Airbus A321 (Foto: Jan Gruber).
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Turkish Airlines nimmt Flüge nach Damaskus und Benghazi wieder auf

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Im Januar 2025 setzt Turkish Airlines ein deutliches Zeichen für eine Neuausrichtung in der Luftfahrtpolitik im Nahen Osten und Nordafrika. Die türkische Fluggesellschaft hat die Flüge in die syrische Hauptstadt Damaskus sowie nach Benghazi, der zweitgrößten Stadt Libyens, wieder aufgenommen. Diese beiden Verbindungen waren aufgrund der instabilen politischen und militärischen Situationen in den betroffenen Ländern über Jahre hinweg aus dem Streckennetz der Airline gestrichen worden. Mit der Wiederaufnahme dieser Routen stärkt Turkish Airlines nicht nur ihre Position als größte Fluggesellschaft, die weltweit die meisten internationalen Ziele bedient, sondern auch als Vermittlerin in einer geopolitischen Lage, die von politischen Umbrüchen und Spannungen geprägt ist.

Die Wiederaufnahme der Flüge nach Damaskus durch Turkish Airlines ist ein bemerkenswerter Schritt. Der syrische Bürgerkrieg, der 2011 begann, führte zu einem massiven Rückgang der internationalen Luftverbindungen. Nach dem Sturz des Regimes von Bashar al-Assad und den darauf folgenden politischen Unruhen stellte auch Turkish Airlines ihre Flüge in die syrische Hauptstadt ein. Nach dem Regimewechsel im Dezember 2024 und der darauf folgenden Annäherung der Türkei an die syrische Regierung, die durch den Besuch des neuen syrischen Außenministers Asaad al-Shibani in Ankara Ende Januar 2025 manifestiert wurde, eröffnete sich jedoch eine neue Möglichkeit für die Wiederaufnahme der Verbindung.

Die Flüge zwischen Istanbul und Damaskus sollen am 23. Januar 2025 aufgenommen werden, zunächst dreimal wöchentlich. Die politischen Gespräche zwischen der Türkei und Syrien im Vorfeld dieses Schrittes haben entscheidend dazu beigetragen, die Basis für diese Rückkehr zu schaffen. Allerdings sind die syrischen Behörden mit besonderen Einreisebestimmungen auf die Wiederaufnahme der Strecke vorbereitet. So gibt es ein Einreiseverbot für Staatsangehörige Israels und Irans, was auf die politischen Spannungen in der Region verweist. Auch libanesische Staatsbürger sowie Pressevertreter müssen mit Einschränkungen bei der Einreise rechnen. Diese neuen Bestimmungen unterstreichen die noch immer fragile Lage in Syrien und die damit verbundenen geopolitischen Herausforderungen.

Türkish Airlines ist jedoch nicht die erste Fluggesellschaft, die ihre Flüge nach Damaskus wiederaufnimmt. Am 16. Januar 2025 gab auch Royal Jordanian die Wiederaufnahme ihrer Flüge von Amman nach Damaskus bekannt. Diese Flüge sollen ab dem 31. Januar 2025 zunächst einmal monatlich stattfinden, bevor sie auf eine tägliche Frequenz bis April 2025 erhöht werden sollen.

Wiederaufnahme der Verbindung nach Benghazi: Auch Libyen öffnet sich

Neben Syrien hat Turkish Airlines auch die Strecke nach Benghazi, im Osten Libyens, wieder aufgenommen. Benghazi war lange Zeit aufgrund der politischen Instabilität und des anhaltenden Bürgerkriegs in Libyen nur für wenige internationale Fluggesellschaften erreichbar. Nach dem Sturz des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 war das Land politisch tief gespalten, wobei der östliche Teil unter der Kontrolle der von Khalifa Haftar geführten Kräfte stand. Infolgedessen stellte Turkish Airlines 2015 ihre Flüge nach Benghazi ein, da die Sicherheitslage in der Region sich weiter verschlechterte.

Doch auch hier deutet sich eine Veränderung an. Die Türkei, die weiterhin die international anerkannte Regierung in Tripolis unterstützt, hat seit 2024 zunehmend diplomatische Annäherungsversuche an Haftar und dessen Kräfte in Benghazi unternommen. Dies könnte die Grundlage für die Wiederaufnahme von Flügen in den Osten des Landes bieten. Ab Januar 2025 fliegt Turkish Airlines dreimal wöchentlich mit Boeing 737-800 Flugzeugen von Istanbul nach Benghazi. Dieser Schritt zeigt, wie sich die politischen Rahmenbedingungen ändern und sich die Türkei möglicherweise als Schlüsselakteur in Libyen positioniert.

Im April 2024 hatte Turkish Airlines bereits die Flüge zum internationalen Flughafen Mitiga in Tripolis wieder aufgenommen. Diese Strecke wird aktuell fünfmal wöchentlich bedient und zeigt das zunehmende Vertrauen der türkischen Fluggesellschaft in die libysche Stabilisierung. Laut SRS Analyzer von Cirium sind derzeit nur zwei andere internationale Fluggesellschaften in Libyen tätig: Royal Jordanian, die sowohl Tripolis als auch Benghazi anfliegt, und ITA Airways, die ihre Verbindung zwischen Rom und Tripolis im Januar 2025 wieder aufgenommen hat.

Ein geopolitischer Wandel im Luftverkehr

Die Wiederaufnahme der Flüge nach Damaskus und Benghazi ist ein weiteres Beispiel für die veränderten geopolitischen Gegebenheiten im Nahen Osten und Nordafrika. Diese Regionen, die jahrelang von politischen Unruhen und Konflikten geprägt waren, erleben zunehmend eine Stabilisierung, die sich auch in der Luftfahrt widerspiegelt. Die diplomatischen Bemühungen der Türkei, ihre Verbindungen zu Syrien und Libyen zu normalisieren, zeigen eine geostrategische Neuorientierung, die nicht nur die Luftfahrt betrifft, sondern auch die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen diesen Ländern und der Türkei.

Die Luftfahrtindustrie insgesamt reagiert zunehmend auf die geopolitischen Veränderungen in der Region. Fluggesellschaften, die in Ländern wie Syrien und Libyen über Jahre hinweg keine Routen bedienten, kehren nun zurück und zeigen damit, dass sich die regionalen Konflikte möglicherweise auf dem Weg zu einer Lösung befinden. Es bleibt abzuwarten, ob andere internationale Fluggesellschaften folgen werden.

Die Wiederaufnahme der Flüge nach Damaskus und Benghazi markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der internationalen Luftfahrt in der Region. Turkish Airlines setzt damit nicht nur ein Zeichen für ihre starke Marktstellung, sondern spielt auch eine bedeutende Rolle in der geopolitischen Neuordnung des Nahen Ostens und Nordafrikas. Trotz der noch bestehenden politischen Spannungen in beiden Ländern zeigt der Schritt eine gewisse Hoffnung auf eine friedlichere und stabilere Zukunft. Die Entwicklungen in Syrien und Libyen werden weiterhin aufmerksam verfolgt werden, da sie den internationalen Luftverkehr sowie die Beziehungen zwischen den Ländern nachhaltig beeinflussen könnten.

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