleme mit ihren Flügen. An der Spitze der Negativliste steht der Flughafen Nizza Côte d’Azur in Frankreich, wo 56,6 Prozent der Passagiere von Verspätungen und Ausfällen betroffen waren. An den griechischen Flughäfen Kefalonia (53 Prozent) und Chania (51,3 Prozent) gab es ebenfalls massive Störungen. Der Flughafen Figari in Südkorsika verzeichnete eine Rate von 50,4 Prozent. Die höchsten Ausfallquoten hatten die Flughäfen Mailand-Linate (8,4 Prozent), Bukarest Otopeni (5,8 Prozent) und Jersey (5,3 Prozent).

In Deutschland waren 31,7 Prozent aller Passagiere von Flugproblemen betroffen. Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden gab es die meisten Störungen (40 Prozent), gefolgt von Frankfurt-Hahn (38,4 Prozent) und Münster (37,9 Prozent). Die zuverlässigsten deutschen Flughäfen waren Bremen (26 Prozent), Weeze (26,1 Prozent) und Stuttgart (26,8 Prozent).

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, daß die Infrastruktur und die Flugverkehrskontrolle in Europa in den Sommermonaten an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Hinzu kommen Faktoren wie Streiks, die die Situation weiter verschärfen. Fluggesellschaften und Flughäfen stehen vor der Herausforderung, die Servicequalität in Zeiten hoher Nachfrage zu verbessern. Für Reisende, die in diesem Sommer von Verspätungen von über drei Stunden oder Flugausfällen betroffen waren, gibt es jedoch eine gute Nachricht: Sie haben möglicherweise Anspruch auf eine Entschädigung, und sollten diesen Anspruch prüfen.

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