Boeing 767-400 (Foto: Steffen Lorenz).
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United-Flugbegleiter fordern mit Streikgenehmigung höhere Löhne

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In einer Zeit, in der die Flugindustrie langsam aus den Turbulenzen der Pandemie herauskommt, stehen United Airlines und ihre Flugbegleiter vor einem neuen, potenziell disruptiven Konflikt.

Am Mittwoch versammelten sich Flugbegleiter der Airline an Flughäfen im ganzen Land, um für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Die Gewerkschaft Association of Flight Attendants (AFA) gab das Ergebnis einer Abstimmung bekannt, bei der sich nahezu 100 % der Teilnehmer für die Genehmigung eines Streiks aussprachen. Dies ist das erste Mal seit fast zwei Jahrzehnten, dass die Flugbegleiter von United Airlines über eine solche Maßnahme abgestimmt haben.

Hintergrund der Streikgenehmigung: Ein Kampf um gerechte Bezahlung

Die Spannungen zwischen dem Management von United Airlines und den Flugbegleitern sind nicht neu, haben aber in den letzten Monaten einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Flugbegleitergewerkschaft AFA hat vor über acht Monaten eine Bundesvermittlung beantragt, da ihre Mitglieder seit fast drei Jahren unter einem veränderbaren Vertrag arbeiten.

Der Präsident des United Chapters der AFA, Ken Diaz, kritisierte in einer Erklärung scharf die Unternehmensführung und wies darauf hin, dass das Management sich selbst massive Gehaltserhöhungen gewährt, während die Flugbegleiter Schwierigkeiten haben, ihre Grundrechnungen zu bezahlen. Die überwältigende Zustimmung der Flugbegleiter zur Streikgenehmigung sei ein klares Signal, dass sie bereit seien, für eine gerechte Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Forderungen der Gewerkschaft: Mehr Lohn, bessere Bedingungen

Die Hauptforderungen der AFA im neuen Tarifvertrag sind vielfältig und umfassen unter anderem eine zweistellige Erhöhung des Grundgehalts, höhere Löhne für die Arbeitszeit am Boden, rückwirkende Bezahlung bis zum veränderbaren Datum, flexible Arbeitszeiten, Arbeitsplatzsicherheit und eine verbesserte Altersversorgung.

Diese Forderungen reflektieren die wachsende Unzufriedenheit der Flugbegleiter, die sich in den letzten Jahren verstärkt hat. Besonders die Forderung nach einer besseren Bezahlung der Zeit, die am Boden verbracht wird, hebt die Gewerkschaft hervor, da diese Zeit derzeit oft nicht ausreichend kompensiert wird.

Reaktion von United Airlines: Verhandlungen gehen weiter

United Airlines hat die Streikgenehmigung zwar zur Kenntnis genommen, jedoch betont, dass es bislang keine Arbeitsniederlegungen gegeben habe und die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag weiterlaufen.

In einer Erklärung gegenüber der Presse betonte das Unternehmen, dass man weiterhin an einem branchenführenden Abkommen für die Flugbegleiter arbeite und dass beide Seiten sich aktiv an den Verhandlungen beteiligen. Diese Gespräche werden vom National Mediation Board (NMB) unterstützt, das bei einem Scheitern der Verhandlungen auch über die Genehmigung eines Streiks entscheiden könnte.

CHAOS: Eine Strategie mit Potenzial zur Disruption

Sollten die Verhandlungen scheitern, könnte die AFA eine Freigabe von der NMB beantragen, die eine 30-tägige „Abkühlungsphase“ einleiten würde. Diese Phase würde eine Frist für den Streik festlegen.

Die Gewerkschaft hat zudem eine Streikstrategie namens CHAOS (Create Havoc Around Our System) entwickelt, die es den Flugbegleitern ermöglicht, flexible und unvorhersehbare Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen. CHAOS könnte dazu führen, dass Streiks kurzfristig und ohne vorherige Ankündigung stattfinden, was nicht nur das Management, sondern auch die Passagiere erheblich treffen würde. Diese Strategie wurde entwickelt, um maximale Verwirrung und Störungen im Flugbetrieb zu erzeugen, ohne dass die genaue Natur oder der Zeitpunkt der Streikmaßnahmen vorher bekannt wird.

Historische Parallelen: Rückblick auf frühere Konflikte

Der letzte bedeutende Konflikt zwischen den Flugbegleitern von United Airlines und dem Management liegt fast zwei Jahrzehnte zurück. Im Jahr 2005 stimmten die Flugbegleiter während der Insolvenzverhandlungen der Airline ebenfalls über eine Streikgenehmigung ab.

Damals stand das Unternehmen am Rande des finanziellen Ruins, und die Verhandlungen waren besonders zäh. Der aktuelle Konflikt zeigt Parallelen auf, doch diesmal befinden sich sowohl die Flugbegleiter als auch die Airline in einer anderen Ausgangsposition. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben die Arbeitsbedingungen für viele in der Luftfahrtbranche verschärft, was den Druck auf das Management erhöht, die Forderungen der Gewerkschaft ernst zu nehmen.

Die Bedeutung des Konflikts für die Branche

Der Konflikt bei United Airlines ist kein Einzelfall. Auch bei anderen großen US-amerikanischen Fluggesellschaften wie American Airlines, Alaska Airlines und Southwest Airlines gibt es ähnliche Auseinandersetzungen, bei denen die Flugbegleiter für neue Verträge kämpfen. Diese Streiks und Verhandlungen könnten weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Branche haben, insbesondere wenn sie zu einem branchenweiten Phänomen werden. Die Gewerkschaften der Flugbegleiter sind sich ihrer Macht bewusst, und die Möglichkeit von Streiks während der Hauptreisezeiten, wie etwa am Labor Day, könnte das Management zusätzlich unter Druck setzen.

Während die Verhandlungen weitergehen, bleibt die Situation bei United Airlines angespannt. Die Flugbegleiter zeigen Entschlossenheit und sind bereit, für ihre Forderungen zu kämpfen, notfalls auch mit drastischen Maßnahmen wie einem Streik. Die kommenden Wochen und Monate werden entscheidend dafür sein, ob eine Einigung erzielt werden kann oder ob die Fluggesellschaft auf größere Störungen im Flugbetrieb zusteuert. In jedem Fall zeigt dieser Konflikt einmal mehr die Herausforderungen, denen die Luftfahrtbranche in der heutigen Zeit gegenübersteht, und die Notwendigkeit, faire und nachhaltige Lösungen für die Arbeitnehmer zu finden.

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