Die US-amerikanische Fluggesellschaft United Airlines hat eine umfassende Umstrukturierung ihres Vielfliegerprogramms Mileageplus angekündigt, die das Verhältnis zwischen Airline, Passagier und Finanzdienstleistung grundlegend neu definiert. Mit den Änderungen, die für alle Ticketkäufe ab dem 2. April 2026 wirksam werden, verschiebt das Unternehmen den Fokus weg von der reinen Flugleistung hin zur Nutzung von Finanzprodukten. Im Kern der Reform steht eine massive Bevorzugung von Inhabern sogenannter Co-Branding-Kredit- oder Debitkarten.
Während diese Kundengruppe künftig von einer Verdopplung der Meilengutschriften pro ausgegebenem US-Dollar sowie signifikanten Rabatten bei der Einlösung profitiert, müssen Mitglieder ohne entsprechende Karte teils drastische Kürzungen hinnehmen. Besonders deutlich wird dies in den untersten Preissegmenten, in denen die Meilenvergabe für Basismitglieder gänzlich gestrichen wird. United Airlines folgt damit einem Trend innerhalb der US-Luftfahrtbranche, bei dem die Monetarisierung von Treueprogrammen durch Partnerschaften mit Banken zu einer der wichtigsten Ertragssäulen des Konzerns avanciert.
Finanzielle Anreize und die Aufwertung der Kartenprodukte
Die neuen Richtlinien von Mileageplus zielen unmissverständlich darauf ab, die Marktdurchdringung der hauseigenen Kreditkartenprodukte zu erhöhen. United Airlines bietet in Zusammenarbeit mit Bankpartnern wie Chase verschiedene Kartenmodelle an, die nun zum zentralen Werkzeug für das Meilensammeln werden. Inhaber dieser Karten können auf Flügen mit United künftig bis zu doppelt so viele Prämienmeilen pro Dollar sammeln wie Mitglieder ohne Kreditkarte. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Differenz zwischen Gelegenheitsfliegern und loyalen Kartenkunden so groß wie nie zuvor wird.
Zusätzlich zur beschleunigten Sammlung führt United einen pauschalen Rabatt von mindestens zehn Prozent ein, wenn Karteninhaber ihre gesammelten Meilen für Flugbuchungen einlösen. Dieser Schritt soll den psychologischen Anreiz erhöhen, die Karte nicht nur für Flugbuchungen, sondern auch für alltägliche Ausgaben zu nutzen, da der Gegenwert jeder gesammelten Meile durch den Einlöserabatt effektiv steigt. Andrew Nocella, Vertriebschef von United Airlines, begründete diesen Schritt damit, dass das Programm darauf ausgelegt sei, die Treue zum Unternehmen zu belohnen, und dass die besten Kunden die besten Vorteile der Branche verdienen würden.
Einschränkungen für Gelegenheitsflieger und Basic Economy
Während die Vorteile für Karteninhaber ausgebaut werden, fungiert die Reform für Mitglieder ohne Co-Branding-Vertrag als deutliche Entwertung ihrer bisherigen Sammelmöglichkeiten. Die Airline verschärft die Bedingungen insbesondere für preisbewusste Reisende. Wer künftig ein Ticket in der Buchungsklasse Basic Economy erwirbt und keine Mileageplus-Kreditkarte besitzt, wird für diesen Flug keinerlei Meilen mehr gutgeschrieben bekommen. Bisher erhielten Passagiere auch in den günstigsten Tarifen zumindest eine reduzierte Anzahl an Meilen.
Diese Streichung der Gutschrift in der Einstiegsklasse dient als klarer Hebel, um Passagiere entweder in höhere, teurere Buchungsklassen zu drängen oder sie zum Abschluss eines Kreditkartenvertrags zu bewegen. Auch in den regulären Economy-Klassen wird die Sammelrate für Nicht-Karteninhaber angepasst, was de facto einer Abwertung des Status für all jene gleichkommt, die ihre Flugreisen zwar bei United buchen, aber ihre Finanzgeschäfte über andere Institute abwickeln.
Wirtschaftliche Hintergründe der Vielflieger-Ökonomie
Die Umstellung bei United Airlines ist kein isoliertes Phänomen, sondern spiegelt die ökonomische Realität moderner US-Carrier wider. Die Vielfliegerprogramme von Airlines wie United, Delta oder American Airlines haben sich längst von reinen Marketinginstrumenten zu hochprofitablen Geschäftsbereichen entwickelt. Während der globale Flugbetrieb hohen Risiken durch Treibstoffpreise und geopolitische Spannungen ausgesetzt ist, generieren die Verträge mit Kreditkartenanbietern stetige und hochmargige Einnahmen.
