Ultrakurzstrecke: Air Malta und Malta Air im Vergleich

Sharklet eines Airbus A320 von Air Malta (Foto: Jan Gruber).
Sharklet eines Airbus A320 von Air Malta (Foto: Jan Gruber).

Ultrakurzstrecke: Air Malta und Malta Air im Vergleich

Sharklet eines Airbus A320 von Air Malta (Foto: Jan Gruber).
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Ultrakurzstrecken-Flüge stehen immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik und werden von immer mehr Staaten besonders hoch besteuert. Inseln können aus nachvollziehbaren Gründen im Regelfall nur auf dem See- oder Luftweg erreicht werden. Da liegt es in der Natur der Sache, dass es auch besonders kurze Flüge geben muss. So kurz, dass selbst Ryanair keinen Bordverkauf durchführt.

Der irische Lowcoster und seine Töchter Lauda Europe, Buzz, Malta Air und Ryanair UK sind europaweit bekannt, dass man ein fliegender Gemischtwarenhändler ist. Von Getränken und Snacks über Parfums und Rubbellose bis hin zu Smartphone-Gadgets wird so ziemlich alles feilgeboten. Je nach diensthabender Crew mal dezent, mal regelrecht aufdringlich. Die Einnahmen aus dem Bordverkauf sind ein nicht unerheblicher Teil des Konzernumsatzes. Umso überraschender, wenn es überhaupt keinen Verkauf gibt.

Die Inseln Sizilien und Malta verbindet traditionell sehr viel. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Malta Air (Ryanair) und die staatliche Air Malta gleich mehrere Städte Siziliens mit dem Flughafen Luqa verbinden. Vor der Corona-Pandemie wurde sogar äußerst hochfrequent geflogen, so dass von einer Art „Luftbrücke“ die Rede sein konnte. Derzeit ist das Angebot reduziert, was jedoch die beiden Player nicht daran hindert sich weiterhin einen harten Wettbewerb zu liefern.

Am schärfsten ist dieser auf der Route Malta-Catania-Malta, denn dies ist quasi die Rennstrecke zwischen den beiden Inseln. Air Malta bietet weiters Flüge nach Palermo an und der Ryanair-Mitbewerber Malta Air fliegt auch nach Trapani. In der Vergangenheit gab es auch reguläre Flüge nach Comiso. Aufgrund der aktuellen Situation konzentriert sich im Winterflugplan 2022/21 das Sizilien-Angebot beider Anbieter auf Catania.

Die Flugzeit zwischen den beiden Insel-Airports wird seitens der beiden Anbieter mit 40 bzw. 45 Minuten angegeben. Damit ist natürlich die Block-Time gemeint, denn die reine Zeit in der Luft beträgt maximal etwa 20 Minuten. Das ist auch der simple Grund warum sowohl Ryanair als auch Air Malta auf dieser Route keinen Bordverkauf anbieten: Die Zeit in der Luft ist schlichtweg zu kurz.

Vergleicht man die beiden Anbieter miteinander, so stellt sich rasch eine Frage: „Wer bietet weniger?“. Inkludiert ist bei beiden Fluggesellschaft so gut wie gar nichts mehr, wobei sich Air Malta beim Handgepäck kulanter zeigt. Der staatliche Carrier erlaubt die Mitnahme eines Hangepäckstücks im IATA-Standardformat sowie einer kleinen Tasche. Beim Konkurrenten Malta Air (Ryanair) ist hierfür das kostenpflichtige Prioritiy-Paket erforderlich. Dieses ist angesichts der kurzen Flugzeit nicht gerade billig und zum Teil auch teurer als der eigentliche Ticketpreis.

Vergleich der Flugscheinpreise

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Buchungsvorgang bei Ryanair einfacher gestaltet ist als jener bei Air Malta. Preislich gesehen macht es Sinn beide Anbieter zu vergleichen bzw. für den Hin- und Rückflug die jeweils andere Gesellschaft zu nutzen, da hier – je nach Flugtag – durchaus großes Sparpotential vorhanden ist.

Der irische Lowcoster lässt die Flüge von der Konzerntochter Malta Air durchführen und bietet Tickets zum Teil im einstelligen Eurobereich an. Je nach Auslastung werden aber auch dreistellige Preise für die Ultrakurzstrecke verlangt. Im „Value-Tarif“ ist nichts, außer dem reinen Flug und der Mitnahme einer kleinen Tasche inkludiert. Für das Priority-Paket werden mindestens zehn Euro fällig, Sitzplatzreservierungen gibt es ab zwei Euro. Die Mitnahme von Check-in-Gepäck ist vergleichsweise teuer.

Air Malta verlangt – abgesehen von Aktionstickets – um die 50 Euro. In der günstigsten Tarifklasse sind die Mitnahme eines Handgepäckstücks im IATA-Standardformat sowie einer kleinen Tasche inkludiert. Sitzplatzreservierungen sind bei Air Malta deutlich teurer als beim Mitbewerber Ryanair, jedoch schenken sich die beiden Anbieter bei aufzugebendem Gepäck preislich nicht wirklich viel. Es ist bei beiden Fluggesellschaften teuer.

