In einem ungewöhnlichen Schritt hat sich der einflussreiche US-Kongressabgeordnete Raja Krishnamoorthi direkt an den Chef der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair, Michael O’Leary, gewandt und vor dem Erwerb von in China hergestellten Comac-Flugzeugen gewarnt.
Der demokratische Politiker äußerte in einem Schreiben an O’Leary Sicherheitsbedenken im Falle einer Entscheidung Ryanairs für die C919 des chinesischen Herstellers, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Intervention des hochrangigen Mitglieds des Sonderausschusses des Repräsentantenhauses zur Kommunistischen Partei Chinas erfolgte im Anschluss an jüngste Äußerungen O’Learys, in denen dieser die Möglichkeit eines Comac-Kaufs bei entsprechend günstigem Preis in den Raum gestellt hatte.
Krishnamoorthi argumentierte in seinem Schreiben, das Reuters einsehen konnte, dass US-amerikanische und europäische Fluggesellschaften nicht einmal die zukünftige Anschaffung von Flugzeugen von chinesischen Militärunternehmen in Erwägung ziehen sollten. Diese deutliche Warnung unterstreicht die Besorgnisse in den Vereinigten Staaten hinsichtlich der engen Verbindungen zwischen dem staatlichen Flugzeugbauer Comac und dem chinesischen Militär. Es wird befürchtet, dass der Einsatz chinesischer Flugzeuge in westlichen Flotten sicherheitspolitische Risiken bergen könnte, beispielsweise im Hinblick auf Spionage oder die Integrität der Systeme.
Die Reaktion Krishnamoorthis ist auf ein Interview zurückzuführen, das Michael O’Leary im März 2025 dem Branchenportal Skift gab. Darin hatte der Ryanair-Chef erklärt, dass seine Fluggesellschaft den schmalrumpfigen Jet C919 von Comac in Betracht ziehen würde, falls der Preis attraktiv genug sei. Konkret nannte O’Leary einen Preisnachlass von zehn bis zwanzig Prozent gegenüber vergleichbaren Modellen von Airbus als Bedingung für eine Bestellung. Diese Aussage deutete eine mögliche Abkehr von der traditionellen Beschaffungsstrategie Ryanairs hin, die bisher stark auf Boeing ausgerichtet war.
Comac C919 als Konkurrent für etablierte Modelle
Die Comac C919 wurde entwickelt, um mit den etablierten Schmalrumpfflugzeugen Airbus A320 und Boeing 737 zu konkurrieren. In China erfreut sich das Flugzeug bereits großer Beliebtheit bei den dortigen Fluggesellschaften. Allerdings verfügt die C919 bislang lediglich über die Zulassung der chinesischen Luftfahrtbehörde CAAC.
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hatte kürzlich signalisiert, dass die Zertifizierung des Flugzeugtyps durch europäische Aufsichtsbehörden voraussichtlich drei bis sechs Jahre in Anspruch nehmen könnte. O’Leary zeigte sich in dem Interview mit Skift jedoch zuversichtlich, dass die C919 letztendlich die europäische Zulassung erhalten werde, was den Weg für einen Einsatz in der Ryanair-Flotte ebnen würde. Er betonte, dass für ihn primär der Preis ausschlaggebend sei und es unerheblich sei, ob die Flugzeuge von Boeing, Airbus oder Comac hergestellt würden.
Ryanair-Chef reagiert auf Warnung mit Hinweis auf US-Zölle
Am 1. Mai 2025 reagierte Michael O’Leary auf das Schreiben von Kongressabgeordneten Krishnamoorthi. Laut Reuters deutete er an, dass Ryanair den Kauf von Flugzeugen anderer Hersteller, einschließlich Comac, in Erwägung ziehen würde, falls US-Zölle die Kosten für Boeings Flugzeugbestellungen für Ryanair erhöhen sollten.
In seinem Antwortschreiben an Krishnamoorthi, das ebenfalls von der Nachrichtenagentur eingesehen wurde, schrieb O’Leary, dass Ryanair seine aktuellen Boeing-Bestellungen sicherlich neu bewerten würde, falls die US-Regierung ihre „fehlgeleiteten Pläne“ zur Einführung von Zöllen fortsetze und diese Zölle den Preis für Boeing-Flugzeugexporte nach Europa maßgeblich beeinflussten.
Boeing-Bestellungen von Ryanair im Blickpunkt
Nach Angaben des Luftfahrtanalyseunternehmens ch-aviation wartet Ryanair derzeit auf die Auslieferung von 29 Boeing 737 Max 8 200 und 150 Max 10. Diese beträchtliche Anzahl ausstehender Bestellungen unterstreicht die bisherige enge Partnerschaft zwischen Ryanair und Boeing. Die Äußerungen O’Learys deuten jedoch an, dass diese Beziehung unter dem Druck möglicher US-Zölle auf den Prüfstand gestellt werden könnte.
Die Bereitschaft, alternative Flugzeugmuster von anderen Herstellern in Betracht zu ziehen, demonstriert die Preissensibilität des Billigflugsegments und die Entschlossenheit Ryanairs, seine Kostenbasis niedrig zu halten. Der Ausgang dieser Auseinandersetzung zwischen einem einflussreichen US-Politiker und dem streitbaren Chef einer europäischen Fluggesellschaft bleibt somit vorerst ungewiss.