Der US-amerikanische Flugzeugbauer Boeing steht kurz vor dem Abschluss einer Vereinbarung mit der türkischen Linienfluggesellschaft Turkish Airlines über die Lieferung von bis zu 150 Schmalrumpfflugzeugen des Typs 737 Max.
Wie aus Branchenkreisen am 15. September 2026 bekannt wurde, konnten im Rahmen der Verhandlungen Differenzen bezüglich der Wartungsvereinbarungen für die Triebwerke weitgehend ausgeräumt werden. Zuvor hatte die Fluggesellschaft mit einem Abbruch der Verhandlungen und dem Wechsel zu Mitbewerbern gedroht. Die geplante Vereinbarung umfasst sowohl Festbestellungen als auch Kaufoptionen und stellt einen zentralen Baustein bei der langfristigen Flotten- und Kapazitätsplanung der Fluggesellschaft dar. Das Abkommen betrifft die Modellvarianten 737-8 sowie die größere 737-10. Eine offizielle Unterzeichnung könnte in der kommenden Woche erfolgen, wobei eine Bestätigung der beteiligten Unternehmen derzeit noch aussteht.
Beilegung der Auseinandersetzungen um die Triebwerkswartung
Im Zentrum der Verzögerungen bei der Finalisierung des Vertrages standen Unstimmigkeiten über die Konditionen für die Instandhaltung und den Service der Triebwerke. Die Flugzeuge der Baureihe 737 Max werden ausschließlich mit Triebwerken des Typs LEAP-1B des Herstellers CFM International ausgestattet, einem Gemeinschaftsunternehmen von GE Aerospace und Safran. Die Verhandlungen über die langfristigen Wartungsverträge und Stundensätze gestalteten sich komplex, da die Betriebskosten der Triebwerke einen wesentlichen Teil der Gesamtwirtschaftlichkeit einer Flugzeugflotte ausmachen.
Infolge der festgefahrenen Verhandlungen mit CFM International hatte die Führung von Turkish Airlines öffentlich in Erwägung gezogen, den Auftrag abzusagen und stattdessen Maschinen der A320neo-Familie des europäischen Anbieters Airbus zu beschaffen. Sowohl Boeing als auch CFM International gaben zu den aktuellen Fortschritten bei den Verhandlungen keine Stellungnahme ab, und auch seitens der Fluggesellschaft lag zunächst keine offizielle Äußerung vor. Die Beilegung des Streitpunkts ebnet nun den Weg für die rechtlich verbindliche Umsetzung des Beschaffungsvorhabens.
Einordnung des Abkommens in das Gesamtpaket und historische Verhandlungslinien
Die geplante Übernahme der 150 Schmalrumpfflugzeuge ist Teil eines umfangreicheren Beschaffungspakets über insgesamt bis zu 225 Boeing-Flugzeuge, das erstmals im September 2025 nach einem Treffen zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump angekündigt worden war. Die Vereinbarung sieht im Detail die Festbestellung von 100 Maschinen der Reihe 737 Max sowie Optionen für weitere 50 Einheiten vor. Der endgültige Vollzug hing von der Einigung über die Triebwerksunterhaltung ab.
Für Boeing stellt der Vertrag, sobald er finalisiert ist, die umfangreichste Einzelbestellung von Schmalrumpfflugzeugen durch die türkische Fluggesellschaft dar. Neben den Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen umfasst das Gesamtpaket aus dem Jahr 2025 zudem Festbestellungen über 50 Großraumflugzeuge des Typs Boeing 787 Dreamliner, aufgeteilt in 35 Maschinen der Variante 787-9 und 15 Einheiten der größeren Version 787-10, ergänzt durch Optionen für weitere 25 Maschinen dieses Typs.
Bedeutung für die Flottenstruktur und den Flugbetrieb in Istanbul
Die Beschaffung der neuen Flugzeugmuster dient der Modernisierung der bestehenden Flotte sowie dem Ausbau der Kapazitäten am zentralen Drehkreuz der Fluggesellschaft auf dem Flughafen Istanbul. Zum Zeitpunkt der ersten Ankündigung betrieb Turkish Airlines bereits mehr als 200 Boeing-Flugzeuge, darunter verschiedene Varianten der 737-Reihe, Langstreckenflugzeuge vom Typ 777 sowie mehrere 787-9. Durch die vollständige Umsetzung aller Festbestellungen und Optionen würde sich die Anzahl der von Boeing gelieferten Flugzeuge in der Flotte der Fluggesellschaft nahezu verdoppeln.
Die Integration der Variante 787-10 bedeutet für Turkish Airlines die Einführung eines neuen Flugzeugmusters in ihrer Langstreckenflotte. Das Flugzeug bietet im Vergleich zur kleineren Variante 787-9 eine höhere Passagier- und Frachtkapazität. Diese Eigenschaften sollen insbesondere auf stark frequentierten Strecken nach Nordamerika, Afrika, Südostasien sowie in den Nahen Osten genutzt werden, um die Effizienz pro Sitzplatz zu steigern und Engpässe an den Start- und Landerechten am Heimatflughafen auszugleichen.
Marktkontext und operative Herausforderungen für Hersteller und Airline
Der bevorstehende Vertragsabschluss erfolgt in einer Phase, in der die Zivilluftfahrtbranche durch Engpässe in den globalen Lieferketten und Verzögerungen bei den Flugzeugauslieferungen geprägt ist. Sowohl Flugzeugbauer als auch Triebwerkshersteller stehen vor der Herausforderung, die Produktionsraten zu steigern, um die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten. Für Fluggesellschaften wie Turkish Airlines ist die verlässliche Bereitstellung von Neugeräten und Ersatzteilen entscheidend, um die Flugpläne einzuhalten und das Streckennetz auszubauen.
Gleichzeitig verdeutlicht der Verhandlungsverlauf die starke Verhandlungsposition großer Fluggesellschaften gegenüber den Flugzeug- und Triebwerksherstellern. Die Drohung, auf Alternativprodukte auszuweichen, wird in der Branche regelmäßig genutzt, um bessere finanzielle Konditionen bei Anschaffung und Wartung durchzusetzen. Die Finalisierung der 737-Max-Bestellung wird zeigen, wie die vereinbarten Lieferpläne in den kommenden Jahren angesichts der bestehenden Kapazitätsgrenzen in der Produktion umgesetzt werden können.