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Übernahmeverfahren für TAP Air Portugal geht in Entscheidungsetappe: Lufthansa und Air France-KLM legen verbindliche Gebote vor

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Die Privatisierung der portugiesischen Staatsfluggesellschaft TAP Air Portugal hat eine entscheidende Ausrichtungsphase erreicht. Die beiden europäischen Luftfahrtkonzerne Lufthansa Group und Air France-KLM haben am 29. Juli 2026 jeweils verbindliche Angebote zur Übernahme einer Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,9 Prozent an der Fluggesellschaft bei der staatlichen portugiesischen Holding Parpública eingereicht.

Gemäß den Vorgaben der portugiesischen Regierung unter Premierminister Luís Montenegro beabsichtigt der Staat, vorerst die Mehrheit von mindestens 50,1 Prozent der Unternehmensanteile zu behalten. Aus dem zur Veräußerung stehenden Anteil sollen zudem bis zu 5,0 Prozent für eine Belegschaftsbeteiligung reserviert werden, sodass auf den künftigen Partner ein Anteil von maximal 44,9 Prozent entfällt. Die Entscheidung der Regierung in Lissabon über den Zuschlag wird nach einer dreißigtägigen Prüfungsphase im Herbst 2026 erwartet.

Zweikampf der europäischen Luftfahrtkonzerne um Marktanteile

Mit dem Ablauf der Frist für die Abgabe verbindlicher Gebote hat sich der Bieterwettbewerb auf ein Duell zwischen zwei der großen europäischen Airline-Gruppen verengt. Die Konzernmutter von British Airways und Iberia, International Airlines Group (IAG), die in einem frühen Stadium als möglicher Interessent galt, zog sich aus dem Verfahren zurück und gab kein Angebot ab. Damit konkurriert die deutsche Lufthansa direkt mit dem französisch-niederländischen Konzern Air France-KLM um die Einbindung von TAP in das jeweilige Unternehmensnetzwerk.

Der Wert der zur Disposition stehenden Beteiligung wird in Finanzkreisen auf bis zu 700 Millionen Euro taxiert. Für beide Interessenten steht dabei vor allem die geografische Lage des Drehkreuzes Lissabon sowie das Streckennetz nach Südamerika, insbesondere nach Brasilien, sowie nach Nordamerika und in das deutsch- und portugiesischsprachige Afrika im Mittelpunkt des Interesses. TAP verfügt an ihrem Heimatflughafen über eine etablierte Marktposition bei Verbindungen über den Südatlantik.

Finanzielle Parameter und Bedingungen der portugiesischen Regierung

Die portugiesische Regierung stellte im Rahmen des Privatisierungsverfahrens klar, dass die Höhe des gebotenen Kaufpreises nicht das alleinige Entscheidungskriterium darstellt. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz betonte im Vorfeld der Gebotsabgabe vor einem Parlamentsausschuss, dass strukturelle und verkehrspolitische Zusagen der Bewerber eine zentrale Rolle bei der Bewertung spielen werden. Dazu gehören verbindliche Garantien für den Fortbestand und den Ausbau des Drehkreuzes Lissabon sowie die Sicherstellung von Flugverbindungen zu neun weiteren portugiesischen Flughäfen, einschließlich der autonomen Regionen Madeira und Azoren.

Die Führung in Lissabon möchte verhindern, dass die nationale Fluggesellschaft nach einer Teilübernahme zu einem reinen Zubringerdienst für ausländische Drehkreuze degradiert wird. Ebenso wird der Verbleib von Arbeitsplätzen im Land sowie die Beibehaltung der Marke TAP gefordert. Hintergrund des Privatisierungsschritts sind auch rechtliche Vorgaben der Europäischen Union. Nach vorangegangenen staatlichen Beihilfen in Milliardenhöhe während der Pandemiejahre verbietet das EU-Wettbewerbsrecht weitere direkte Finanzhilfen aus dem staatlichen Haushalt, weshalb die Fluggesellschaft zur langfristigen Kapitalversorgung in einen größeren Konzernverbund integriert werden muss.

