Die griechische Fluggesellschaft Aegean Airlines bereitet einem Bericht zufolge die Übernahme der Stimmrechtsmehrheit an der spanischen Fluggesellschaft Volotea vor. Das Vorhaben sieht eine Restrukturierung der Finanzen vor, bei der Schulden in Höhe von 56 Millionen Euro in Eigenkapital umgewandelt werden sollen.
Zusätzlich ist eine Kapitalerhöhung von 15 Millionen Euro geplant, von der Aegean Airlines voraussichtlich 9,5 Millionen Euro beisteuern wird. Die griechische Fluggesellschaft hatte sich 2024 erstmals an der spanischen Gesellschaft beteiligt und ihren Anteil nach einer vorherigen Kapitalmaßnahme im Jahr 2026 auf über 20 Prozent aufgestockt. Die Unternehmensleitung von Volotea hat die Berichte bislang weder bestätigt noch dementiert.
Die bevorstehende Übernahme betrifft auch die regionale Luftfahrtinfrastruktur in Nordspanien. Am Flughafen Asturien betreibt Volotea ihre wichtigste spanische Basis und tritt als marktbeherrschende Fluggesellschaft auf. Für das laufende Jahr plant das Unternehmen dort ein Angebot von mehr als 1,1 Millionen Sitzplätzen, was einer Steigerung von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Streckennetz ab Asturien umfasst 24 Verbindungen, darunter sieben internationale Routen zu Zielen wie Lissabon, Mailand-Bergamo, Porto, Rom, Paris-Orly, Brüssel und Florenz. Seit der Betriebsaufnahme im Jahr 2012 hat der Anbieter den Standort kontinuierlich ausgebaut und beschäftigt in der Region rund 160 Mitarbeiter.
Trotz einer Erholung im operativen Geschäft spiegeln die aktuellen Finanzzahlen von Volotea die Notwendigkeit einer Bilanzsanierung wider. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete die Fluggesellschaft zwar einen Umsatz von 818 Millionen Euro und steigerten das Betriebsergebnis um 41 Prozent auf 47,4 Millionen Euro. Unter dem Strich stand jedoch ein Nettoverlust von 64 Millionen Euro, der vor allem auf bilanzielle Einmaleffekte bei Steuerpositionen und Währungsreserven zurückzuführen ist. Zudem kündigte die Fluggesellschaft an, im Hinblick auf den bevorstehenden Winterflugplan mehrere unrentable Strecken im französischen Markt einzustellen.
Branchenbeobachter werten den Konsolidierungsschritt als Beleg für den anhaltenden Druck auf europäische Regionalfluggesellschaften. Hohe Treibstoffkosten, Personalkostensteigerungen und der Wettbewerb mit großen Billigfluggesellschaften erschweren kleineren Punkt-zu-Punkt-Anbietern die eigenständige Marktbehauptung. Für Aegean Airlines bietet die Mehrheitsübernahme die Möglichkeit, das eigene Streckennetz von Südosteuropa auf den westeuropäischen Raum auszweigen zu lassen, bringt jedoch das Risiko mit sich, die bilanziellen Altlasten und Restrukturierungskosten der spanischen Tochtergesellschaft mittragen zu müssen.