Airbus A330-200 (Foto: Laurent Errera).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Verhandlungen über die Gründung einer neuen staatlichen Fluggesellschaft in Namibia

Werbung

Die Regierung der Republik Namibia führt derzeit Sondierungsgespräche mit der ostafrikanischen Fluggesellschaft Ethiopian Airlines sowie mit lokalen Akteuren der Luftfahrtbranche über die künftige Struktur der geplanten staatlichen Fluggesellschaft Namibia Air.

Das Ministerium für öffentliche Arbeiten und Verkehr in Windhoek stellte in einer offiziellen Erklärung klar, dass sich die Verhandlungen derzeit in einer rein analytischen Phase befinden und bislang keine rechtsverbindlichen Verpflichtungen eingebracht wurden. Ziel der Gespräche ist die Evaluierung eines tragfähigen Betriebsmodells, das Fehler der Vergangenheit vermeiden soll. Im August 2026 erreichte das Nachfolgeunternehmen der 2021 liquidierten Air Namibia einen wichtigen regulatorischen Schritt, indem die nationale Transportkommission die Lizenzen für den Linien- und Chartermarkt erteilte. Eine endgültige Inbetriebnahme hängt von verbleibenden Zertifizierungsschritten und der Finanzierungsstruktur ab.

Diskussionen um vertrauliche Unterlagen und das Betriebsmodell

Auslöser für die Klarstellung der Regierung war die Veröffentlichung eines internen Dokuments durch die namibische Zeitung Windhoek Observer. Der Bericht bezog sich auf Beratungen zwischen einer namibischen Delegation und Vertretern von Ethiopian Airlines, die am 21. August 2026 und am 22. August 2026 in Addis Abeba stattfanden. Das Verkehrsministerium in Windhoek distanzierte sich von der Veröffentlichung und betonte, dass der Bericht kein offizielles Arbeitspapier oder eine beschlossene Regierungslinie darstelle. Entsprechende Darstellungen über bereits getroffene Vereinbarungen seien irreführend.

Nach den Berichten der Lokalzeitung soll Ethiopian Airlines ein operatives Konzept vorgeschlagen haben, das auf dem Einsatz von Turboprop-Maschinen des Typs ATR 72-600 basiert. Zudem umfasste der Diskussionsrahmen technische Unterstützung, die Ausbildung von Personal, Wartungsdienstleistungen sowie Hilfe bei der Flugzeugbeschaffung. Ein Managementvertrag zur Unterstützung beim Aufbau der Namibia Air stand ebenfalls im Raum. Eine direkte Kapitalbeteiligung lehne die äthiopische Fluggesellschaft zum aktuellen Zeitpunkt jedoch ab, solange kein tragfähiger Businessplan vorliegt. Für den Fall einer späteren Beteiligung fordere das Unternehmen operative Kontrollrechte und die Besetzung von Schlüsselpositionen in der Geschäftsführung.

Die Partnerschaftsstrategie von Ethiopian Airlines auf dem afrikanischen Kontinent

Das Vorgehen von Ethiopian Airlines fügt sich in ein bestehendes Muster ein, mit dem die Fluggesellschaft ihr Netzwerk auf dem afrikanischen Kontinent über Beteiligungen und Kooperationen ausbaut. So hält das Unternehmen unter anderem 49 Prozent der Anteile an der Air Congo in der Demokratischen Republik Kongo, für die derzeit ebenfalls Maschinen des Typs ATR 72-600 geleast werden. Weitere Kooperationen bestehen mit ASKY Airlines in Togo, Malawian Airlines und Zambia Airways.

Allerdings verliefen nicht alle Initiativen der Airline erfolgreich. Die Tochtergesellschaft Ethiopian Mozambique Airlines musste ihren Betrieb im Jahr 2021 einstellen, nachdem die Nachfrage im Zuge der Pandemie stark eingebrochen war. Das geplante Gemeinschaftsunternehmen Nigeria Air in Lagos wurde im Jahr 2023 endgültig aufgegeben. Auch Verhandlungen mit Regierungsstellen in Südafrika und Ghana führten in der Vergangenheit zu keinen operativen Ergebnissen. Vor diesem Hintergrund prüfen beide Seiten die wirtschaftlichen Risiken einer Zusammenarbeit im Rahmen der geplanten Gründung von Namibia Air.

Regulatorische Voraussetzungen und Flottenplanung für Namibia Air

Unabhängig von den Gesprächen mit externen Partnern treibt die namibische Luftfahrtbehörde die rechtlichen Vorbereitungen für den Marktstart voran. Nachdem im August 2026 die grundsätzlichen Linien- und Charterlizenzen bewilligt wurden, benötigt das Unternehmen vor der Aufnahme des Flugbetriebs ein Luftverkehrsbetreiberzeugnis, das sogenannte Air Operator Certificate. Das Verkehrsministerium strebt an, den Zertifizierungsprozess innerhalb von 90 Tagen abzuschließen, um einen kommerziellen Start im Dezember 2026 zu ermöglichen.

Hinsichtlich der Flottenstruktur weichen die im Amtsblatt veröffentlichten Pläne vom vorgeschlagenen ATR-Modell der Ethiopian Airlines ab. Laut einer Bekanntmachung im Government Gazette vom 8. Juli 2026 beabsichtigt Namibia Air, den Flugbetrieb mit vier Regionaljets des Typs Embraer ERJ-145 sowie drei Flugzeugen der Modelle Embraer 170 oder Embraer 175 aufzunehmen. Dieses Streckennetz soll sowohl nationale Verbindungen innerhalb Namibias als auch internationale Routen umfassen.

Wirtschaftliches Umfeld und lokale Konkurrenz im namibischen Luftverkehr

Der Aufbau einer neuen Staatsairline erfolgt vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Scheiterns von Air Namibia, die über Jahre hinweg auf erhebliche staatliche Subventionen angewiesen war und schließlich 2021 aufgrund hoher Verschuldung abgewickelt werden musste. Die namibische Regierung betont daher, dass Entscheidungen über die Ausgestaltung der neuen Fluggesellschaft ausschließlich auf Grundlage finanziellem, technischem und kaufmännischem Prüfungen getroffen werden.

Im Markt trifft das neue Unternehmen auf etablierte private Anbieter. Die namibische Charter- und Leasinggesellschaft Westair Aviation betreibt unter der Marke FlyNamibia das derzeit einzige private Liniennetz des Landes. Westair verfügt nach Branchenangaben über eine Flotte von sieben Embraer ERJ-145 sowie zwei kleineren Embraer 135, die ursprünglich aus Beständen der aufgelösten Air Namibia stammten. Ob der namibische Markt ausreichend Passagierpotenzial für den parallelen Betrieb mehrerer Fluggesellschaften bietet, bleibt ein zentraler Punkt der laufenden Marktanalysen.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung