Ein 44-jähriger indischer Geschäftsmann ist vor dem Bezirksgericht Bülach in der Schweiz wegen schwerwiegender sexueller Vergehen verurteilt worden. Der Angeklagte hatte im März dieses Jahres auf einem Nachtflug von Mumbai nach Zürich eine schlafende 15-Jährige massiv mißbraucht.
Das Urteil wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Rechtsfragen, die sich aus Verbrechen im internationalen Luftraum ergeben, und verdeutlicht die Herausforderungen für die Justiz, solche Taten über Landesgrenzen hinweg zu verfolgen. Das Gericht sprach eine Freiheitsstrafe auf Bewährung aus und verhängte zugleich eine mehrjährige Einreisesperre sowie weitere weitreichende Konsequenzen, die das Leben des Verurteilten nachhaltig verändern werden.
Die Tat in der Luft: Ein Verbrechen auf transkontinentalem Flug
Der Vorfall ereignete sich während des Fluges von Mumbai nach Zürich, als sich die meisten Passagiere zur Nachtruhe begeben hatten. Die 15-jährige junge Frau war eingeschlafen, als sie das Opfer der Tat wurde. Laut den Akten und den Aussagen des Angeklagten nutzte der Geschäftsmann die Abgeschiedenheit und Dunkelheit in der Flugzeugkabine aus, um die schlafende Minderjährige zu mißbrauchen. Nach dem Erwachen wehrte sich das Opfer und die Tat flog auf. Das Flugzeugpersonal wurde alarmiert und die Besatzung leitete umgehend die erforderlichen Maßnahmen ein.
Am Flughafen in Zürich warteten bereits die lokalen Polizeikräfte, die über den Vorfall informiert worden waren und den Mann nach der Landung festnahmen. Die schnelle Reaktion von Besatzung und Behörden war entscheidend, um die Strafverfolgung in die Wege zu leiten. Der Angeklagte, der die Taten später vor Gericht gestand, mußte sich für Vergewaltigung und sexuelle Handlungen mit einem Kind verantworten.
Komplexe Rechtslage: Verbrechen im internationalen Luftraum und die Frage der Zuständigkeit
Die Verfolgung von Verbrechen in der Luft ist eine juristische Herausforderung. Die Frage, welches Land für die Strafverfolgung zuständig ist, ist von zentraler Bedeutung. Hier kommt das Prinzip der extraterritorialen Gerichtsbarkeit zum Tragen, das in internationalen Verträgen wie dem Abkommen von Tokio aus dem Jahr 1963 geregelt ist. Dieses Abkommen legt fest, daß der Staat, in dem ein Flugzeug registriert ist (in diesem Fall die Schweiz), sowie der Staat, in dem das Flugzeug landet, die Zuständigkeit für die Untersuchung und Verfolgung von Straftaten an Bord haben.
In diesem Fall entschied die Schweizer Justiz, das Verfahren zu übernehmen, da das Flugzeug in Zürich landete und die Airline Swiss International Air Lines ihren Hauptsitz in der Schweiz hat. Die Tatsache, daß der Täter und das Opfer aus einem anderen Land stammten, war für die Zuständigkeit des Gerichts in Bülach, das am Zürcher Flughafen angesiedelt ist, zweitrangig. Das Verfahren beweist die Wirksamkeit dieser internationalen Regelungen.
Das Urteil und seine Wirkung: Strafe, Einreiseverbot und Ausweisung
Das Bezirksgericht Bülach verurteilte den 44-jährigen Geschäftsmann zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Die Strafe wurde jedoch zur Bewährung ausgesetzt, was bedeutet, daß der Verurteilte nicht unmittelbar ins Gefängnis muß, solange er sich in den kommenden Jahren keine weiteren Vergehen zuschulden kommen läßt. Experten des Schweizer Strafrechts weisen darauf hin, daß eine solche Bewährungsstrafe oft in Fällen verhängt wird, in denen der Angeklagte geständig ist, keine Vorstrafen hat und eine Reue zeigt.
Die weiteren Strafen sind jedoch von immenser Bedeutung: Das Gericht sprach ein fünfjähriges Einreiseverbot für die Schweiz und ein lebenslanges Tätigkeitsverbot im Umgang mit Minderjährigen aus. Nach der Gerichtsverhandlung wurde der Inder sofort an die Einwanderungsbehörden übergeben, die seine Ausschaffung aus der Schweiz einleiteten. Die Kombination aus Bewährungsstrafe, Einreiseverbot und sofortiger Abschiebung ist ein deutliches Signal der Härte des Urteils und dessen weitreichenden Konsequenzen, die weit über das bloße Urteil hinausgehen.
Die Rolle der Fluglinie und die Sicherheit an Bord
Die Handlungen der Flugbesatzung waren in diesem Fall entscheidend für die Überführung des Täters. Das Personal von Swiss reagierte sofort auf die Meldung der Tat, informierte die entsprechenden Behörden und bereitete die Übergabe des Angeklagten an die Polizei vor. Fluggesellschaften sind heute durch strenge interne Protokolle und Schulungen darauf vorbereitet, mit solchen unvorhergesehenen und traumatischen Situationen umzugehen.
Obwohl sexuelle Übergriffe an Bord von Flugzeugen statistisch gesehen seltene Ereignisse sind, sind sie eine ständige Bedrohung, die eine hohe Wachsamkeit des Personals erfordert. Der Fall unterstreicht auch die Notwendigkeit, daß die Passagiere selbst aufmerksam bleiben, um die Sicherheit aller zu gewährleisten.