Airbus A321F (Foto: Jan Gruber).
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Umbau gebrauter Passagierflugzeuge dominiert die Flottenaufstockung von Frachtfluggesellschaften

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In der internationalen Luftfrachtbranche vollzieht sich eine strukturelle Verlagerung bei der Bereitstellung von Frachtkapazitäten. Während fabrikneue Frachtflugzeuge regelmäßig die öffentliche Berichterstattung prägen, bilden in der Praxis Umbaumaßnahmen von gebrauchten Passagierflugzeugen zu Frachtern den Hauptanteil des Kapazitätszuwachses.

Getrieben durch das kontinuierliche Wachstum des grenzüberschreitenden Online-Handels und begrenzte Beiladekapazitäten im Frachtraum von Passagiermaschinen greifen Frachtfluggesellschaften und Leasingunternehmen vermehrt auf gebrauchte Verkehrsflugzeuge zurück. Langfristige Marktprognosen des Flugzeugherstellers Boeing gehen davon aus, dass die globale Luftlogistik bis in die 2040er Jahre hinein mehr als 2.800 zusätzliche Frachtflugzeuge benötigen wird. Mehr als die Hälfte dieser Einheiten wird voraussichtlich aus Umbauprogrammen hervorgehen.

Ursachen für die steigende Nachfrage nach Umbaufrachten

Der Ausbau internationaler E-Commerce-Plattformen hat die Warentröme im Luftverkehr nachhaltig verändert. Großvolumige Online-Händler und Expressdienstleister verlangen zunehmend hochfrequente Direktverbindungen für Paketgesellschaften anstelle klassischer Sammelguttransporte. Der Frachtraum im Unterdeck regulärer Passagierflugzeuge reicht für diese Logistikketten oft nicht aus, da Flugzeiten und Streckennetze von Passagiermaschinen primär nach den Bedürfnissen von Reisenden ausgerichtet sind.

Zudem füllen leichte Expresspakete das verfügbare Ladevolumen meist vollständig aus, bevor die maximale Gewichtsgrenze des Flugzeugs erreicht ist. Ein uneingeschränktes Hauptdeck, wie es ausschließlich dedizierte Frachtflugzeuge bieten, ist daher zur Maximierung des Volumens erforderlich. Luftfrachtunternehmen, Leasinggesellschaften und Charteranbieter erwerben gezielt 15 bis 20 Jahre alte Passagierflugzeuge, um diese zu Hauptdeck-Frachtern umzurüsten und flexible Logistikstrukturen aufzubauen.

Technische Abläufe des Umbauprozesses

Der Umbau eines Passagierflugzeugs in einen Frachter erfordert umfangreiche technische Eingriffe im Rahmen von Ergänzenden Musterzulassungen. Zu Beginn wird die Passagierkabine vollständig entkernt. Sitze, Bordeinbauten, Küchen, Toiletten und Gepäckablagen werden entfernt. Die Kabinenfenster werden mit Aluminiumabdeckungen verschlossen, während die Bodenstruktur für höhere Punktbelastungen verstärkt wird.

Ein zentraler Schritt ist das Einschneiden der Rumpfhaut zur Installation einer hydraulisch betriebenen Frachtlandschiene auf dem Hauptdeck, die Breiten von bis zu 3,71 Metern erreichen kann. Während des Einbaus sichern temporäre interne Versteifungen den Rumpf gegen Verformungen. Hinter dem Cockpit wird eine feste Schutzwand installiert, um die Besatzung vor verrutschender Fracht zu schützen. Zudem werden motorisierte Ladesysteme mit Führungsrollen und Kugelteppichen eingebaut, die ein rasches Verladen von Standardcontainern ermöglichen. Darüber hinaus werden die Flugsteuerungssoftware angepasst, Kabelbäume umverlegt und die Klimatisierungssysteme auf dem Hauptdeck verstärkt, um temperatursensible Fracht wie Pharmazeutika auf Langstrecken zu schützen.

Wettbewerb im Markt für Standardrumpf-Frachter

Im Segment der Schmalrumpfflugzeuge für regionale Expressnetzwerke konkurrieren etablierte Umbaumodelle direkt miteinander. Neben der Boeing 737-800BCF gewinnt der Airbus A321P2F an Marktanteilen. Während die Boeing 737-800BCF geringere Flugbetriebskosten auf Kurzstrecken aufweist, bietet der Airbus A321P2F aufgrund seines längeren Rumpfes knapp 28 Prozent mehr nutzbares Frachtvolumen und eine rund 22 Prozent höhere maximale Nutzlast.