Vergleich des Check-Ins

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Flughafen Luqa (Malta) – im Gegensatz zu Catania – verlangt, dass alle Passagiere – unabhängig von der gebuchten Airline – vor dem Betreten des Sicherheitsbereichs zu einer Dokumentenkontrolle zum jeweiligen Check-in-Schalter kommen. Das gilt auch dann, wenn man bereits über das Internet eingecheckt hat.

Genau da liegt bei Ryanair eine Kostenfalle, denn Passagiere, die meinen, dass sie „sowieso“ zum Schalter müssen, jedoch dort ohne Bordkarte auf dem Smartphone oder ausgedruckt „antanzen“ werden für den Schalter-Check-in zur Kasse gebeten. Das kann bis zu 50 Euro kosten.

Ryanair lässt den Wunschsitzplatz während dem Online-Check-in nicht kostenfrei auswählen, sondern verlangt dafür Geld. Wählt man die automatische Zuweisung, so werden äußerst häufig gemeinsam Reisende auseinandergesetzt und welch Zufall: Das Zusammensetzen wird dann zum Kauf angeboten. Offensichtlich Teil des Geschäftsmodells.

Beim Mitbewerber Air Malta können derzeit die Sitzplätze im Zuge des Online-Check-ins nach Verfügbarkeit frei gewählt werden. Es gibt jedoch auch Plätze, für die ein Aufpreis verlangt wird oder aber im Vorfeld eine bestimmte Buchungsklasse gewählt werden musste. Das Nachbuchen von Leistungen ist bei diesem Anbieter während dem Check-in nur eingeschränkt möglich. Zusätzlich verlangt Air Malta das Ausfüllen eines elektronischen Gesundheitsformulars, das jedoch in der Praxis nicht kontrolliert wird.

In Luqa muss man, unabhängig davon ob man mit Ryanair oder Air Malta fliegt, mit den Reiseunterlagen, den „Corona-Dokumenten“ und wenn vorhanden der Boardkarte zum Check-in-Schalter. Dort erhält man dann einen neuen Ausdruck der Bordkarte oder eine handschriftlich ausgefüllte Bestätigung, dass der „Docs Check“ durchgeführt wurde. Ohne eines der beiden Dokumente gibt es keinen Zutritt zum Sicherheitsbereich, denn der Airport hat vor dem Zugang Sicherheitspersonal positioniert, das niemanden ohne vorherigen Besuch des Schalters durchlässt.

Bei Air Malta ist – im Gegensatz zu Ryanair – der klassische Schalter-Check-in kostenfrei. Es ist also bei dieser Gesellschaft nicht erforderlich vorab online einzuchecken. Will man aber einen bestimmten Sitzplatz ohne Aufpreis ergattern, kann es dennoch Sinn machen möglichst früh übers Web einzuchecken, um diesen ergattern zu können.

Vergleich der Flüge

Ryanair lässt die Strecke Luqa-Catania-Luqa von der Tochtergesellschaft Malta Air bedienen. Im Regelfall kommen Maschinen des Typs Boeing 737-800 zum Einsatz. Der Konkurrent Air Malta fliegt mal mit Airbus A320 und mal mit A320neo.

Die Kabine des staatlichen Anbieters macht in jedem Fall einen ansprechenderen Eindruck und ist von nicht so viel Plastik geprägt wie beim Mitbewerber Malta Air. Ansonsten liegen die Unterschiede in kleinen Details: Bei Air Malta können die Rückenlehnen verstellt werden, bei der Ryanair-Tochter jedoch nicht. Der Sitzabstand hingegen ist ungefähr genau gleich. Vermutlich spielen diese Kleinigkeiten angesichts der sehr kurzen Flugzeit kaum eine Rolle.

Zu den Flügen gibt es nicht sonderlich viel zu sagen, denn große Unterschiede gibt es nicht. Die Zeit vertreibt man sich idealerweise mit dem Blick aus dem Fenster, denn es gibt Sizilien aus der Luft zu sehen. Je nach An- bzw. Abflugroute bekommt man auch einen guten Blick auf die Inseln Gozo, Comino und Malta. Sonderlich hoch fliegen die Maschinen angesichts der kurzen Flugzeit ohnehin nicht, so dass beeindruckende Ausblicke auf die Mittelmeer-Inseln wohl das Highlight sind.

Vergleich des Bordservice

Es gibt sowohl bei Malta Air (Ryanair) als auch Air Malta keinen. Zwischen Malta und Sizilien v.v. ist die Flugzeit viel zu kurz, um auch nur einen Trolley-Durchgang durch eine vollbesetzte Maschine machen zu können. Daher gibt es überhaupt keinen regulären Verkauf.

Grundsätzlich haben beide Fluggesellschaften so genanntes Paid-Catering. Das bedeutet, dass für Getränke und Speisen die Geldbörse gezückt werden muss. Auf der Catania-Strecke reicht aber die Flugzeit nicht aus.

