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US Air Force investiert in zusätzliche Boeing 747-8 für Trainingszwecke

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Die US Air Force hat am 16. Dezember 2025 den Erwerb von zwei weiteren Flugzeugen des Typs Boeing 747-8 bekannt gegeben. Mit einem Investitionsvolumen von rund 400 Millionen US-Dollar reagiert das Militär auf die anhaltenden Verzögerungen bei der Fertigstellung der nächsten Generation der Präsidentenmaschine, bekannt unter der militärischen Bezeichnung VC-25B. Die neu erworbenen Maschinen sollen primär dazu dienen, ein umfassendes Programm für Training, Testläufe und Instandhaltung aufzubauen.

Damit will die Luftwaffe sicherstellen, dass sowohl die Flugbesatzungen als auch das technische Wartungspersonal vollständig auf das neue System vorbereitet sind, sobald die operativen Maschinen einsatzbereit sind. Da die Auslieferung der eigentlichen Air Force One tief in die zweite Hälfte des Jahrzehnts gerutscht ist, wächst der Druck auf die bestehende, alternde Flotte der VC-25A-Modelle aus den 1990er Jahren. Die zusätzlichen Flugzeuge werden ausdrücklich nicht für den Transport des Präsidenten umgerüstet, sondern fungieren als unterstützende Infrastruktur, um die Einsatzbereitschaft der zukünftigen Flotte langfristig abzusichern.

Hintergründe und Verzögerungen im VC-25B Programm

Das Projekt zur Erneuerung der präsidialen Luftflotte wurde bereits im Jahr 2018 offiziell gestartet. Geplant war ursprünglich, die zwei modifizierten Boeing 747-8 Flugzeuge ab dem Jahr 2024 in Dienst zu stellen. Das Programm sieht vor, die derzeit genutzten VC-25A-Maschinen – stark modifizierte Boeing 747-200 – nach über drei Jahrzehnten Einsatzzeit abzulösen. Die Komplexität des Vorhabens hat jedoch zu massiven Zeitverzögerungen geführt. In einer aktuellen Stellungnahme räumte die US Air Force ein, dass die Auslieferung der ersten neuen Präsidentenmaschine nun erst für Mitte 2028 erwartet wird.

Die Gründe für den Verzug sind vielfältig. Neben allgemeinen Unterbrechungen in der globalen Lieferkette kämpft das Programm mit personellen Engpässen bei spezialisierten Fachkräften. Eine besondere Herausforderung stellt die Installation der hochkomplexen Verkabelung und der spezifischen Verteidigungssysteme dar. Die VC-25B ist nicht nur ein Transportmittel, sondern fungiert als fliegendes Kommandozentrum, das über Kommunikations- und Sicherheitseinrichtungen verfügen muss, die denen des Weißen Hauses ebenbürtig sind. Diese hohen technischen Anforderungen haben den Umbauprozess erheblich in die Länge gezogen und die Kosten für den Hersteller Boeing in die Höhe getrieben.

Strategische Bedeutung der zusätzlichen Flugzeugankäufe

Der Kauf der zwei zusätzlichen 747-8 Einheiten für etwa 400 Millionen US-Dollar ist als strategische Absicherung zu verstehen. Da die operativen VC-25B Maschinen aufgrund ihrer Spezialausstattung extrem teuer im Betrieb sind und jede Flugstunde wertvolle Ressourcen verbraucht, sollen die neuen Trainingsmaschinen die Ausbildungslast tragen. Piloten und Flugingenieure können so Verfahren trainieren, ohne die hochsensiblen und oft im Umbau befindlichen Einsatzmaschinen zu beanspruchen. Auch das Bodenpersonal profitiert, da Wartungsabläufe an realen Flugwerken validiert werden können, ohne den engen Zeitplan der präsidialen Missionen zu gefährden.

Interessanterweise kursieren in der Branche Berichte darüber, dass die US-Regierung diese Flugzeuge möglicherweise von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa erwirbt. Weder das Pentagon noch die Airline haben diese Spekulationen bisher offiziell bestätigt. Die Entscheidung für die 747-8 als Trainingsplattform ist jedoch logisch, da sie baugleich mit der neuen Generation der Air Force One ist. So lassen sich aerodynamische Tests und Triebwerksschulungen eins zu eins auf das spätere Einsatzmodell übertragen.

Interimslösungen und die Rolle von Drittanbietern

Die US Air Force hat bereits im Vorfeld verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Lücke bis zur Indienststellung der VC-25B zu überbrücken. Zu Beginn des Jahres 2025 akzeptierte das US-Verteidigungsministerium eine Boeing 747-8, die zuvor von der katarischen Regierung betrieben wurde. Diese Maschine wird derzeit vom Rüstungsunternehmen L3Harris Technologies für exekutive Transportaufgaben umgerüstet. Auch wenn Details zur Konfiguration dieses speziellen Flugzeugs unter Verschluss gehalten werden, dient es als zusätzliche Kapazitätsreserve für hochrangige Regierungsvertreter, während die Hauptflotte modernisiert wird.

Diese Zwischenschritte verdeutlichen die Komplexität der Flottenplanung. Da die Produktion der Boeing 747 im Jahr 2022 offiziell eingestellt wurde, ist der Markt für gut erhaltene Gebrauchtmaschinen dieses Typs hart umkämpft. Die US Air Force muss daher proaktiv handeln, um sich die notwendigen Flugwerke für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Das Ziel ist eine nahtlose Kontinuität der präsidialen Lufttransporte, die als eines der sichtbarsten Symbole amerikanischer Macht gelten.

Wirtschaftliche Herausforderungen für den Hersteller

Für Boeing hat sich das ursprüngliche Geschäft mit der nächsten Air Force One als finanziell schwierig erwiesen. Der Vertrag wurde als Festpreisvereinbarung abgeschlossen, was bedeutet, dass der Hersteller alle über das Budget hinausgehenden Kosten selbst tragen muss. In den vergangenen Jahren musste Boeing bereits Abschreibungen in Milliardenhöhe im Zusammenhang mit dem VC-25B Programm vornehmen. Die nun angekündigten zusätzlichen Ankäufe der Air Force stehen zwar in einem anderen vertraglichen Kontext, unterstreichen aber die anhaltende Relevanz des Modells 747-8 für das US-Militär trotz der finanziellen Turbulenzen des Programms.

Die Integration der zwei neuen Maschinen in das Trainings- und Instandhaltungssystem wird voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Luftwaffe betont, dass diese Investition die Bereitschaft stärkt und sicherstellt, dass der Übergang von der alten VC-25A Generation zur modernen VC-25B Flotte ohne Einbußen bei der Sicherheit oder Funktionalität erfolgen kann. Während die Welt auf das offizielle Debüt der neuen blau-weißen Präsidentenmaschinen im Jahr 2028 wartet, wird hinter den Kulissen hart daran gearbeitet, die personellen und technischen Grundlagen für diesen historischen Technologiewechsel zu legen.

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