Banken zahlen den Fluggesellschaften beträchtliche Summen für jede Meile, die an einen Kreditkartenkunden ausgegeben wird. Für United Airlines stellt das Mileageplus-Programm somit eine Art interne Bank dar, die Meilen als Währung verkauft. Die nun angekündigte Reform ist der Versuch, den Absatz dieser digitalen Währung durch die Zwangskoppelung an Kreditkarten zu optimieren. In Investorenkreisen wird dieser Schritt positiv bewertet, da er die Abhängigkeit vom reinen Ticketverkauf verringert und die Kundenbindung über das eigentliche Reiseerlebnis hinaus in den Alltag der Passagiere verlängert.
Vergleich mit Wettbewerbern im US-Markt
United Airlines ist nicht die erste Fluggesellschaft, die diesen Weg einschlägt. Bereits in den vergangenen zwei Jahren haben Wettbewerber wie Delta Air Lines ihre Programme ähnlich umgestaltet, wobei der Fokus verstärkt auf den Gesamtumsatz (Medallion Qualification Dollars) statt auf die geflogenen Meilen gelegt wurde. Delta sah sich jedoch nach massiven Protesten ihrer Elite-Mitglieder gezwungen, einige der härtesten Kürzungen wieder abzumildern.
United scheint aus diesen Erfahrungen gelernt zu haben und wählt einen differenzierteren Ansatz: Statt nur den Status zu erschweren, wird die Sammelrate für Prämienmeilen direkt an das Finanzprodukt gekoppelt. Dennoch beobachten Branchenexperten kritisch, ob die Entwertung für Basismitglieder langfristig nicht zu einer Abwanderung zu Billigfliegern führt, da der Anreiz, bei United zu buchen, für diese Gruppe schwindet, wenn keine Belohnung in Form von Meilen mehr winkt.
Operative Umsetzung und technologische Infrastruktur
Die technische Umsetzung der neuen Regeln erfordert eine tiefe Integration der Buchungssysteme mit den Daten der Kreditkartenpartner. Ab dem Stichtag 2. April 2026 muss das System bei jedem Ticketkauf in Echtzeit prüfen, ob der hinterlegte Mileageplus-Account mit einer aktiven Co-Branding-Karte verknüpft ist. Dies umfasst auch die Anwendung der neuen Rabattlogik bei der Einlösung von Meilen.
Für die Kunden bedeutet dies eine notwendige Überprüfung ihrer Profile. United Airlines plant, in den kommenden Wochen gezielte Kampagnen zu schalten, um die betroffenen Mitglieder über die neuen Vorteile – oder eben die drohenden Verluste – zu informieren. Es wird erwartet, dass die Zahl der Neuanträge für Kreditkarten bis zum Inkrafttreten der Änderungen signifikant ansteigen wird, da viele Vielflieger versuchen werden, ihren Status und ihre Sammelkraft zu sichern.
Langfristige Strategie und Marktpositionierung
Mit der Neuausrichtung von Mileageplus zementiert United Airlines ihren Anspruch, eine führende Rolle im Bereich der datengetriebenen Kundenbindung einzunehmen. Das Ziel ist eine geschlossene Wertschöpfungskette, in der der Kunde nicht nur mit United fliegt, sondern auch im täglichen Leben mit United bezahlt. Die Airline positioniert sich damit weniger als reiner Dienstleister für Transport, sondern als Plattform für ein umfassendes Lifestyle- und Finanz-Ökosystem.
Kritiker bemängeln jedoch, dass durch diese Entwicklung der ursprüngliche Gedanke des Vielfliegerprogramms – die Belohnung für tatsächlich im Flugzeug verbrachte Zeit und Kilometer – fast vollständig erodiert. In der neuen Welt von United Airlines ist der ideale Kunde nicht zwangsläufig derjenige, der am häufigsten im Flugzeug sitzt, sondern derjenige, der den höchsten Umsatz über seine Kreditkarte generiert. Diese Verschiebung der Prioritäten wird das Bild der Luftfahrtindustrie in den kommenden Jahren maßgeblich prägen und könnte dazu führen, dass herkömmliche Treueprogramme bald der Vergangenheit angehören.