Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Auctus Capital Partners hat mit der vollständigen Übernahme des Reiseveranstalters LMX Touristik und der Eingliederung in die neu gegründete Trägergesellschaft Mondiani Group einen wesentlichen Schritt auf dem europäischen Tourismusmarkt vollzogen.
Die Beteiligungsgesellschaft, die auf mittelständische Unternehmen spezialisiert ist, verfolgt mit dieser Investition ein langfristig angelegtes Unternehmenskonzept. Gemeinsam mit den bisherigen Führungskräften des Reiseveranstalters soll schrittweise eine Europäische Touristikplattform aufgebaut werden. Die Entscheidung für den Einstieg bei LMX Touristik basiert auf der technologischen Plattform des Leipziger Veranstalters sowie auf dessen Marktpositionierung im Segment der dynamisch produzierten Pauschalreisen. Angesichts der dominierenden Stellung großer Konzernstrukturen im europäischen Reisemarkt steht die neue Holding vor der Aufgabe, organisches Wachstum und gezielte Unternehmenskäufe miteinander zu verbinden.
Struktur der Übernahme und Rolle der Unternehmensgründer
Im Zuge der Transaktion wurde die LMX-Gruppe zu 100 Prozent unter dem Dach der Mondiani Group konsolidiert. Anders als bei kurzfristig orientierten Finanzinvestitionen betonen die Verantwortlichen bei Auctus Capital Partners, dass für das Engagement bei LMX kein fixer Veräußerungszeitplan für die kommenden Jahre existiert. Die Beteiligungsgesellschaft stellt für die Weiterentwicklung des Unternehmens Eigenkapital bereit, das zu einem bedeutenden Teil von den Partnern des Investorenhauses selbst aufgebracht wird.
Eine zentrale Komponente der Vereinbarung betrifft die personelle und gesellschaftsrechtliche Kontinuität. Der Gründer von LMX Touristik, Markus Hartwig, sowie Geschäftsführer Lars Ludwig verbleiben nicht nur in ihren operativen Leitungsfunktionen, sondern haben sich im Gegenzug an der Mondiani Group beteiligt. Über die genaue Verteilung der Geschäftsanteile und die finanziellen Details der Transaktion machten die Beteiligten keine Angaben. Die Einbindung des bestehenden Managements zielt darauf ab, das spezifische Branchen-Know-how im Bereich der Baustein- und Dynamikveranstaltung zu sichern und für den geplanten Gruppenausbau zu nutzen.
Positionierung von LMX Touristik im deutschen Reiseveranstaltermarkt
LMX Touristik hat sich seit der Unternehmensgründung im Jahr 2001 von einem regionalen Nischenanbieter zu einem etablierten Akteur im deutschen Reisemarkt entwickelt. Das Geschäftsmodell basiert maßgeblich auf der dynamischen Paketierung von Reiseleistungen, bei der Flugkapazitäten und Hotelkontingente erst im Moment der Kundenanfrage über Schnittstellen zusammengeführt und zu tagesaktuellen Preisen gebündelt werden. Mit einem Jahresumsatz von rund 350 Millionen Euro belegt die LMX-Gruppe derzeit den zehnten Rang unter den in Deutschland aktiven Reiseveranstaltern.
Trotz dieser Marktposition ist der Abstand zu den führenden Konzernen der deutschen Touristikbranche beträchtlich. Unternehmen wie die TUI Group, Dertour Group, Schauinsland-Reisen und Alltours verzeichnen jeweils Milliardenumsätze und verfügen über eigene Fluggesellschaften, umfangreiche Hotelketten sowie flächendeckende Reisebüronetze. Für LMX und die Mondiani Group bedeutet dies, dass ein Aufschließen zu den Marktführern nicht allein aus dem laufenden Geschäftsbetrieb heraus erfolgen kann, sondern die systematische Konsolidierung weiterer Marktteilnehmer erfordert.
Das Buy-and-Build-Konzept im branchenübergreifenden Portfolio von Auctus
Auctus Capital Partners ist seit 25 Jahren als inhabergeführte Beteiligungsgesellschaft am Markt aktiv und verfolgt einen branchenunabhängigen Investmentansatz. Das Kernmodell der Gesellschaft besteht in sogenannten Buy-and-Build-Strategien. Dabei wird ein technologisch oder operativ gefestigtes Kernunternehmen als Plattform erworben, um anschließend durch gezielte Nachfolgeübernahmen und Zukäufe kleinerer Wettbewerber eine größere Unternehmensgruppe aufzubauen.
Im touristischen Sektor wies das Portfolio von Auctus vor der LMX-Übernahme lediglich eine weitere Beteiligung auf: die internationale Hotelgruppe GSH (Gorgeous Smiling Hotels) mit Sitz in München. GSH fungiert als Hotel-Management-Unternehmen sowie als Multi-Brand-Betreiber und führt aktuell rund 80 Hotelbetriebe in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Das Markenportfolio der Hotelgruppe umfasst Eigenmarken wie Elaya Hotels, Arthotel ANA und Rugs Hotel sowie Franchise-Betriebe globaler Ketten, darunter Wyndham, Hilton, InterContinental Hotels Group (IHG) und Accor. Ob und inwiefern künftig Synergien zwischen der Hotelgruppe GSH und der Reiseveranstalter-Plattform Mondiani geschaffen werden, lassen die Verantwortlichen derzeit offen.
Perspektiven für die geplante europäische Touristikplattform
Die genauen Konturen der angekündigten europäischen Touristikplattform befinden sich nach Aussage der Beteiligten noch in der Ausarbeitungsphase. Das Wachstumsmodell sieht vor, neben dem organischen Ausbau von LMX Touristik weitere Unternehmen entlang der touristischen Wertschöpfungskette zu akquirieren. Als potenzielle Übernahmekandidaten gelten dabei mittelständische Reiseveranstalter im In- und Ausland, stationäre und digitale Reisemittler wie Reisebüroorganisationen und Online-Portale sowie Spezialanbieter aus dem Bereich der Reisetechnologie (Traveltech).
Der Erfolg dieser Aufbaustrategie hängt maßgeblich davon ab, wie effizient die IT-Infrastrukturen und Vertriebskanäle der künftigen Tochtergesellschaften integriert werden können. Das Geschäftsfeld der Urlaubsreisen ist von geringen Margen und einer hohen Preissensibilität der Verbraucher geprägt. Während große Konzerne Skaleneffekte über eigene Kapazitäten realisieren, muss die Mondiani Group ihre Wettbewerbsfähigkeit über flexible Beschaffungswege, schlanke Verwaltungsstrukturen und automatisierte Abwicklungsprozesse sichern. Die Branchenbeobachter verfolgen daher aufmerksam, welche Zukäufe die Führungsgruppe in den kommenden Jahren tätigen wird, um das Vorhaben einer europaweiten Plattform schrittweise umzusetzen.