Am Flughafen Frankfurt steht im Frühjahr 2027 ein umfassender Wechsel der operativen Standorte bevor. Die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor wird ihren gesamten Passagier- und Flugbetrieb vom bisher genutzten Terminal 1 in das neu errichtete Terminal 3 im Süden des Flughafengeländes verlegen.
Dieser schrittweise Umzug, der voraussichtlich im April 2027 vollzogen wird, bringt wesentliche Veränderungen für die Verteilung der Passagierströme und die Vorfeldlogistik am größten deutschen Luftverkehrsdrehkreuz mit sich. Durch den Abzug der Condor-Flüge wird das seit 1972 betriebene Terminal 1 spürbar entlastet, wovon insbesondere die Deutsche Lufthansa und ihre Partnergesellschaften der Star Alliance profitieren. Der Flughafenbetreiber Fraport erwartet durch die Trennung der Drehkreuzverkehre eine höhere Effizienz bei der Gebäude- und Gate-Nutzung sowie eine Reduzierung von Busabfertigungen auf den Vorfeldflächen.
Entlastung der Nord-Infrastruktur und Neuverteilung der Abfertigungskapazitäten
Das Terminal 1 bildet seit Jahrzehnten das zentrumnahe Herzstück des Frankfurter Flughafens. Trotz der Erweiterung um den 800 Meter langen Flugsteig A-Plus im Jahr 2012, der die jährliche Kapazität des Terminals um sechs Millionen auf etwa 40 Millionen Passagiere erhöhte, stieß die Anlage in den verkehrsreichen Sommermonaten regelmäßig an ihre Belastungsgrenzen. Die zeitgleiche Abwicklung der Netzwerkknoten von Lufthansa und den Lang- und Mittelstreckenflügen von Condor führte zu Engpässen bei den Gebäudegates und den Abstellpositionen.
Fraport-Betriebsvorstand Dietmar Focke wies darauf hin, dass die bisherige Konzentration der Flugbewegungen im Norden des Flughafens zu nicht kostenoptimalen Abläufen führte. Viele Maschinen mussten auf teils weit entfernten Vorfeldpositionen geparkt werden, was einen aufwendigen Einsatz von Abfertigungsbussen und Bodenpersonal erforderte. Durch die Inbetriebnahme des Terminals 3 und den Umzug von Condor lässt sich die Auslastung der gebäudenahen Fluggastbrücken im Terminal 1 erhöhen, was die Ein- und Aussteigezeiten für Passagiere verkürzt und den Fuhrparkeinsatz auf dem Vorfeld reduziert.
Condor als Hauptnutzer im Terminal 3 und Neugestaltung der Passagierprozesse
Mit einem jährlichen Aufkommen von zuletzt rund zehn Millionen Passagieren, von denen ein Großteil über das Drehkreuz Frankfurt reist, wird Condor im neuen Terminal 3 der mit Abstand größte Anbieter. Die Fluggesellschaft wird dort schätzungsweise rund 30 Prozent des gesamten Passagieraufkommens unter den mehr als 50 eingeplanten Airlines stellen. Zur Vorbereitung des Standorts führt die Fluggesellschaft derzeit mehrere interne Teilprojekte durch, um die IT-Infrastruktur, die Abfertigungsprozesse und die Personalplanung an die neuen Gegebenheiten im Süden des Flughafengeländes anzupassen.
Im Terminal 3 erhält Condor im zentralen Hallenbereich einen eigenen Anlaufpunkt für ihre Fluggäste, der als zentraler Check-in-Bereich konzipiert wird. Diese räumliche Entflechtung gewährt dem Ferienflieger eigenständige Prozesse bei der Gepäckaufgabe und Passagierleitung, die im dicht belegten Terminal 1 nicht in diesem Umfang umsetzbar waren. Langfristig plant Fraport, das bestehende Terminal 1 in den 2030er Jahren nach einer Grundsanierung des derzeit außer Betrieb befindlichen Terminals 2 zu einem zusammenhängenden Gebäudekomplex für die Abwicklung der Verkehrsströme von Lufthansa und der Star Alliance zu verschmelzen.
Technische Nachbesserungen und Kapazitätsaufbau bei der Skyline-Bahn
Ein kritischer Punkt bei der operativen Anbindung des Terminals 3 bleibt die Zuverlässigkeit der Personen-Transport-Systeme. Die neue Trasse der Skyline-Bahn verbindet die bestehenden Terminals im Norden und den Fernbahnhof direkt mit dem Terminal 3 im Süden. Während der Test- und Einführungsphase traten jedoch technische Schwierigkeiten auf, die im Sommer 2026 zu einer vorübergehenden Unterbrechung des Betriebs führten. Ursächlich hierfür war ein unerwartet hoher Verschleiß an Fahrwerksteilen, der durch die Kurvenführung der Schienenstrecke ausgelöst wurde.
Derzeit pendelt das Fahrbetriebssystem mit verringerter Kapazität: Statt der vorgesehenen acht Wagen kommen aktuell sechs Einheiten zum Einsatz, und die Höchstgeschwindigkeit wurde von 80 auf bis zu 50 Kilometer pro Stunde reduziert. Um den Passagierverkehr zum Start des Sommerflugplans 2027 reibungslos abwickeln zu können, arbeitet Fraport gemeinsam mit dem Systemhersteller Siemens Mobility an der Neukonstruktion der betroffenen Bauteile. Ziel ist es, bis zum Sommer 2027 die volle Beförderungskapazität des Systems wiederherzustellen, damit Umsteigepassagiere und Bahnreisende die Strecke zwischen dem Fernbahnhof und dem Terminal 3 zeitgerecht zurücklegen können.