Die kroatische Agentur für die Untersuchung von Unfällen im Luft-, See- und Eisenbahnverkehr (AIN) hat eine detaillierte Untersuchung zu einem Zwischenfall am Flughafen Split eingeleitet. Vor knapp zwei Wochen kam eine elf Monate alte Airbus A220-300 der Croatia Airlines während des Startlaufs von der Startbahn ab.
Alle 137 Personen an Bord konnten das Flugzeug sicher verlassen. Ersten technischen Berichten zufolge kollidierte das linke Triebwerk vom Typ Pratt & Whitney PW1500G dabei mit einem Pistenschild. Das Flugzeug, das erst knapp 2.000 Flugstunden absolviert hat, erlitt Schäden am Bugfahrwerk und leichte Beschädigungen am Gehäuse des linken Triebwerks. Experten von Airbus und Pratt & Whitney unterstützen die kroatischen Behörden bereits bei der Auswertung des Stimmenrekorders sowie des Flugdatenschreibers.
Im Fokus der Ermittler stehen derzeit zwei Hauptszenarien: ein technischer Defekt oder äußere Wettereinflüsse. Videoaufnahmen aus der Kabine und erste Datenanalysen deuten auf einen möglichen plötzlichen Leistungsverlust des linken Triebwerks während der Beschleunigungsphase hin. Der daraus resultierende asymmetrische Schub könnte ein starkes Giermoment nach links verursacht haben. Gleichzeitig bestätigen meteorologische Gutachten zum Zeitpunkt des Vorfalls schwierige Bedingungen mit Starkregen, eingeschränkter Sicht und Windböen von bis zu 27 Knoten. Die Untersuchung prüft nun, ob eine schwere Seitenwindböe in der kritischen Hochgeschwindigkeitsphase kurz vor Erreichen der Entscheidungsgeschwindigkeit (V1) das Flugzeug destabilisierte und zum Startabbruch zwang.
Für Croatia Airlines kommt dieser Vorfall zu einem operativ sensiblen Zeitpunkt. Die Fluggesellschaft befindet sich mitten in einer umfassenden Flottenmodernisierung und plant, bis Ende 2026 vollständig auf den Airbus A220 umzustellen. CEO Jasmin Bajić bezeichnete das laufende Jahr aufgrund der parallelen Einführung von sieben neuen Maschinen und der Ausflottung älterer Modelle bereits zuvor als besonders anspruchsvoll. Der betroffene Jet mit der Registrierung 9A-CAN bleibt bis auf Weiteres außer Betrieb. Die Einstufung des Vorfalls als „schwerer Zwischenfall“ durch die Luftfahrtbehörden unterstreicht die Notwendigkeit einer lückenlosen Aufklärung, um potenzielle Risiken für die restliche A220-Flotte auszuschließen.
Flugbetriebsleiter Davor Mišić lehnte Spekulationen über menschliches Versagen oder spezifische Systemfehler zum jetzigen Zeitpunkt ab. Er betonte, dass eine abschließende Klärung der Ursachen mehrere Monate in Anspruch nehmen könne. Da die gesamte strategische Zukunft des staatlichen Carriers auf der A220-Plattform und der Getriebefan-Technologie von Pratt & Whitney basiert, wird das Ergebnis der Untersuchung in der Branche mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. In der Zwischenzeit wird das betroffene Flugzeug in Zagreb einer umfassenden technischen Prüfung unterzogen, bevor über eine Rückkehr in den Liniendienst entschieden wird.