Flughafen Linz (Foto: Michael David).
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Übernahme des Linzer Flughafens durch das Land Oberösterreich und Wechsel im Chefsessel

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Die Gesellschafterstruktur des Flughafens Linz-Hörsching wird grundlegend neu geordnet. Der oberösterreichische Landtag hat in seiner Sitzung am 1. Oktober 2026 den Kauf der städtischen 50-Prozent-Anteile am Flughafen beschlossen. Damit wird das Land Oberösterreich über die OÖ Verkehrsholding GmbH vorübergehend zum Alleineigentümer der defizitären Betreibergesellschaft.

Zuvor hatte bereits der Linzer Gemeinderat am 24. September 2026 der Veräußerung des städtischen Hälfteanteils zugestimmt. Der politisch vereinbarte Beschluss geht mit einem Führungswechsel an der Spitze des Unternehmens einher: Der deutsche Manager Jörg Ebbighausen hat mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 die Nachfolge von Norbert Draskovits als alleiniger Geschäftsführer angetreten. Das politische Vorhaben sieht vor, nach einer finanziellen Konsolidierung bis zu 49 Prozent der Anteile an einen privaten Investor abzugeben.

Finanzielle Bewertung und Bewertungsverfahren der Unternehmensanteile

Die Transaktion basiert auf einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, das für die Ermittlung des Kaufpreises herangezogen wurde. Der vorläufig festgelegte Kaufpreis von 1,325 Millionen Euro orientiert sich an dem im Gutachten ausgewiesenen Liquidationswert, der in einer Spanne zwischen 1,9 Millionen und 3,4 Millionen Euro beziffert wird. Demgegenüber steht eine Unternehmensbewertung nach dem Discounted-Cash-Flow-Verfahren, die unter Einbeziehung künftiger Ertragserwartungen auf einen negativen Fortführungswert von 17,3 Millionen Euro kommt.

Der finale Kaufpreis ist zudem an Bedingungen gekoppelt. Sollten bei der Sanierung von Altlasten auf dem Flughafengelände, insbesondere bei der Beseitigung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), höhere Kosten anfallen als durch Rückstellungen und Förderungen abgedeckt sind, mindert sich der Veräußerungserlös der Stadt Linz. In diesem Fall kann sich der Kaufpreis bis auf einen symbolischen Betrag von einem Euro reduzieren. Umgekehrt steht der Stadt eine Nachzahlung zu, falls das Land die Anteile innerhalb von fünf Jahren zu einem höheren Preis an einen Investor weiterveräußert.

Hoher Finanzbedarf zur Stabilisierung des Flugbetriebs

Die Übernahme der städtischen Anteile ist für das Land Oberösterreich mit substanziellen finanziellen Verpflichtungen verbunden. Um den Flughafen als betriebsfähiges Unternehmen für potenzielle Investoren aufzustellen, sind im Jahr 2027 zusätzliche Eigenkapitalmaßnahmen im Umfang von 5 Millionen Euro vorgesehen. Dieser Betrag soll wahlweise über Gesellschafterzuschüsse, Darlehen oder eine Kapitalerhöhung eingebracht werden.

Diese Mittel ergänzen eine bereits zugesagte Anschubfinanzierung für den Linienverkehr. Zur Absicherung der Streckenverbindung zwischen Linz und Frankfurt am Main stellt das Land über einen Zeitraum von vier Jahren bis zu 36 Millionen Euro bereit. Schätzungen des Landesrechnungshofes deuten darauf hin, dass der Flughafen bis zum Jahr 2035 einen laufenden zusätzlichen Mittelbedarf zwischen 27,6 Millionen und 45 Millionen Euro aufweisen könnte, wobei Ausgaben für die Pisten- und Schadstoffsanierung in dieser Berechnung noch nicht enthalten sind.

Betriebswirtschaftliche Entwicklung im Sommergeschäft

Die operative Lage des Regionalflughafens zeigte in den Sommermonaten Juli und August 2026 eine rückläufige Tendenz. Nach Erhebungen der Statistik Austria sank das Passagieraufkommen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,5 Prozent auf 68.699 Fluggäste. Dies stellte den stärksten prozentualen Rückgang unter den österreichischen Regionalflughäfen dar. Die Zahl der Flugbewegungen verringerte sich im selben Zeitraum um 16,6 Prozent auf 890 Starts und Landungen.

Im Frachtbereich verzeichnete der Standort einen Rückgang des geflogenen Frachtaufkommens um 37,5 Prozent auf 1.713 Tonnen. Ursache für diesen Einbruch war der Abzug der Frachtmaschinen von Turkish Airlines im Frühjahr 2026. Die Flughafengesellschaft konnte diesen Entfall im operativen Ablauf teilweise durch die Ausweitung von Ersatzverkehren auf der Straße kompensieren.

Politische Kontroverse um das Konsolidierungskonzept

Die Entscheidung für den Anteilsankauf wurde im oberösterreichischen Landtag mehrheitlich beschlossen. Die Abgeordneten von ÖVP, FPÖ und SPÖ stimmten für die Regierungsvorlage, während die Fraktionen von Grünen, NEOS und MFG dagegen votierten. Vertreter der befürwortenden Parteien betonten die Funktion des Flughafens für den Wirtschafts- und Industriestandort Oberösterreich. Sie verwiesen dabei auch auf Erhebungen der Johannes Kepler Universität Linz, wonach die am Standort ansässigen Betriebe eine jährliche regionale Wertschöpfung von rund 129 Millionen Euro erwirtschaften und mehr als 2.200 Arbeitsplätze sichern.

Die oppositionellen Fraktionen kritisierten das Vorgehen der Landesregierung als risikobehaftet. NEOS und Grüne bemängelten das Fehlen eines nachhaltigen Betriebskonzepts und argumentierten, dass die bloße Zusammenführung der Eigentümerstruktur von Stadt und Land keine strukturelle Reform darstelle. Die Abgeordneten der MFG äußerten Bedenken hinsichtlich dauerhafter finanzieller Belastungen für die öffentliche Hand. Mit dem Vollzug des Landtagsbeschlusses obliegt die operative Neuausrichtung nun dem neuen Geschäftsführer Jörg Ebbighausen und der OÖ Verkehrsholding GmbH.

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