Das Angebot der Lufthansa und Einbindung in Allianzstrukturen

Die Lufthansa Group verwies bei der Einreichung ihres Angebots auf die bestehenden Verbindungen zwischen beiden Unternehmen. TAP Air Portugal ist seit dem Jahr 2005 Mitglied der globalen Luftfahrtallianz Star Alliance, der auch die Lufthansa angehört. Eine Übernahme der Minderheitsanteile durch den deutschen Konzern würde daher keine Wechsel im weltweiten Allianzgefüge erfordern, was die betriebliche und IT-seitige Integration erleichtern könnte.

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hob bei einem Vor-Ort-Termin in Portugal die Intensivierung der eigenen Präsenz im Land hervor. Im laufenden Jahr 2026 bedient die Lufthansa Group den portugiesischen Markt mit rund 350 wöchentlichen Flügen, was einem Zuwachs von sechs Prozent gegenüber 2025 und 75 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 entspricht. Nach Berichten portugiesischer Wirtschaftsmedien stellt Lufthansa der TAP im Falle des Zuschlags eine Aufnahme in das nordatlantische Gemeinschaftsunternehmen „A++“ in Aussicht, das der deutsche Konzern gemeinsam mit United Airlines und Air Canada betreibt. Bereits im Jahr 2019 hatten Lufthansa und United Airlines Möglichkeiten für einen gemeinsamen Einstieg bei TAP gepflegt, die jedoch durch den Ausbruch der weltweiten Pandemie gestoppt wurden.

Gegenangebot von Air France-KLM und Konsolidierungsdruck im europäischen Luftverkehr

Auch der französisch-niederländische Luftfahrtkonzern Air France-KLM strebt mit seinem eingereichten Gebot eine Vertiefung seiner Marktposition im südeuropäischen und südamerikanischen Raum an. Im Fall eines Zuschlags für Air France-KLM würde TAP voraussichtlich mittelfristig aus der Star Alliance in das Bündnis SkyTeam wechseln, dem Air France und KLM angehören. Air France-KLM hat in den vergangenen Jahren bereits Beteiligungen an anderen europäischen Fluggesellschaften wie der skandinavischen SAS erworben und setzt seine Konsolidierungspolitik im europäischen Luftverkehrsmarkt fort.

Die wirtschaftliche Ausgangslage von TAP Air Portugal hat sich im Vergleich zu den Jahren der Restrukturierung stabilisiert. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 meldete die Fluggesellschaft das vierte profitable Jahr in Folge mit einem positiven Jahresüberschuss von 4,1 Millionen Euro bei Betriebserlösen von 4,3 Milliarden Euro und einem Passagieraufkommen von 16,7 Millionen Fluggästen. Die Liquidität des Unternehmens belief sich zum Jahresende 2025 auf 765,3 Millionen Euro. Diese Entwicklung stärkt die Position des Managements unter der Führung von Vorstands-Chef Luís Rodrigues in den Verhandlungen.

Weiterer Zeitplan und politische Entscheidungsfindung

Nach dem Eingang der verbindlichen Gebote am 29. Juli 2026 beginnt für die staatliche Finanzholding Parpública die formalisierte Auswertung der Angebote. Innerhalb von 30 Tagen muss die Holding der portugiesischen Regierung eine detaillierte Bewertung vorlegen. Auf dieser Grundlage kann das Kabinett entweder direkt eine Entscheidung für einen der beiden Bieter treffen oder Nachverhandlungen mit beiden Parteien aufnehmen.

Der Abschluss der kabinettsseitigen Entscheidung ist für Ende September 2026 geplant. Die finale finanzielle Abwicklung und der rechtliche Vollzug des Teilverkaufs werden nach Angaben der Regierung für den Sommer 2027 angestrebt, da im Vorfeld behördliche Genehmigungen, unter anderem durch die Europäischen Wettbewerbsbehörden, eingeholt werden müssen. Der Vertrag sieht zudem vor, dass die verbleibende staatliche Mehrheitsbeteiligung von 50,1 Prozent zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls an den gewählten Investor veräußert werden kann.

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