Die australische Regionalfluggesellschaft Regional Express Holdings (Rex Group) hat nach einer 15-monatigen Phase der freiwilligen Verwaltung eine entscheidende Wende erfahren. Die Gläubiger stimmten am 11. November formell einem Sanierungsplan (Deed of Company Arrangement, DOCA) zu, der von der US-amerikanischen Luftfahrt-Holding Air T vorgeschlagen wurde. Dieser Beschluss ebnet den Weg für die Übernahme des Kerngeschäfts von Rex – Regional Express durch Air T. Die vollständige Übertragung der operativen Kontrolle und des rechtlichen Eigentums wird voraussichtlich bis Mitte Dezember 2025 abgeschlossen sein.
Die Einigung sichert nicht nur die Zukunft der Regionalfluggesellschaft, die 54 Flughäfen in ganz Australien bedient, sondern ist auch an ein substanzielles Unterstützungspaket der australischen Regierung geknüpft. Dieses umfasst einen neuen Kredit in Höhe von 60 Millionen australischen Dollar (etwa 39,3 Millionen US-Dollar) und eine Umstrukturierung von Altschulden in Höhe von rund 90 Millionen australischen Dollar (etwa 59 Millionen US-Dollar). Im Gegenzug verpflichtete sich Air T zur langfristigen Aufrechterhaltung der regionalen Flugdienste in Australien. Die Rettung wird von den Insolvenzverwaltern als ein „überlegenes Ergebnis für die Stakeholder“ gewertet.
Kern des Geschäfts: Regionale Konnektivität und Flugzeugflotte
Die Übernahme durch Air T konzentriert sich auf die wesentlichen Geschäftsbereiche, die für die Konnektivität des australischen Regionalraums von zentraler Bedeutung sind. Im Zentrum steht der regionale Turboprop-Betrieb von Rex, der mit einer Flotte von Saab 340B Flugzeugen 54 Flughäfen bedient. Diese Flüge waren während der gesamten Administrationsphase von Juli 2024 an durch erhebliche finanzielle Unterstützung der australischen Regierung aufrechterhalten worden, was die Systemrelevanz des Regionalnetzes unterstreicht.
Der Übernahmevertrag umfasst neben den Kernflugdiensten weitere wichtige Einheiten der Rex Group:
- Australian Airline Pilots Academy (AAPA): Die Pilotenausbildungseinrichtung, die für die langfristige Personalentwicklung der Airline und der gesamten australischen Luftfahrtbranche von Bedeutung ist.
- Australian Aero Propeller Maintenance (AAPM): Der Dienstleister für die Wartung von Luftfahrzeugpropellern, der die technische Infrastruktur des Saab 340B-Betriebs sichert.
- Rex Flyer: Das bestehende Vielfliegerprogramm der Fluggesellschaft.
Die Zusage von Air T sieht vor, die Flotte von Saab 340B und Saab 340B(Plus) Flugzeugen auf 47 Einheiten aufzustocken und diese innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre weiter zu betreiben. Diese langfristige Verpflichtung zur Nutzung eines etablierten Regionalflugzeugtyps bietet den ländlichen Gemeinden Australiens eine gewisse Planungssicherheit hinsichtlich der Aufrechterhaltung ihrer Flugverbindungen.
Das Ende der Jet-Ambitionen
Ein wichtiger Teil der Gläubigerabstimmung war die formelle Abwicklung des verlustreichen Geschäftsfeldes, das die Rex Group in die Krise geführt hatte. Die juristische Einheit Rex Airlines Pty Ltd, die für den kurzlebigen Betrieb der Boeing 737-800 auf den wettbewerbsintensiven nationalen Hauptstrecken (sogenannte domestic trunk routes) zuständig war, ist explizit nicht Teil der Übernahme.
Die Gläubiger stimmten dafür, diese Gesellschaft in die Liquidation zu überführen. Dieser Schritt beendet formell den dreijährigen, ambitionierten Vorstoß der Rex Group in den nationalen Jet-Markt Australiens, wo sie in direkte Konkurrenz zu etablierten Marktführern wie Qantas und Virgin Australia getreten war. Diese Expansion hatte sich als finanziell nicht tragfähig erwiesen und war der Hauptgrund für die Einleitung des Insolvenzverfahrens am 30. Juli 2024. Die Entscheidung der Gläubiger, den Jet-Betrieb einzustellen und den regionalen Kernbetrieb zu retten, spiegelt die Priorität wider, die essentiellen Luftverkehrsdienste für die 54 bedienten Regionalzentren zu sichern.
Die Rolle der australischen Regierung und Air T’s Verpflichtungen
Die erfolgreiche Sanierung und Übernahme durch Air T wurde maßgeblich durch die Unterstützung der australischen Bundesregierung ermöglicht. Das finanzielle Unterstützungspaket, das mit der Übernahme verbunden ist, ist ein deutliches Indiz für das strategische Interesse der Regierung an der Aufrechterhaltung der regionalen Konnektivität.
Das Paket beinhaltet nicht nur die Umstrukturierung von Altschulden in Höhe von etwa 90 Millionen australischen Dollar, sondern auch die Bereitstellung eines neuen Kredits in Höhe von 60 Millionen australischen Dollar. Diese staatlichen Eingriffe stellen eine erhebliche finanzielle Entlastung dar und schaffen die notwendige Liquidität, um den Betrieb unter dem neuen Eigentümer neu aufzustellen.
Im Gegenzug für die staatliche Unterstützung und die Zustimmung der Gläubiger ging Air T, eine Holdinggesellschaft mit Sitz in den USA, die eine Reihe von Tochtergesellschaften im Luftfahrtbereich besitzt, konkrete Verpflichtungen ein. Die wichtigste Zusage ist die Erhaltung der regionalen Flugdienste. Air T hat zugesagt, die Regionalflotte auf 47 Flugzeuge zu erweitern und diese für die kommenden zehn bis 15 Jahre zu betreiben. Diese Verpflichtung zur langfristigen Bereitstellung von Regionalflügen war eine entscheidende Bedingung für die staatliche Unterstützung und die Genehmigung des DOCA.
Sam Freeman, Partner bei EY Parthenon und einer der Administratoren des Verfahrens, bestätigte, dass die Vereinbarung die Zukunft der Airline sichere und „ein überlegenes Ergebnis für die Stakeholder“ biete. Er würdigte auch die breite Unterstützung, die Rex während der Administrationsphase von Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und der Regierung erfahren hat, als entscheidend für das erfolgreiche Ende des Verfahrens. Die Übernahme der Rex Group durch Air T markiert damit einen tiefgreifenden Umbruch im australischen Luftverkehr, der die Stärke des Regionalgeschäfts hervorhebt und gleichzeitig die Risiken einer unkontrollierten Expansion im Inland aufzeigt.