Ein wesentlicher Vorteil des A321P2F liegt in der Verladbarkeit von Standardcontainern im Unterdeck, während die Boeing 737 dort auf manuelle Beladung angewiesen ist. Dies reduziert die Abfertigungszeiten am Boden. Aktuell bremst jedoch der Mangel an verfügbaren Gebrauchtflugzeugen das Umbaugeschäft in diesem Segment. Wartungsrückstände bei Triebwerken und Lieferverzögerungen bei Neufuhrwerken führen dazu, dass Passagiergesellschaften ihre bestehenden A321-Flotten länger im Liniendienst halten.

Entwicklung im Bereich der Großraumflugzeuge

Auf den interkontinentalen Langstrecken ersetzen zweistrahlige Umbaufrachter zunehmend ältere, dreistrahlig oder vierstrahlige Großraumflugzeuge. Muster wie der Airbus A330-300P2F und die Boeing 767-300BCF haben das mittlere Segment besetzt. Nun drängen schwerere Ausführungen wie die Boeing 777-300ERSF und die Boeing 777-200LR, die von Unternehmen wie Israel Aerospace Industries und Mammoth Freighters umgerüstet werden, in den Markt.

Zweistrahlige Umbaufrachter bieten deutliche Vorteile beim Treibstoffverbrauch. Eine umgebaute Boeing 777-300ERSF verbraucht pro Tonne Fracht bis zu 21 Prozent weniger Treibstoff als eine vierstrahlige Boeing 747-400F und bietet Platz für 30 Palettenpositionen auf dem Hauptdeck. Zudem profitieren Betreiber bestehender 777-Flotten von hohen Gleichteilequoten bei Triebwerken, Ersatzteilen und Besatzungsschulungen.

Wirtschaftliche Abwägung zwischen Neukauf und Umbau

Die Entscheidung für Umbauflugzeuge wird maßgeblich durch Kapitalüberlegungen bestimmt. Während ein fabrikneuer Frachter Anschaffungskosten von 185 Millionen US-Dollar oder mehr verursachen kann, lässt sich eine gebrauchte Passagiermaschine zu deutlich geringeren Kosten erwerben und umrüsten. Ein gebrauchter Rumpf einer A321-200 oder B737-800 schlägt mit 15 bis 30 Millionen US-Dollar zu Buche; die anschließende Wartung und der Umbau kosten etwa 6 bis 9 Millionen US-Dollar.

Mit Gesamtkosten von 21 bis 39 Millionen US-Dollar erhalten Frachtgesellschaften ein vollwertiges Arbeitsgerät zu Bruchteilen des Neupreises. Bei Großraumflugzeugen wie dem A330-300 oder der B777-300ER liegen die Gesamtinvestitionen je nach Triebwerkszustand bei bis zu 80 Millionen US-Dollar, was ebenfalls deutlich unter dem Preis von Neubauten liegt. Niedrigere Kapitalkosten bedeuten für die Betreiber geringere monatliche Fixlasten und niedrigere Auslastungsschwellen zur Erreichung der Gewinnzone. Bei saisonalen Nachfragerückgängen können diese Flugzeuge flexibler am Boden gehalten werden, ohne hohe Finanzierungskosten einzufahren.

Herausforderungen in den Umbau- und Wartungsbetrieben

Der Markt für Flugzeugumbauten steht derzeit vor Kapazitätsgrenzen in den Wartungs- und Umbaubetrieben. Kapazitätsengpässe bei qualifiziertem Fachpersonal sowie Durchlaufzeiten von 18 bis 24 Monaten begrenzen das Tempo der Fertigstellung. Zudem erfordern Großraumflugzeuge mit Spannweiten von über 64 Metern spezialisierte Hangarstrukturen, deren Ausbau hohe Investitionen erfordert.

Um Standzeiten zu minimieren, wählen Leasinggeber und Fluggesellschaften die einzusetzenden Gebrauchtflugzeuge genauer aus. Ein erfolgreicher Umbau setzt die rechtzeitige Sicherung von Umbauplätzen, gründliche technische Inspektionen vor dem Umbau sowie die Abstimmung von Lieferterminen mit langfristigen Frachtverträgen voraus. Trotz dieser Engpässe bleiben Umbaufrachter eine tragende Säule im internationalen Frachtverkehr, um gebrauchten Rumpfstrukturen eine zweite Nutzungsphase von 15 bis 20 Jahren zu ermöglichen.

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