Wer großen Durst hat, kann sich aber bei beiden Anbietern an die Crew wenden. Dies geschieht beispielsweise durch das Drucken des Knopfes oberhalb des Sitzplatzes. Beispielsweise Mineralwasser in Kunststofflaschen ist nämlich auf explizite Anfrage des Passagiers käuflich erhältlich. Im Bedarfsfall sollte man dies aber schnell nach dem Start machen, denn auf dieser Ultrakurzstrecke geht das Flugzeug sehr schnell wieder in den Landeanflug.

Alternative: Man kann sich durchaus auch im Sicherheitsbereich in Catania bzw. Luqa ein Getränk kaufen und mit an Bord nehmen. Besonders im Hochsommer, wenn es auf den beiden Inseln sehr heiß werden kann, sieht man beim Boarding viele Passagiere mit einer Wasserflasche in der Hand. Sofern es alkoholfreie Getränke sind und diese im Sicherheitsbereich gekauft wurden, ist es ausdrücklich erlaubt.

Allerdings muss an dieser Stelle auch auf einen unrühmlichen Umstand hingewiesen werden: Während am Flughafen Catania die Preise für Getränke im Sicherheitsbereich in etwa auf dem normalen Niveau der sizilianischen Gastronomie sind, muss man in Luqa bei Durst unverhältnismäßig tief in die Geldbörse greifen. Die Preise sind deutlich höher aus außerhalb des Sicherheitsbereichs und liegen erheblich über dem Niveau der maltesischen Gastronomie.

Fazit und Alternativen

Die Flugverbindungen zwischen Malta und Sizilien v.v. sind so genannte Ultrakurzstreckenflüge. Auf dem Festland würde man sich angesichts der äußerst kurzen Distanzen regelrecht aufs Hirn greifen wozu man für die wenigen Kilometer überhaupt das Flugzeug braucht. Auf Inseln ist die Situation aber anders, denn es gibt schlichtweg keine Brücke zwischen Sizilien und Malta. Die Anwohner sind also auf die Flugverbindungen angewiesen.

Alternativ steht eine Fährverbindung zur Verfügung. Je nach Kurs sind diese exklusiv für Passagiere und auf anderen können auch Kraftfahrzeuge mitgenommen werden. Diese werden von Virtu Ferries angeboten und legen auf Malta in Valletta ab. In Sizilien wird derzeit nur der Hafen Pozzallo angesteuert. Die Folge daraus: Man muss erst quer durch Sizilien reisen, um nach Catania zu kommen. Die Fahrzeit mit dem Linienbus beträgt rund 1,5 Stunden. Auch ist das Schiff, weil langsamer als das Flugzeug, deutlich länger zwischen den beiden Inseln unterwegs. Im Regulärpreis ist die Fähre oftmals teurer als die Flugverbindungen. Hat man aber einen Tagesausflug vor, dann hat Virtu Ferries Spezialtarife, die günstiger als das Flugzeug sein können.

Hinsichtlich dem Umweltschutz dürfte es zwischen Flugzeug und Fähre keine sonderlich großen Unterschiede geben. Beide Verkehrsmittel haben ihre Pros und ihre Contras, so dass jeder Reisende selbst entscheiden sollte was er für richtig hält.

Bezüglich der Flugverbindung kann das Fazit gezogen werden, dass man zunächst analysieren sollte was man eigentlich mitnehmen will. Wenn man mehr als eine kleine Tasche dabeihat, kann Air Malta unterm Strich günstiger sein und wenn nicht Ryanair. Es macht aber gerade bei Tagesausflügen absolut Sinn, wenn man die Preise genau vergleicht und für Hin- und Rückflug den jeweils anderen Carrier bucht, denn so lässt sich – je nach Flugtag – so einiges an Geld sparen.

Große Erwartungen in puncto Bordservice und Co darf man aber nicht haben, denn es gibt bei beiden Anbietern schlichtweg keinen. Bei Malta Air (Ryanair) kommt man somit in den ungewohnten Genuss eines kurzen Fluges mit gutem Ausblick auf das Mittelmeer und Inseln, jedoch ohne die sonst übliche Verkaufsshow. Wie erwähnt: Auch beim Mitbewerber Air Malta gibt es auf den Sizilien-Flügen keinen Bordverkauf.

Kritisch anmerken kann man durchaus, dass die Ultrakurzstreckenflüge im Vergleich zu anderen Verbindungen nach Festland-Italien rein rechnerisch für den Passagier teuer sind. Besonders bei Air Malta gibt es oftmals Flüge für 19 Euro und weniger nach Rom und Mailand-Linate. Angesichts des Umstands, dass die Flugzeit deutlich länger ist, zahlen Passagiere pro Flugminute nach Catania deutlich mehr. Bei Ryanair ist es auch nicht anders, jedoch verklopft der Anbieter oft Tickets im einstelligen Eurobereich, bei denen jedoch so ziemlich gar nichts inkludiert ist.

Video-Impressionen

Start von Air Malta mit A320 in Luqa in Richtung Catania.
Anflug von Air Malta auf Catania.
Start von Malta Air in Catania mit Ziel Luqa
Landung von Malta Air in Luqa

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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